Schwierig, aber möglich: Apples HomePod muss besser als die Konkurrenten werden

Sebastian Trepesch 5

Ungewöhnlich: Schon jetzt hat Apple den HomePod vorgestellt, dabei wird er 2017 in Deutschland nicht mehr auf den Markt kommen. Eine gute Entscheidung? Und hat der Siri-Lautsprecher gegenüber der Konkurrenz eine Chance?

Apple & Audio – das passt sehr gut zusammen. Schließlich krempelte das Unternehmen mit dem iPod die Musikvermarktung um. Auch das iPhone verstand sich zumindest bei Markteinführung zu einem Drittel als Musikspieler, mit Apple Music präsentierte der Konzern spät, aber nicht erfolglos, einen Streamingdienst. Die AirPods zeigen, wie ein Kopfhörer heutzutage funktionieren kann (bevor die Konkurrenz alltagstaugliche Produkte vorstellte). Und dann hat man ja noch den Audiohersteller Beats im Haus. Gute Voraussetzungen für einen Lautsprecher also.

Ach ja, noch etwas: Apple hatte ja schon ein Sounddock im Programm – wenngleich kein besonders erfolgreiches. Der iPod Hi-Fi war 2006 nur eineinhalb Jahre im Programm. Bei einem GIGA-Redakteur darf er heute noch spielen.

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Apple HomePod Pro: Im Konzept wird der smarte Lautsprecher zum Multitalent

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Ein smarter Lautsprecher aus dem Hause Apple – warum also nicht?!

Aus dem iPod Hi-Fi wird Apple für den HomePod keine Lehren ziehen können: In diesem Segment hat sich technisch in den letzten zehn Jahren zu viel geändert. Apple scheint zunächst einmal von der Konkurrenz lernen zu wollen: Integrierter Sprachassistent, mehrere Mikrofone für die Analyse der Stimme, Rundumklang, Raumanalyse für die Klangoptimierung – das klingt alles recht bekannt (die technischen Merkmale siehe in der Vorstellung des HomePod).

Und irgendwie ähnelt er auch optisch manch Konkurrenten:

Ist das schlimm? Apple wird den Lautsprecher nicht neu erfinden können, wo dies Sonos und Amazon eben erledigt haben – ersterer mit der extremen Raumeinmessung selbst in kleinen Lautsprechern, letzterer mit der Integration eines intelligenten Sprachassistenten. Apple hinkt hinterher, und im Gegensatz zum Tablet und Smartwatch sind die Vorreiter nicht schlecht. Das macht es umso schwieriger: Apple muss deutlich besser sein als die Konkurrenz. Für die anspruchsvolle Apple-Klientel, für die Strafe des Nachzüglers und für den wesentlich höheren Preis: Voraussichtlich wird der HomePod mehr doppelt, wenn nicht dreimal so viel wie die Google- und Amazon-Lösungen kosten.

Klang und smarte Funktionen, die Herausforderungen für Apple

Dass Apple einen besseren Sound als Amazon hinbekommt, das sollte gut machbar sein. Einzelne US-Medien durften den HomePod bereits kurz anhören, die Autoren sagen: Ja, der HomePod klingt wesentlich besser als der Amazon Echo. Klang ist im Audiobereich das wichtigste Merkmal, es darf wesentlich über den Preis entscheiden.

Doch als intelligenter Lautsprecher – um sich auch von den klassischen Audioherstellern abgrenzen zu können – muss sich der HomePod auf einem weiteren Feld beweisen: der künstlichen Intelligenz, mitsamt Sprachassistent und Smart-Home-Steuerung. Und da wird es schon deutlich schwieriger. Amazons Sprachassistent Alexa kann vielleicht noch nicht viel, lernt aber von Woche zu Woche hinzu.

Siri, das haben wir Ende der Woche mitbekommen, spielt im Hause Apple wohl eine untergeordnete Rolle. Das merkt man dem Sprachassistenten an. Zudem versucht Apple lobenswerter Weise, bei der Datenanalyse die Privatsphäre möglichst zu wahren, was die Lernkurve von Siri abflacht. Google kann auf eine ganz andere Qualität der Daten zugreifen.

Google Home - Teaser.

Kein Wunder, dass der Release des HomePod zunächst nur für drei englischsprachige Länder geplant ist, und auch erst Ende 2017. Apple braucht wohl noch Entwicklungszeit. Warum hat Apple den Lautsprecher überhaupt schon auf der Keynote der WWDC 2017 vorgestellt? Nun, einerseits wollte man vielleicht den Gerüchten vorgreifen und selbst die Informationen zu der Neuheit steuern. Andererseits dürfte es kein Geheimnis für Tim Cook & Team sein, dass die Amazon-Produkte selbst für Besitzer von iPhone und Mac sehr verlockend sind.

 Echo und Echo Dot bei Amazon*

HomePod: Frühe Ankündigung, später Marktstart

Mit der frühen Ankündigung beugen sie einen Lagerwechsel der Stammkunden vor. Denn nun wissen wir, dass sich nur der HomePod gut in den Reigen der Apple-Produkte integrieren lässt. Das beginnt bei der automatischen Koppelung und deren Synchronisation über iCloud, und endet bei der Integration von Apple Music, das über Siri gestartet werden kann. Apple braucht ein smartes, sprachgesteuertes Gerät, das im Haushalt ansprechbereit wartet.

Die frühe Ankündigung war eine gute Entscheidung. Wenn Apple das Siri-Problem in den Griff bekommt, wenn die Audioqualität wirklich so gut ist, wie die ersten Tester behaupten, dann wird der HomePod ein Erfolg. Auch wenn er deutlich teurer als der Echo wird, auch wenn wir noch bis 2018 warten müssen.

Umfrage: Was hältst du vom HomePod?

Der HomePod ist ein smarter Lautsprecher mit Siri. Glaubst du an den Erfolg dieses Produkts? Und was ist dir bei so einem Lautsprecher wichtig? Unsere Umfrage:

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