Was ist mit deinen Spielen, wenn Google Stadia stirbt?

Marina Hänsel 7

Gehören uns die Spiele, die wir über Google Stadia kaufen? Nein, warum sollten sie? Ist das aber im Falle von Google Stadia ein Problem? Oh ja. Cloud-Streaming reitet diesen November ins Land der Videospiele ein, und es gibt da ein oder zwei Dinge, die ich dir mit auf den Weg geben will.

Lass uns hiermit anfangen: Schaust du Amazon Video? Anders ausgedrückt: Hast du dir je Filme zum Streamen bei Amazon gekauft? Ich schon, allerdings ohne mir je die Frage zu stellen, was mit eben jenen gekauften Filmen passiert, sollte Amazon sterben.

Natürlich wird Amazon nie sterben – oder bankrott gehen, um es anders auszudrücken. Wie könnte es. Richtig? Ich meine, wenn doch – aber nein. Ach. Aber wenn doch – dann sind alle deine gekauften Filme vielleicht weg. Oh, es kann übrigens auch sein, dass du einzelne Filme heute schon nicht sehen kannst. Trotz Kaufen und allem. Sollte Amazon die Lizenz zu einem Film verlieren, den du dir bereits über Amazon Video gekauft hast, dann kannst du ihn nicht mehr streamen. Das ist schon passiert, wie Consumerreport berichtet. Und es ist ganz sicher nicht nur einmal passiert. Einzige Lösung für deinen gekauften Stream ist ein Download des Films, allerdings funktioniert auch das nur über die Amazon-App, die ja nun in unserem fiktiven „Amazon ist tot“-Szenario nicht mehr lange funktionieren dürfte.

Warum ich über Amazon Video rede? Weil es bei Google Stadia sehr wahrscheinlich nicht anders sein wird. Lass mich dir kurz erklären, wie der Cloud-Gaming-Dienst Google Stadia eigentlich funktioniert. Google Stadia ist nicht gleich Google Stadia – es gibt zwei Versionen:

  • Google Stadia Base
    • kostenlos
    • du streamst deine gekauften Google Stadia-Spiele, sodass du auch auf einem schlechten Rechner in 1080p, 60 FPS & Stereo spielen kannst
  • Google Stadia Pro
    • 9,99 Euro im Monat
    • du streamst deine gekauften Google Stadia-Spiele, sodass du auch auf einem schlechten Rechner in bis zu 4k, 60 FPS & 5.1 Surround-Sound spielen kannst
    • dazu gibt’s eine Auswahl an Spielen, die du dir nicht extra kaufen musst, um sie zu streamen
    • exklusive Stadia-Angebote

So gesehen ist Google Stadia kein Netflix für Games, sondern eher ein Amazon Video/Amazon Prime für Games. Obwohl auch der Vergleich noch immer etwas hinkt. Was genau passiert also nun mit all den gekauften 60-Euro-Titeln, sollte Google Stadia irgendwann sterben? Du wirst keine Kopie dieser Spiele besitzen, sie würde einzig in der Cloud existieren, in einer Wolke aus Streams und 4K-Versprechungen. Aber gibt es die Cloud auch ohne Stadia?

Google Stadia will übrigens viele tolle Features bieten; daran ist also keineswegs alles schlecht:

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8 faszinierende Ideen, die Google Stadia umsetzen will.

Bis dass der Tod uns scheidet

Ob es die Cloud und damit auch deine Spiele ohne Google Stadia geben wird, kann ich dir nicht beantworten. Einfach, da es erst passieren muss, bevor wir hier genaue Antworten haben. Sonderbar ist nur, dass Stadia die scheinbar genauso wenig hat, wie wir. Wie wäre es mit einer Geschichte? Einer wahren sogar, also pass auf:

Im Reich Reddit, vor nicht allzu langer Zeit, machte sich User IntitialLingonberry dieselben Gedanken und fragte einen Abgesandten aus dem Zauberland Stadia, was denn mit den Spielen passieren möge, sollte die Streaming-Plattform abgesetzt werden.

Gibt es Garantien? Können die Spiele anderweitig installiert werden?

Der Abgesandte aus dem Reich Stadia neigte also seinen Kopf und setzte zur Antwort an. Lass uns hören, was er gesagt hat:

Wir bekommen die Frage oft. Ich höre dich. In die Cloud zu gehen ist beängstigend. Ich habe mich genauso gefühlt, als Musik von der Datei zum Streaming wechselte. Ich habe noch immer meine alten CDs in der Garage … auch wenn es schwer ist, heutzutage noch einen CD Player zu finden.

Das Selbe ist mit Filmen und Fotos und Docs und anderen Dateien passiert … Und es ist großartig! Spiele sind nicht anders. Irgendwann werden all unsere Spiele sicher in der Cloud sein und wir werden uns dabei wunderbar fühlen. Wir haben sehr viel in die Technik, die Infrastruktur und unsere Partnerschaften über die letzten Jahren hinweg investiert. Nichts im Leben ist sicher, aber wir sind sehr daran interessiert, dass Stadia ein Erfolg wird.

Die Spiele, die du über Stadia kaufst, sind deine zum Spielen. Vom ersten Tag an unterstützen wir ‚Takeout‘, du kannst also deine Metadaten herunterladen, einschließlich deiner Spielstände, wenn du willst.

Natürlich ist es okay, an unseren Worten zu zweifeln. Es gibt nichts, das ich sagen könnte, damit du uns glaubst, wenn du es nicht tust. Was wir allerdings tun können, ist den Service in Gang zu setzen und über die nächsten Jahre hinweg immer weiter in ihn zu investieren. Genauso, wie wir es mit gMail, Docs, Musik, Filmen und Fotos getan haben. Genau das ist, was wir wollen.“

Aber lieber Abgesandter aus dem Lande Stadia, hast du denn überhaupt unsere Frage beantworten? Der vermummte Mann schwieg gewichtig und beantwortete über den Rest der Diskussion hinweg einzig ganz andere Fragen, trotz erneuter Aufforderungen, doch erst einmal diese eine Auskunft zu geben. Vielleicht müssen wir einfach nur glauben? Das zumindest schlägt auch Jim Sterling vor, der in einem Video eben jene unbeantwortete Frage bespricht und das auf eine recht amüsante Art – allerdings auf englisch:

Nun lass uns das Zauberland Stadia vielleicht einen Moment verlassen, um einen Blick auf die Realität zu werfen.

Du kaufst keine Spiele, die kaufst Lizenzen

Zuallererst einmal gehören dir sowieso keine Spiele. Du erwirbst mit dem Kauf einzig das Recht, die verschiedenen Titel zu spielen – ebenso wie du dir das Recht erkaufst, Filme zu schauen und Musik zu hören. Dieses Recht kann ganz unterschiedlich ausfallen und an weitere Bedingungen gebunden sein, wie etwa einen Online-Zwang: „Du kannst das Spiel nur spielen, wenn du online bist.

Da wären wir dann bei der Digitalen Rechteverwaltung angekommen, kurz DRM. Ein DRM-System ist keineswegs nur ein Kopierschutz, womit es hauptsächlich in Verbindung gebracht wird. Es ist ein zusammenfassender Begriff für alle Bedingungen, die festlegen, wie genau du jenes Spiel verwenden darfst und kannst. Steam ist ein solches DRM-System, das dir Lizenzen zu Spielen verkauft, die du in einem bestimmten Rahmen (über Steam) spielen kannst. Deinstallierst du Steam, gibt’s auch keine Steam-Spiele mehr für dich. (Es gibt allerdings einen Offline-Modus.)

Was passiert, wenn Steam Pleite geht? Auch das wissen wir nicht, denn es ist einfach noch nicht passiert. Interessant mag hier auch der Gedanke sein, dass große Plattformen wie Steam sicherlich nicht einfach so verschwinden werden. Viel wahrscheinlicher ist es, dass sie aufgekauft werden, sollte das Schiff plötzlich sinken. Wird Steam verkauft, ist die Chance recht hoch, dass du deine Spiele behalten kannst und sich womöglich gar nicht so viel ändert.

Aber wer weiß. Ich weiß nur, dass ich nicht sehr viel weiß, wenn es um meine gekauften Spiele geht.

Das Problem mit Google Stadia ist nun, dass der Dienst nicht nur Lizenzen verkauft, sondern sie an einen keineswegs sehr sicheren Dienst bindet – die Stadia-Cloud. Über die wirst du spielen, aber sollte Stadia tatsächlich Pleite gehen oder von Google abgesetzt werden, weil zu wenig Interesse daran bestand … wo spielst du dann? Nirgendwo. Deine Lizenz ist dann nichts mehr wert, denn sie ist nicht DRM-frei. Sie bindet dich an Stadia und nein, weder Google noch Google Stadia können dir garantieren, dass der Service für immer bestehen bleibt.

Kennst du eigentlich noch Google+? YouTube Gaming? Google Spaces? Musst du jetzt auch nicht mehr, denn all diese Google-Dienste sind tot. Da ist eine Seite, die dir ganz genau sagt, welche Apps, Services und Hardware von Google bereits abgesetzt wurde – Killed By Google. Natürlich will Google, dass Stadia ein Erfolg wird – eine Garantie jedoch wird und kann es nicht geben, da der Erfolg hauptsächlich abhängig von dir ist. Oder anders gesagt: Von all denen, die den Dienst nutzen werden.

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Googles Friedhof: 19 Projekte, die vom Mega-Konzern zu Grabe getragen wurden.

Lieber gar nicht erst kaufen?

Die Frage ist gar nicht, ob Cloud-Gaming funktioniert oder nicht. Natürlich funktioniert es und ja, sehr wahrscheinlich werden irgendwann all unsere Spiele in einer Cloud abhängen, ganz ähnlich zu Musik, Film, Fotos und Dokumenten. Die Frage ist vielmehr, wie du deine Spiele nutzen darfst – und ob jene Lizenz zum Spielen der Titel dich dazu berechtigt, das Produkt herunterzuladen und eventuell auch außerhalb der Cloud zu spielen.

Die Frage kann aber auch sein, ob jener Streaming-Dienst dir eine Absicherung zugesteht. Und egal, welche Frage wir stellen, es sollte zumindest eine Antwort darauf geben, ob unsere gekauften Spiele einfach ohne unser Zutun verschwinden könnten. Aus welchem Grund auch immer.

Vielleicht sollten wir anfangen, mehr Fragen zu stellen. Oder uns jenen Diensten zuwenden, die Antworten haben, anstatt unseren Forderungen auszuweichen. GOG etwa verkauft DRM-freie Spiele, und das bedeutet unter anderem, dass du kein GOG und keinen Launcher brauchst, um diese Spiele zu starten. Oder zu kopieren. Sollte GOG jemals in die ewigen Jagdgründe der Spiele-Plattformen eingehen, so behältst du all die gekauften Titel. Und weißt du noch etwas? Das ist eine Ausnahme.

Natürlich aber ist GOG kein Streaming-Dienst, denn DRM-frei und Streaming passt nicht so richtig zusammen. Und um nun noch eine letzte Frage zu stellen: Warum überhaupt Spiele kaufen, wenn wir streamen? Warum nicht das tatsächliche Netflix-Prinzip übernehmen und Spiele auf gewisse Zeit leihen? Ich nehme an, es ist besser, ganz auf die Rechte an dem Spiel zu verzichten, und das in vollem Bewusstsein – als sie erst zu kaufen und dann PUFF! Sind sie alle weg.

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