Wegen Dragon Quest Builders 2 spiele ich jetzt JRPGs

Steffen Marks

Für gewöhnlich schrecken mich JRPGs durch ihre oftmals sehr langen Dialoge und überdrehte Charaktere spätestens nach wenigen Momenten wieder ab. Auch in Dragon Quest Builders 2 erzählen mir die NPCs jede Kleinigkeit aus ihrem Alltag. Und trotzdem könnte dieser zweite Teil der Spin-Off Serie mein Einstieg in die Welt der japanischen Rollenspiele sein.

Wegen Dragon Quest Builders 2 spiele ich jetzt JRPGs

Es gibt Momente in Spielen, in denen möchte ich einfach aufhören und etwas anderes anfangen. Zum Beispiel, wenn mich der gleiche Gegner zum wiederholten Male umlegt. Oder wenn ich mich durch Unmengen an Dialog klicken darf und im Nachhinein genau so schlau bin, wie vor dem Gespräch. Die Fire Emblem-Reihe ist da ganz weit vorne. Natürlich werden in den Gesprächen die meist gelungenen Geschichten erzählt, aber viel zu oft drehen sich die Unterhaltungen darum, was mein Gegenüber als letztes gegessen hat. Auch der zweite Teil der Dragon Quest Builders Reihe lässt mich sehr viel lesen, schlägt für mich persönlich aber eine Brücke zu den „richtigen“ JRPGs.

Von allem ein bisschen

Und das gerade weil es eben kein Rollenspiel ist. Wie du in unserem Test nachlesen kannst, hast du in Dragon Quest Builders 2 ähnlich wie in Minecraft die freie Entscheidungsgewalt über die Gestaltung der Welt. Es verfrachtet das Aufbau-Gameplay allerdings in die Welt von Dragon Quest mit dem ikonischen Design von Akira Toriyama und vor allem gibt es dir eine übergeordnete Story an die Hand. Diese macht es auf der einen Seite deutlich zugänglicher als den Genre-Meilenstein von 2009, unterbricht aber auch immer wieder den Spielfluss, wenn Mitbewohner meines Dorfes mir ihr Leid über die Ernte klagen.

Allerdings wäre ein weiteres Spiel wie Minecraft für mich definitiv nicht interessant gewesen und die verschiedenen Charaktere wie Malroth geben der Welt einen besonderen Charme. Auch der Einschlag von Harvest Moon ist nicht zu übersehen und es gilt immer genug Nahrung für die Dorfgemeinschaft anzubauen. Und auch das Kämpfen kommt nicht zu kurz, auch wenn es anspruchslos ausfällt und einfaches Draufkloppen meist zum Erfolg führt.

Eine Siedlung mit Charakter

Dragon Quest Builders 2 verbindet erfolgreich mehrere Genres. Farm- und Aufbaumanagement werden mit Open-World-Erkundung und Echtzeitkämpfen verbunden. Und auch Crafting und ein Levelsystem wurden untergebracht. Diese Mischung aus den einzelnen Elementen gleicht sich gelungen aus. Neben zahlreichen Essensrezepten, gibt es ungemein viele Baupläne für Räume und Gegenstände die dein Protagonist lernen kann.

Über die Interaktion mit den Mitbewohnern meines Dorfes bekomme ich regelmäßig neue Quests und Wünsche an die Hand. Darüber lerne ich die NPCs nicht nur besser kennen, das Bestellen des Ackers und der Aufbau der Siedlung motivieren durch die Hintergründe der Charaktere noch mehr. Auch hier gibt es nicht wenige Augenblicke, in denen ich einfach weiterspielen möchte, anstatt mir durchzulesen, wie fasziniert Rosie von Weizen und Kohlköpfen ist. Manche gescripteten Einblendungen lassen sich gar nicht überspringen und bleiben gerne Mal 15 Sekunden. Jedoch hält sich das im Verhältnis zu anderen Titeln noch im Rahmen und ich baue nach wie vor fleißig und motiviert an meinen Dörfern.

Die Mischung machts

Obwohl es abgesehen von der Levelstufe, die die Stärke meines Charakters und meiner Begleiter erhöht, keine Rollenspiel-Elemente enthält, fühlt sich Dragon Quest Builders 2 für mich wie eine Vorbereitung auf die Spiele der Hauptreihe oder andere Titel wie die „Tales of“-Serie an. Das JRPG-Light mixt Einflüsse aus Japan mit ausreichend altbekannten Mechaniken, sodass ich mich gut einfinde und mehr von dem anderen, dem Unbekannten sehen möchte.

Zu dieser Eingewöhnung trägt der hübsche Grafik-Stil aus dem Dragon-Quest-Universum in einem nicht unerheblichen Maße bei. Mit ziemlicher Sicherheit kann ich in einem weiteren Anlauf bei einem Spiel aus der Hauptreihe oder einem Persona 5 einen längeren Atem beweisen und durch meine positiven Erfahrungen mit dem Dragon Quest Baukasten anderen, komplexeren Rollenspielen aus Japan eine Chance geben. Denn die haben sie definitiv verdient.

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