WhatsApp-Geld ab 2020: Vier Fragen und Antworten zur Facebook-Währung Libra

Stefan Bubeck

Der Konzern Facebook wird eine „globale Digitalwährung“ einzuführen, die fest in seinen Plattformen WhatsApp und Instagram verankert werden soll. Für uns Nutzer stellt sich nicht nur die Frage, was „Libra“ eigentlich ist, sondern auch was es uns genau bringen soll. GIGA hat die wichtigsten Fragen und Antworten für dich zusammengefasst.

Digitalwährung Libra: Was du jetzt wissen musst

In einem 12-seitigen PDF auf der Webseite der Libra Association erklärt Facebook, was es mit der neuen Währung auf sich hat – allerdings auf Englisch und reichlich abstrakt. Was aber jetzt schon jeder wissen sollte: Das, was da auf uns zukommt kann man durchaus mit dem Hype um die Kryptowährung Bitcoin vergleichen – nur dass diesmal ein anderer Ansatz gewählt wurde und von Beginn an namhafte Partner an Bord sind. Libra hat gewaltiges Potenzial und könnte den digitalen Zahlungsverkehr revolutionieren.

1. Was ist Libra?

Facebook selbst spricht von einer „globalen Währung und finanziellen Infrastruktur“. Zum Verständnis hilft der Blick auf die Kryptowährung Bitcoin. Beide Währungen entstehen durch ein hoch kompliziertes Rechenprogramm (Libra Blockchain, PDF), echte Münzen oder Scheine gibt es bei diesen digitalen Währungen nicht. Auch bei Libra wird man eine digitale Geldbörse („Wallet“) nutzen, die „Calibra“ heißen wird. Während der Bitcoin-Kurs starken Schwankungen unterliegt, wird die „GlobalCoin“ Libra aber an klassische Währungen wie Euro, Yen oder Dollar gekoppelt sein. Das soll für verlässliche Wechselkurse sorgen – sehr wichtig, wenn man sein Libra-Guthaben in Euro umtauschen möchte. Starten soll Libra in der ersten Jahreshälfte 2020 – bis dahin sind aber noch einige rechtliche Fragen zu klären. Die geplante „Facebook-Währung“ ruft jetzt schon zahlreiche Kritiker auf den Plan.

Hier das englischsprachige Einführungsvideo von Libra:

2. Was kann man mit Libra machen?

Mit Libra wird man beispielsweise über Ländergrenzen hinweg Geld überweisen – mit dem Vorteil, dass hier keine teuren Gebühren anfallen. Ein anderer Einsatzzweck sind Überweisungen unter Freunden, etwa wenn man gemeinsam essen war und die Rechnung nachträglich untereinander aufteilt. Letzteres ist vergleichbar mit der Art und Weise, wie einige Menschen bereits PayPal auf dem Smartphone nutzen. An der Stelle interessant: Einer der entscheidenden Köpfe bei Libra ist übrigens David Marcus, zuvor Chef von PayPal.

Libra-Überweisungen wird man sehr wahrscheinlich direkt in WhatsApp, Instagram und Facebook Messenger ausführen können. Genauso wie den schnellen Umtausch in andere Währungen (z.B. Euro).

3. Wer steckt hinter Libra?

Die Organisation hinter der Währung ist die Libra Association (mit Sitz in der Schweiz), die vom kalifornischen Konzern Facebook ins Leben gerufen wurde. 28 Unternehmen aus der Tech- und Finanzbranche sind zum Start dabei, darunter große Namen wie Mastercard, Visa, Paypal, Vodafone oder Spotify. Die Libra Association erfüllt gewissermaßen die Rolle einer Zentralbank.

Ob Libra automatisch zum weltweiten Erfolg wird, nur weil Facebook und seine namhaften Verbündeten dahinter stehen? Das darf bezweifelt werden. Die entscheidenden Faktoren für die erfolgreiche Durchsetzung gegen Dollar und Euro seien „Sicherheit, Datenschutz und Anzahl der Nutzer,“ so Markus Demary vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) gegenüber dem Branchenmagazin Der Aktionär. Gerade der letzte Punkt ist spannend, wenn man sich vor Augen hält, dass im Euro-Währungsgebiet zwar rund 337 Millionen Menschen leben – aber allein Facebook auf fast 2,5 Milliarden aktive Nutzer weltweit kommt.

4. Was sagen die Kritiker zu Libra?

Zunächst muss man sich die Größenordnung klar machen, in der das Projekt Libra spielt: „Sollte auch nur ein Bruchteil der Facebook-Nutzer die neue Währung annehmen, würde Facebook zu einem der weltweit größten Finanzdienstleister und Vermögensverwalter aufsteigen,“ erläutert der Finanzjournalist Stefan Wolff in den VDI Nachrichten.

Und das ruft logischerweise zahlreiche Kritiker auf den Plan. Sie sorgen sich um verschiedene Punkte, etwa finanzpolitische Fragen (Aufsicht?) und die Vertrauenswürdigkeit des Unternehmens Facebook (Cambridge- Analytica-Skandal). „Facebook ist bereits zu groß und zu mächtig. Es hat diese Macht genutzt, um die Daten der Benutzer zu missbrauchen, ohne ihre Privatsphäre zu schützen. Wir können nicht zulassen, dass Facebook ohne Aufsicht eine riskante neue Kryptowährung von einem Schweizer Bankkonto aus betreibt,“ so der US-Senator Sherrod Brown in einem Tweet.

Auch in Deutschland beobachten Sachverständige die Facebook-Pläne – sie eint die Sorge, dass private Unternehmen zunehmend die Kontrolle über einen Bereich übernehmen könnten, der bisher durch Notenbanken reguliert wird. Der Bundestagsabgeordnete Danyal Bayaz (Bündnis 90/Die Grünen) kommentiert für Bild: „Wir als Politik müssen uns fragen, ob unsere Zentralbank eigene Angebote wie beispielsweise einen E-Euro schaffen sollte. (…) Es geht um die Frage, wer in Zukunft eigentlich noch das Privileg hat, Geldschöpfung zu betreiben. Der Staat? Banken? Oder Digitalkonzerne wie Facebook?“

Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling fordert „globale Regeln, und zwar schnell.“ So gibt er im Interview mit der FAZ zu bedenken: „Wir sollten verhindern, dass im Geldsystem der Wilde Westen zurückkehrt. Es ist eine Errungenschaft, dass unabhängige Notenbanken für stabiles und sicheres Geld sorgen. Dieses System, das großes Vertrauen genießt, müssen wir bewahren.“

Wir sehen also, das letzte Wörtchen in Sachen Libra ist noch lange nicht gesprochen. Sicher ist aber: Allein durch die schiere Anzahl an Nutzern von Facebook, WhatsApp und Instagram wird das nächstes Jahr startende Libra mehr als nur ein Trend, der nach kurzer Zeit wieder verschwindet. Viel wahrscheinlicher ist: Diese Digitalwährung wird den weltweiten Zahlungsverkehr entscheidend verändern. Was das für klassische Währungen bedeutet und welchen Einfluss das auf das in Deutschland beliebte Bargeld haben wird – das sind die großen Themen, die auf uns alle zukommen.

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