Wolfenstein Youngblood angespielt: Ein Hauch von Destiny

Alexander Gehlsdorf

Was könnte es Schöneres geben, als zu donnernder Elektro-Musik Nazis abzuschießen? Natürlich zu zweit zu donnernder Elektro-Musik Nazis abzuschießen! Genau das darfst du in Wolfenstein: Youngblood tun, denn das Spin-Off verwandelt die Singleplayer-Ballerei in ein Koop-Abenteuer.

Wer Wolfenstein 2: The New Colossus noch nicht gespielt hat, wird spätestens jetzt gespoilert: William Joseph Blazkowicz gelingt es, die Nazis aus den USA zu vertreiben und seine Frau Anya ist mit Zwillingen schwanger. Was für ein schönes Happy End.

Natürlich ist damit die Wolfenstein-Story aber noch nicht vorbei. Im Jahr 1980 sind BJs Töchter Jess und Soph erwachsen und erleben ihr ganz eigenes Abenteuer im vom Nazis besetzten Paris. In Europa ist die Schreckensherrschaft der Nazis jedenfalls noch lange nicht beendet, auch wenn BJ persönlich Adolf Hitlers Leben beendet hat.

Nanu, wie bitte? BJ Blazkowicz hat Adolf Hitler umgebracht? Wann genau ist das denn passiert? Offenbar im noch gar nicht offiziell angekündigten Wolfenstein 3, das vor Youngblood spielt. Wie es scheint macht sich Entwickler Machine Games wenig aus Spoilern zu noch unveröffentlichten Spielen, aber in Youngblood soll ohnehin das Gameplay im Vordergrund stehen und die Handlung eine weniger große Rolle spielen, als noch in The New Order und The New Colossus. Nun gut.

Wolfenstein: Youngblood - Offizieller Story-Trailer.

Weinen, Töten, Jubeln, Kotzen

Die Zwillinge Jess und Soph wurden von ihrem Vater zwar zu Nazi-Killern erzogen, sind im befreiten Texas jedoch noch nie einem solchen begegnet. Das ändert sich, als beide nach Paris aufbrechen, um ihren verschwunden Vater zu finden und plötzlich ihr lebenslanges Training bittere Realität wird.

Statt jedoch selbstbewusst das Blei fliegen zu lassen, werden die beiden Schwestern auf überraschend menschliche Art mit dem Tod konfrontiert. Während bei dem Gedanken, ein Leben nehmen zu müssen bei den Zwillingen noch Tränen fließen, geschieht der erste Kill geradezu aus Notwehr, mündet in gemeinsamen Jubelschreien – und direkt im Anschluss in einem entleerten Magen.

Klar, dass das Töten im restlichen Verlauf des Spiels so selbstverständlich und unterhaltsam wie eh und je abläuft, dennoch hielt ich es für beachtlich, wie sehr Wolfenstein: Youngblood diesen Wendepunkt im Leben der beiden Schwestern betont.

Wolfenstein + Destiny = Youngblood?

Apropos Leben: Wie weit ein Gegner davon entfernt ist, eben jenes zu verlieren, wird in Youngblood entgegen der Serientradition mit einem Balken über dem Kopf dargestellt. Zwar kippen die meisten Standard-Gegner noch immer nach ein bis zwei Treffern aus ihren Arier-Latschen, einige der dicker gepanzerten Nazis mutieren hingegen zu regelrechten Kugelschwämmen.

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Allerdings soll sich die Lebensenergie der Feinde nur unwesentlich von der aus The New Colossus unterscheiden, schließlich konnte bereits damals ein Panzerhund eine ganze Wagenladung Kugeln überleben. Nur musste das Team von Machine Games die Kämpfe jetzt als kooperative Spielerfahrung neu konzipieren. Aus diesem Grund haben Gegner jetzt die entsprechenden Lebensbalken, um den gemeinsamen Fortschritt besser im Blick zu behalten.

Kann ich Wolfenstein Youngblood auch alleine spielen? 

Ja, das kannst du. Natürlich macht das Spiel mit einem menschlichen Mitspieler an deiner Seite am meisten Spaß, allerdings kann eine der beiden Schwestern auch von der KI gesteuert werden. Ein lokaler Splitscreen-Modus wird jedoch leider nicht unterstützt.

Gerade in Bosskämpfen ist dies auch durchaus notwendig, denn ohne gut koordiniertes Vorgehen enden diese schnell mit einem Neustart. In diesen Fällen fühlt sich das Spiel beinahe wie ein Multiplayer-Shooer im Stile eines Destiny an. Inklusive Spezialfähigkeiten.

Emotes mit Sinn

Spezialfähigkeiten? Ja genau, denn die beiden Schwestern können sich Emotes zuwerfen, die auch handfeste Vorteile bieten. So schenkt ein Daumen nach oben beiden Schwestern Lebensenergie, während die Pommesgabel die Munition auffüllt. Darüber hinaus lassen sich außerdem Waffen verbessern und Perks auswählen.

Skeptisch bin ich hingegen noch angesichts der Tatsache, dass nicht nur die beiden Schwestern im Laufe des Spiels stärker werden, sondern auch die Gegner im Level steigen. So wirst du im nicht-linearen Spielablauf auch Missionen auswählen können, die per se noch ein zu hohes Level für dich und deine Schwester haben, worin ich zwei Gefahren sehe: Die erste ist die Angst, dass unter Umständen mühsamer Grind notwendig ist, um bestimmte Level-Voraussetzungen zu erfüllen.

Meine zweite und größere Sorge ist hingegen, ob Machine Games es schafft, diese Level-Unterschiede auch glaubhaft zu vermitteln. Ist ein Standard-Soldat mit Level 20 stärker als ein Panzerhund auf Level 3? Wird ein Level 50 Soldat hunderte Kopfschüsse aushalten, weil Jess und Soph noch auf Level 1 unterwegs sind?

Herausfinden werde ich es jedenfalls spätestens am 26. Juli 2019, wenn Wolfenstein: Youngblood für PC, PlayStation 4, Xbox One und die Nintendo Switch erscheint.

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