HomePod im Test: Wie gut ist Apples intelligenter Lautsprecher?

Holger Eilhard 7

In Deutschland ist der HomePod noch nicht erhältlich, in drei englischsprachigen Ländern dagegen schon. Wir konnten bereits ein Exemplar ergattern und haben den smarten Lautsprecher ausführlich getestet.

HomePod im Test: Wie gut ist Apples intelligenter Lautsprecher?
Bildquelle: GIGA/Holger Eilhard.

Apples HomePod ist derzeit nur in den USA, Großbritannien und Australien verfügbar; Deutschland und Frankreich sollen als nächstes hinzukommen, und zwar noch im Frühling. Wer bereits jetzt, beispielsweise aus Großbritannien, einen HomePod nach Deutschland bringt, kann den Lautsprecher schon nutzen. Voraussetzung ist allerdings die Steuerung mit englischen Sprachbefehlen – deutsche versteht der HomePod derzeit nicht.

HomePod im Test: Robuste Hardware mit Schönheitsfehlern

Doch bevor wir auf die Details der Software eingehen, beginnen wir mit dem Äußeren des „intelligenten Lautsprechers“. Wir haben ein Modell in Space Gray. Ein Blick auf das weiße Modell zeigt, dass dies vermutlich die bessere Farbwahl ist: Die ausgestellten weißen HomePods in den US-Stores zeigen bereits wenige Tage nach dem Verkaufsstart deutliche Gebrauchsspuren. Vermutlich sind die vielen Besucher daran schuld, die das Gerät anfassten, um ein Gefühl für das Gewebe rund um den HomePod und sein Gewicht zu erhalten.

Der erste Blick in den Karton überrascht, wie klein – wenngleich schwer – der HomePod ist. Für einen Lautsprecher ist das Gewicht jedoch keine wirkliche Überraschung. Gute Lautsprecher bringen immer etwas mehr Gewicht mit, als man aufgrund ihrer reinen Größe erwarten würde. Man muss nicht den Teardown des HomePod von iFixit durchblättern, um festzustellen, dass der Lautsprecher äußerst stabil gebaut ist. Sollte man Angst vor einem Unfall haben, ist der Abschluss von AppleCare sinnvoll, eine kostenpflichtige Reparatur kann andernfalls sehr teuer werden.

Der HomePod von Apple.

Wie im Herstellervideo oben zu sehen befindet sich auf der Oberseite des HomePod eine kleine Touch-Oberfläche, welche die Steuerung mithilfe einiger einfacher Berührungen erlaubt. Dies ist wohlgemerkt kein normales Display, wie man es etwa von einem iPhone oder Echo Home kennt. In der Mitte erscheint beim Hochfahren des Geräts und bei aktiviertem Siri eine sich bewegende Grafik. Normaler Text oder Bilder werden hier auch in Zukunft nicht zu finden sein, da der Effekt nur durch einige LEDs dargestellt wird. Des Weiteren gibt es „+“ und „-“-Tasten zur Regelung der Lautstärke, welche bei der Musikwiedergabe dauerhaft aufleuchten. Ist der Lautsprecher inaktiv, bleibt das gesamte Steuerfeld schwarz oder weiß, je nach HomePod-Farbe.

Der Lautsprecher an sich ist in ein weiches Gewebe gefasst. Ein Blick ins Innere, dank iFixit, zeigt die genaue Konstruktion. Der Netzkabel kann, genügend Gewalt vorausgesetzt, entfernt und ausgetauscht werden. Der notwendige Kraft ist aber ein guter Indikator dafür, dass Apple dies normalerweise nicht dem Anwender überlassen will. Sollte also etwa das Haustier Geschmack an dem ebenfalls mit einem Gewebe überzogenen Netzkabel finden, kann dies durch ein neues ersetzt werden. Der Austausch kostet in den USA 29 Dollar.

An der Unterseite ist ein kleiner Gummisockel zu finden, welcher in den ersten Tagen für Aufsehen sorgte, da er auf einigen Oberflächen weiße Ränder hinterlässt. Auch wir konnten dies nachvollziehen, ein nasser Lappen entfernte den Ring in unserem Fall jedoch einfach und ohne Rückstände.

Apple HomePod im Test: Einrichtung wie bei AirPods

Nach dem Anschluss ans Stromnetz – der HomePod kann nicht per Akku betrieben werden – wird zunächst die Einrichtung mit Hilfe eines iOS-Geräts, mindestens mit iOS 11.2.5, fällig. In unserem Fall war es ein iPhone X mit der Beta-Version von iOS 11.3. Wer schon mal die AirPods oder beispielsweise einen Beats-Kopfhörer mit Apples W1-Chip eingerichtet hat, wird sich schnell zurecht finden. Das iPhone oder iPad muss lediglich in der Nähe des neuen HomePod eingeschaltet und gehalten werden. Daraufhin erscheint ein Assistent, welcher bei der Konfiguration behilflich ist. In den meisten Fällen dürfte diese Einrichtung höchstens fünf Minuten dauern.

Ein wichtiger Punkt bei der ersten Konfiguration sind die sogenannten „Persönlichen Anfragen“. Hierbei handelt es sich um den Zugriff auf Dinge wie iMessage, Erinnerungen, etc. kurzum persönliche Details, dessen Zugriff man falls gewünscht de-/aktivieren kann. Dies ist insbesondere wichtig, da HomePod aktuell nur einen Benutzer unterstützt. Eine Erkennung anhand der Stimme ist im Gegensatz zu aktuellen iPhones nicht möglich. Doch dazu später mehr.

Besitzt man noch kein Abo von Apple Music (derzeit der einzige Streaming-Dienst, den der HomePod direkt unterstützt) kann im Rahmen der Einrichtung das drei Monate lange, werden.

Kleiner Hinweis am Rande: Bei unseren Versuchen mit einem HomePod in den USA direkt nach der Verfügbarkeit am 9. Februar hatte das Gerät für einige Tage Probleme mit der Nutzung einer deutschen – und damit derzeit nicht offiziell unterstützten – Apple ID. Musik, egal ob von einer iCloud-Wiedergabeliste oder auch Beats 1, unterbrach nach nur wenigen Sekunden abrupt. Mit einer US-amerikanischen Apple ID trat der Fehler nicht auf. Nach mehrmaligem Einrichten über mehrere Tagen war der HomePod aber auch in der Lage, die deutsche ID zur Musikwiedergabe zu nutzen. Die Berichte hierzu waren zwiespältig, es sollte aber wie gesagt mittlerweile kein Problem mehr darstellen.

Schon bei der Einrichtung wird klar, dass der HomePod nicht wie beispielsweise eine Apple Watch über eine eigene App oder wie ein Bluetooth-Lautsprecher über die Einstellungen gesteuert wird. Stattdessen integriert sich der Lautsprecher in die Home-App. Hier kann auch die für Apple Music verwendete Apple ID konfiguriert werden – was für oben stehende Problematik hilfreich war.

Steuerung des HomePod: Siri braucht Nachhilfestunden

Die Steuerung des HomePod kann wie oben beschrieben zum Beispiel mit Hilfe des Touch-Felds geschehen. Die primäre Bedienung geschieht jedoch mit der Stimme, mit Hilfe von „Hey Siri“ – ganz wie man es von iOS gewohnt ist. So startet zum Beispiel „Hey Siri, play Beats 1“ die Wiedergabe von Apples Radiosender. Analog die Wiedergabe einer Playlist: „Hey Siri, play my February 2018 playlist“. Die Lautstärke kann mit einem „Hey Siri, turn it up/down“ oder „Hey Siri, increase volume by x percent“ geändert werden. Hilfreicher Nebeneffekt: Fordert man hier 100 Prozent, also die maximale Lautstärke, fragt Siri sicherheitshalber nach, ob man das wirklich wünscht (ja, der HomePod kann extrem laut werden).

Leider sind Siris Möglichkeiten selbst im Umgang mit der Musikwiedergabe eingeschränkt. Kann man etwa problemlos Details zu einem gerade laufenden Song bei Beats 1 abfragen oder diesen zur Bibliothek oder gar einer bestimmten Wiedergabeliste hinzufügen, stolpert Siri beim Wunsch zur Erstellung einer neuer Playlist.

Als Musikquellen stehen Apple Music, iTunes-Musikeinkäufe, die iCloud-Musikmediathek mit Apple-Music- oder iTunes-Match-Abo, Beats 1, Apple Podcasts oder AirPlay von iPhone, iPad, iPod touch, Apple TV und Mac zur Auswahl. Eine Wiedergabe von Musik über das vorhandene Bluetooth-Modul ist nicht möglich.

Siri kann des Weiteren – wie vom iPhone bekannt – für alltägliche Dinge wie zum Beispiel die Frage nach dem Wetter oder die Steuerung eines Smart Homes mit HomeKit-Geräten genutzt werden. Leider ist Siri – ebenfalls wie vom iPhone bekannt – nur sehr eingeschränkt nützlich. Ein Beispiel: Die fehlende Möglichkeit zur Erstellung mehrerer Timer, wie sie beispielsweise in der Küche immer wieder hilfreich sind.

Hat man „Persönliche Anfragen“ aktiviert, erlaubt der HomePod das Anlegen von Erinnerungen oder das Versenden von Nachrichten. Aber auch hier fällt Siri schnell auf die Nase. So ist der Assistent nicht in der Lage, eine Text-Nachricht an mehrere Empfänger zu versenden.

Siri ist des Weiteren clever genug, nicht alle Befehle auf Abruf auszuführen. Da der HomePod den Besitzer nicht anhand einer Spracherkennung identifiziert, könnte so beispielsweise ein Fremder ins offene Fenster schreien und das Entsperren eines Schlosses fordern. Diesen Befehl verweigert der HomePod. Die fehlende Spracherkennung hat gleichzeitig den Nachteil, dass ein „Hey Siri“ im Radio oder Fernsehen den HomePod aktiviert. Es bleibt zu hoffen, dass Apple hier in kommenden Software-Updates eine derartige Erkennung wie in iOS einführt. Der Software-Hersteller musste hier offenbar abwägen, da das Gerät – wie der Name HomePod bereits nahelegt – im Zuhause von allen Bewohnern genutzt werden können soll.

In einigen Fällen geht die Spracherkennung des HomePod allerdings zu weit und versucht sich gelegentlich an Antworten, die nur das iPhone des Besitzers geben kann. Da fällt Siri auf die Nase.

Die Spracherkennung an sich hingegen funktioniert insgesamt sehr gut. Selbst bei lauter Musikwiedergabe kann man mit einem „Hey Siri“ in normaler Lautstärke die Aufmerksamkeit des HomePod erhaschen – auch dann, wenn man etwa durchs Zimmer läuft und nicht in die Richtung des Lautsprechers spricht. Als dritte Möglichkeit zur Steuerung kann AirPlay von einem iPhone, iPad oder Mac genutzt werden. Der HomePod taucht beispielsweise im Kontrollzentrum hinter dem Wiedergabe-Widget auf.

Randbemerkung: Apple verdient im Gegensatz zu Google oder Amazon nicht an den persönlichen Daten der Nutzer. Die Privatsphäre hat beim iPhone-Hersteller traditionell eine höhere Priorität als es bei der Konkurrenz der Fall ist.

HomePod im Test: Großer Sound aus kleinem Lautsprecher

Apples HomePod kann selbst im Einzelbetrieb – die Verbindung von zwei HomePods soll wie AirPlay 2 erst im Laufe des Jahres hinzukommen – einen Raum mit Musik füllen. Die Sensoren im Gerät vermessen die Umgebung regelmäßig und passen die Wiedergabe an den jeweiligen Song an. Der Lautsprecher kann außerdem im Gegensatz zu vielen klassischen Lautsprechern überall im Raum aufgestellt werden und muss so nicht in einer Ecke sein Dasein verbringen. Wird der HomePod bewegt, erkennen dies integrierte Sensoren und passen den Sound ebenfalls erneut an.

Der Sound ist insgesamt tendenziell eher basslastig, Stimmen werden jedoch gleichzeitig weiterhin klar wiedergegeben. Aktuell bietet die Software keine Möglichkeiten zur Anpassung, einen Equalizer sucht man also vergebens. Zukünftige Software-Updates könnten dies jedoch nachliefern.

Einige Tester berichteten in ihren Reviews, dass durch die automatische Anpassung des Klangs einige Musikstücke anders klingen, als man sie bisher kannte. Ob man das Ergebnis besser oder schlechter findet, hängt wohl nicht zuletzt vom Musikgeschmack und den räumlichen Gegebenheiten ab. Mir persönlich gefällt der Klang des HomePod, insbesondere in Anbetracht von Größe und Preis. Einen detaillierten Bericht zur Soundqualität, aus Sicht eines audiophilen Hörers, findet ihr bei Reddit.

Fazit: Guter Lautsprecher mit Nachholbedarf im Software-Bereich

Nach nunmehr knapp einer Woche mit Apples HomePod ist es Zeit für unser Testfazit. Das Gute am Gerät: Software lässt sich nachträglich verbessern, schlechte Lautsprecher-Hardware nicht. Der aktuelle Stand zeigt, dass Apple bei dem Lautsprecher-Teil nicht gepatzt hat: Der HomePod klingt in meinem subjektiven Eindruck äußerst gut.

Was die Software angeht, muss abgewartet werden, wie schnell und häufig Apple diese überarbeitet und verbessert. Leider waren die letzten Jahre sehr ernüchternd, was die Entwicklung von Siri angeht. Für viele etwaige Nutzer dürfte der App-Support von Drittherstellern, insbesondere von weiteren Streaming-Diensten wie Spotify, oberste Priorität haben.

Apple hat bereits angekündigt, dass man noch in diesem Jahr die Möglichkeit zur Koppelung von zwei HomePods sowie AirPlay 2 hinzufügen wird. Letzteres ermöglicht unter anderem die Platzierung und Zusammenarbeit von mehreren HomePods in mehreren Räumen. Diese können dann miteinander kommunizieren und so etwa die gleiche Musik synchron im ganzen Haus abspielen.

Wer einen guten Lautsprecher sucht, bereits in der Apple-Welt zuhause ist und mit den derzeitigen Einschränkungen, sowohl auf der Hard- und Software-Seite, leben kann, findet im HomePod eine gute Option. Siri wird sich hoffentlich auch in Zukunft verbessern. Wer also Apple Music abonniert und nur gelegentlich einen digitalen Assistenten für einfache Aufgaben abseits der Musikwiedergabe sucht, wird im HomePod fündig.

Wer allerdings Spotify-Abonnent ist oder schlichtweg kein iOS-Gerät sein Eigen nennt, sollte sich bei der Konkurrenz von Google, Amazon oder Sonos umschauen. Eine Alternative stellen auch klassische gute (Bluetooth-)Lautsprecher dar, sofern man auf den Assistenten verzichten kann. Top-Geräte bieten einen besseren Klang als Echo & Co.

Apple HomePod im Test: Bewertung

  • Sprachassistenz: 2/5
  • Kompatibilität mit Smart-Home-Diensten: 3/5
  • Klang: 5/5
  • Design: 5/5

Gesamt: 75 Prozent

Derzeit handelt es sich beim HomePod um einen gut klingenden Lautsprecher mit einem mehr oder weniger smarten Assistenten und nicht – wie zum Beispiel beim Amazon Echo – und einen smarten Lautsprecher, der auch Musik abspielen kann. Genau dies hat Apple zwar versprochen, der HomePod muss sich aber trotzdem an den nicht so gut klingenden Assistenten messen lassen.

Der HomePod ist ein guter Lautsprecher, dessen smarte Attribute in Form von Siri weiterhin Nachholbedarf haben.

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