iPod: Zurück in die Nische (Kommentar)

Sven Kaulfuss 26

Die Verkaufszahlen des iPods befinden sich im Sinkflug. Der einstige „Rettungshelfer“ Apples rutscht in die Bedeutungslosigkeit ab. Der Hersteller trägt dem demnächst in der eigenen Bilanz Rechnung, wie wir gestern erfahren durften. Gibt es noch Hoffnung?

Der iPod: Vergangener Ruhm

Die „goldenen Zeiten“ des iPods sind Geschichte. Im letzten Quartal verkaufte Apple „nur“ noch 2,6 Millionen Stück (14,4 Millionen im Bilanzjahr 2014) – ein neuer Tiefstand auf dem Niveau von 2004. Noch deutlicher wird diese Entwicklung, betrachtet man sich die Bedeutung des iPods im Verhältnis der anderen Produktsparten. iPod shuffle, iPod nano, der abgekündigte iPod classic und der iPod touch waren nur für ein einziges Prozent der Unternehmenserlöse verantwortlich – Peanuts.

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iPod classic mit HiRes-Audio: FiiO X1 bei uns im „Testlabor“

Da verwundert es nicht, wenn die Sparte der iPods im nächsten Quartalsbericht nicht mehr explizit genannt wird. Ab den ersten Quartal 2015 firmieren sie dann nur noch unter „Sonstige“ (Other Products). Apple entgeht so der Peinlichkeit, auch in Zukunft von sinkenden Verkaufszahlen berichten zu müssen. Der Hersteller zementiert mit dieser Entscheidung, die sich schon in den letzten Jahren abzeichnende Entwicklung.

Einst sprach man von der „iPod-Company“ – lange ist es her. An dessen Stelle traten – nicht zuletzt auch für die Kunden – iPhone und iPad. Allein das iPhone zeichnete sich im letzten Quartal für 56 Prozent der Erlöse zuständig. Die Daseinsberechtigung des iPod wird somit immer mehr in Frage gestellt.

Müssen wir diese Entwicklung bedauern und sollte, kann Apple dagegen steuern?

Die „Zukunft“ des iPods: Die Apple Watch

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Den technischen Fortschritt kann man mitnichten aufhalten. Für die Mehrzahl der Kunden genügt das Smartphone heutzutage als Musikplayer vollends, ein zweites Gerät wird da eher zur Last. Maximal vielleicht noch ein iPod shuffle oder iPod nano für den morgendlichen Ausdauerlauf? Vielleicht. Deren Existenz wird jedoch zukünftig vor allem von der Apple Watch bedroht. Die hat ein „Armband“ schon „eingebaut“ und kann auch selbständig Musik ans Bluetooth-Headset senden – Verbindung zum iPhone nicht notwendig. Der iPod touch galt einst als günstiger Einstieg in die Welt von iOS. Dank preisgesenkter iPads und günstiger iPhone-Verträge steht aber auch seine weitere Existenz unter keinem guten Stern.

Den iPod classic hat Apple derweil erst vor wenigen Wochen begraben und aus dem Programm genommen, die Preise der wenigen noch erhältlichen Restmodelle steigen unaufhörlich, zwischenzeitlich . Einen Nachfolger gibt es nicht – nicht von Apple. Die weitere Entwicklung kann man sich ausmalen. Vorausgesetzt die Apple Watch wird im nächsten Jahr und darauf ein voller Erfolg, so wird es von ihr die nächsten Jahre immer neue und auch günstigere Modelle geben. Spätestens dann hat auch das Stündlein für den letzten iPod auf Erden geschlagen. Ruhe in Frieden.

Eigentlich schade, oder? Sollte Apple so mit seinem einstigen, ersten erfolgreichen Innovationsprodukt nach dem Mac umgehen?

War das schon Alles? Wir wollen einen „Hobby-iPod“!

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Wirtschaftlich hat sich Apple die Frage mit der jüngsten Entscheidung schon beantwortet. Die Technik-Evolution radiert letzten Endes das nunmehr Unnötige aus. Und doch: Apple schuldet sich und seinen Anhängern ein wenig mehr, als nur das Streben nach dem schnöden Mammon. Immer wieder betonte die Führungsriege und nicht zuletzt auch Steve Jobs die Bedeutung der Musik für das Unternehmen. Eben diese Musik bedarf eines Grals. Eine mickrige iPod-App auf dem iPhone wird dem nicht gerecht.

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Ein Nischenmarkt? Mit Sicherheit, na und? Wollt ihr das Feld der audiophilen Musikplayer wirklich den Chinesen (FiiO) oder etwa Neil Young mit seiner Plastik-Toblerone „Pono“ überlassen? Bitte Apple: Schenkt uns und euch selbst eine finale Edition des iPod classic. Kein billiger Retro-Schick, vielmehr eine Reminiszenz an die eigene Geschichte und die Musik-Begeisterung. Audiotechnisch und seitens der Ausstattung auf der Höhe der Zeit. Musik war und ist doch ein Bestandteil der oftmals propagierten „Apple-DNA“, oder? Zugegeben: Vom Erlös betrachtet wäre ein solcher iPod nicht mehr als ein Hobby, doch ist Musik nicht immer schon das schönste Steckenpferd gewesen?

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Traut euch. Die Fans werden es euch danken. Sie sind es, die abseits des Zahlenwerkes die Kernwerte der Marke ausmachen – damals wie heute.

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Bildquelle: „New iPod classic“ von Yanhan Li

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