Was sagen aktive eSportler und Moderatoren zur DOSB-Debatte? - exklusives Interview

Olaf Fries 1

Mitten in der DOSB-Debatte, ob eSport ein echter Sport ist oder nicht, lief das Counter Strike GO Major in Berlin. Ich war live vor Ort, um mir die Matches anzusehen und mit mehreren aktiven Akteuren zu sprechen, was sie davon halten.

Was sagen aktive eSportler und Moderatoren zur DOSB-Debatte? - exklusives Interview

Astralis gewinnt das CS GO Major 2019 in Berlin in einer mehr als überzeugenden Art und Weise. „Putting on a clinic“, würde es im englischen heißen. Der dänische Squad ist somit das erste Team in der CS GO-Geschichte, dass drei „back-to-back Major Championships“ gewinnt. Ach, und dabei haben sie ganz nebenbei 500.000 US-Dollar als Preisgeld eingesackt. Aber um den Turnierverlauf soll es hier nicht, viel interessanter war für mich die Frage, wie die aktiven eSportler und weitere Akteure in der Szene die Debatte um den DOSB sehen. Welche Meinung vertreten sie? Die ein oder andere Ansicht hat selbst mich überrascht.

Was sagt einer der Gewinner dazu?

Ich hatte die Chance mit Emil „magisk“ Reif von Astralis zu sprechen und habe ihn erstmal gefragt, ob er und das Team sportliche Abläufe bereits in ihrem Alltag besitzen oder dieser Aspekt negiert wird.

Was wir als physischen Teil haben, ist, dass wir jeden Morgen um 9 Uhr morgens aufwachen und ins Fitnessstudio gehen. Wir gehen als Team für eine Stunde ins Fitnessstudio. Und es kann alles sein: Vom Laufen auf dem Laufband bis hin zum Krafttraining. Ich gehe immer 30 Minuten auf das Laufband und trainiere dann oft mit dev1ce zusammen, weil er wirklich fit ist und es macht immer Spaß mit den ‚Großen zu spielen‘. Aber das Wichtigste für mich ist, dass Blut zum fließen zu bringen. Ich habe das Gefühl, dann mehr Energie zu haben und mein Gehirn funktioniert einfach besser. Ich denke, dass dies wirklich wichtig ist, alleine aufgrund unserer Reaktionszeiten die wir haben müssen. Dies kann auch den Unterschied machen, ob wir ein Turnier gewinnen oder nicht. Es ist wichtig für uns in guter physischer Form zu bleiben. Wir betreiben viel Aufwand dahingehend und besitzen auch viele Routinen. Wir haben auch einen Sportpsychologen, der dafür sorgt, dass es uns auch mental gut geht.“

(Quelle: Igor Bezborodov / Starladder auf Flickr)

Hinter den Vorhang zu schauen ist immer interessant. Vor allem, dass das Team physische wie auch psychologische Routinen aufweist, um ihren Tagesablauf strukturiert zu halten, ist ein positives Zeichen in meinen Augen. Vielleicht macht dies auch den Unterschied aus zu anderen Squads. Wobei viele andere Teams innerhalb der eSports-Szene auch endlich aufschließen. So hat beispielsweise SK Gaming Yann-Benjamin Kugel verpflichtet, den ehemaligen Athletiktrainer der deutschen Fußball Nationalmannschaft.

In Bezug auf die DOSB-Debatte stand Magisk auf meiner Seite und sprach wahrscheinlich fast jedem aktiven Profi-eSportler aus dem Herzen:

Ehrlich gesagt denke ich, dass es echter Sport ist, meiner Meinung nach. Wenn Schach eine Sportart sein kann, warum soll eSport keine Sportart sein? Für mich ist es definitiv ein Sport, nicht nur wegen der körperlichen Aspekte, sondern auch wegen allem, was drum herum geschieht. Ich bin froh, dass Dänemark das auch so sieht, weil es dort als Sport akzeptiert wurde und jeder von uns auch eine Sportrente erhält. Ich hoffe, dass es auch in Zukunft jeder als Sport akzeptieren kann.“

(Quelle: Igor Bezborodov / Starladder auf Flickr)

Geschweige dessen, was es für den eSport bedeuten würde beispielsweise vom DOSB akzeptiert zu werden, würden natürlich auch die Spieler Vorteile erhalten und davon profitieren. Wie anhand der Sportrente von Magisk zu sehen ist.

Wir brauchen das System nicht

Wie zu jedem Thema im Leben gibt es natürlich auch im Bezug auf die DOSB-Debatte geteilte Meinungen. Sean „seang@res“ Gares ist nicht nur Caster, sondern selbst Profi in CS GO. Unter anderem ist auch Cloud9 eine seiner Stationen, wo er mit shroud damals zusammen gespielt hatte. Er denkt anders über die Sache als Magisk:

Es war schon immer eine Debatte und ich bin die ganze Zeit darauf eingestiegen. Aber jetzt bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht denke, dass wir ‚echter Sport‘ sein wollen. Ich denke, eSports ist etwas ganz Besonderes und Einzigartiges. Ich denke, es sollte sich zu etwas ganz anderem entwickeln als ‚echter Sport‘. Organisationen arbeiten auf eine ganz andere Art und Weise und monetarisieren es auch ganz anders. Es gibt keine Stadien. Die Fangemeinde im eSport ist global, während die Fangemeinde für traditionelle Sportarten in der Regel lokal ist. Ich möchte ehrlich gesagt nicht mehr mit echten Sportarten verglichen werden. Denn ich denke, wenn unsere Generation erst einmal älter geworden ist, wird die Hälfte dieser Sportarten wahrscheinlich ausbleichen und eSports-Titel werden größer sein.

(Quelle: Igor Bezborodov / Starladder auf Flickr)

Ähnlich sieht es auch Jacob „Pimp“ Winneche, ebenfalls CS GO-Profi und Caster für verschiedene Events:

Ich halte dieses ganze Gespräch darüber, ob es sich um einen ‚echten Sport‘ handelt oder nicht, für lächerlich, um ganz ehrlich zu sein. eSports ist eSports und es ist was es ist. Es ist dasselbe, wenn darüber diskutiert wird, ob Schach eine echte Sportart ist oder nicht. Ich denke, es ist ein Spiel, wie Counter Strike ein Spiel ist und Menschen konkurrieren innerhalb dessen. Und sie haben ein Publikum bei dem was sie tun. Was auch immer als Sport benannt wird oder nicht, ist für mich unbedeutend. Diese ganze Diskussion verändert nicht die Gefühle, die involviert sind, es verändert nicht das Zuschauer-Erlebnis. Das Einzige, was sich ändern würde, wäre im politischen Sinne.

Sportlich gesehen sieht aber auch Winneche in den eSportlern heutzutage eine höhere körperliche Belastung als in anderen anerkannten Sportarten:

Wenn man die beiden, Schachspieler und eSportler, miteinander vergleichen, denke ich, dass eSportler eine höhere körperliche Anforderungen haben. Viel Hand-Auge-Koordination, viel Energieverbrauch , viel Fokus und auch viele mentale Aspekte die involviert sind. Aber auch hier spielt es für mich keine Rolle, ob diese Anforderungen den Standards des Sports entsprechen. Es ist immer noch ein Spiel. Es ist ein Wettbewerb, ob es sich um einen Sport handelt oder nicht.“

Aber wie ist deine Meinung dazu? Schreib es in die Kommentare, es interessiert uns!

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