Heute vor zehn Jahren fiel der Startschuss für den Verkauf eines sehr kuriosen Produktes. Apple lizenzierte den iPod und Mittbewerber HP durfte ihn unter dem eigenen Label vertreiben. Wir werfen einen Blick zurück.

 

ipod classic

Facts 
ipod classic

Im Jahre 2004 erntete Apple erste Achtungserfolge auf dem Weg zur heutigen Stärke. Zwar befand sich der Mac mit seiner damaligen PowerPC-Architektur noch in einer Sackgasse, das iPhone lag in weiter Ferne, doch die iPod-Linie und der iTunes Store verschafften dem Hersteller aus Cupertino Gewinn und Ansehen. Apple war wieder cool, trendy und galt im Bereich der portablen Musikplayer als Branchenprimus – oftmals kopiert und dennoch unerreicht.

Überraschung: Apple fertigt den iPod für HP

Auch beim Mittbewerber Hewlett Packard (HP) gab es Planungen für einen mobilen MP3-Player. Doch der „HP Pavilion Personal Media Player“ kam nie über den Planungsstatus hinaus – Marktforschungsstudien innerhalb von Testgruppen waren nicht sonderlich erfolgsversprechend. Carly Fiorina (CEO von HP) begrub das Projekt und wandte sich lieber dem Marktführer zu. Anfang 2004 präsentierte sie der überraschten Presse den Deal mit Apple. Der Hersteller aus Cupertino fertigt zukünftig für HP den iPod und der PC-Hersteller installiert auf allen HP-Rechnern vorab iTunes.

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Werbeanzeige für iPod+HP (Bildquelle: HP).

Apple versprach sich vom Geschäft in erster Linie eine Erweiterung des Vertriebsnetzes. Neben Bussines-Kunden die HP direkt bedienen konnte, war der PC-Hersteller dort vertreten, wo Apple noch keinen Fuß in der Tür hatte – zum Beispiel bei Wal-Mart, RadioShack, und Office Depot.

HP iPod Commercial "Mash Up"

August 2004: Marktstart für den iPod+HP

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Ursprünglich sollte der iPod+HP in typischer HP-Blaufärbung erscheinen. Daraus wurde nichts. Als er schließlich am 27. August den Markt betritt, entsprach er nahezu gänzlich dem im Juli vorgestellten iPod der vierten Generation. Nur ein kleines HP-Logo verriet seine neuerliche Identität. Später kamen noch HP-Versionen des iPod mini und iPod shuffle hinzu. Übrigens: Auch für den Service war nur allein HP zuständig. Kunden konnten für den iPod+HP also nicht die Genius Bar im nächsten Apple Store bemühen – sehr verwirrend.

Quintessenz: Apple gewinnt, HP schmeißt hin

Ein durchschlagender Erfolg wurde der iPod+HP nie, auch gab es ihn ausschließlich in den USA. Im Verkaufszeitraum fielen allein 5 Prozent auf den verwunderlichen „Bastard“, den Rest des iPod-Umsatzes stemmte Apple. Schon im Juli 2005 war der Deal Geschichte. Mark Hurd – neuer Chef bei HP – beendete die Zusammenarbeit. Apple konnte es im Angesicht des überschaubaren Erfolgs verschmerzen und stand am Ende als Gewinner dar. Vertraglich war es HP untersagt bis August 2006 ein eigenes Konkurrenzmodell zu entwickeln. Bestand hatten auch die neuen, hinzugewonnen Vertriebswege. Wal-Mart und Co. verkauften zukünftig die „echten“ iPods.

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Die Verpackung des iPod+HP wurde speziell entworfen (Bildquelle: ebay).

Bis heute konnte keiner der Konkurrenten den Erfolg des iPods auch nur ansatzweise erreichen. Dem iPod der vierten Generation folgte der iPod mit Videofunktion, dem wiederum folgte der noch heute aktuelle iPod classic – ein wahrer Klassiker, seit Jahren unverändert im Portfolio und noch immer käuflich zu erwerben (ab circa 220 Euro).

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Heutzutage undenkbar, 2004 mit HP jedoch Realität.

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