Marshall Major III Bluetooth im Test: Festsitzender Alltagsbegleiter

Stefan Bubeck 2

Der Markt für kabellose Kopfhörer wird immer unübersichtlicher: Kann der Marshall Major III Bluetooth mit Retro-Look und stattlicher Ausdauer hier noch Akzente setzen? Ja, kann er.

Wer On-Ear-Bluetooth-Kopfhörer sucht, wird schon ab 20 Euro fündig, wenn es denn ein No-Name-Produkt aus Fernost sein darf. Trotz der unendlichen Auswahl und dem Preisdruck durch die Konkurrenz hat es der Marshall Major II Bluetooth (Vorgänger des Major III Bluetooth) geschafft, sich zu etablieren – offenbar lieben die Kunden den Klang und das rockige Design. Der Nachfolger Marshall Major III () muss diese Position nun verteidigen.

Marshall Major III Bluetooth: Unser Testurteil

Nickelback, U2, Coldplay – einige Bands machen seit Jahren einfach immer wieder das Gleiche und fahren damit trotzdem ganz gut. Die Fans bekommen genau das, was sie erwarten. Wer hat denn jemals festgelegt, dass sich Rock ’n‘ Roll jedes Jahr neu erfinden müsste? Dieses Erfolgsrezept finden wir selbstverständlich auch im Tech-Bereich.

Der Marshall Major III könnte auf den ersten Blick leicht mit seinem Vorgänger verwechselt werden. Auch bei der Durchsicht des Datenblatts lässt sich keine technische Revolution ablesen, es bleibt fast alles beim Alten. Hand angelegt wurde aber dennoch: So ist der Klappmechanismus überarbeitet worden und wirkt robuster als in der letzten Generation. Auch bei den 40-mm-Treibern verspricht der Hersteller eine Neuentwicklung, zudem weisen die ohraufliegenden Polster jetzt das Leder-Muster auf, das auch seitlich an den Ohrmuscheln zu sehen ist. Abgesehen davon bekommen wir eine bewährte Kombination aus guter Verarbeitung, kompakten Abmessungen, Retro-Look im Stil nostalgischer Gitarrenverstärker, praktischer Ein-Button-Bedienung (wie beim Test des Marshall MID ANC beschrieben) und stattlicher Akkulaufzeit von bis zu 30 Stunden.

Klanglich kommt mal wieder eine Badewannen-Abstimmung mit hervorgehobenen Bässen und Höhen zum Einsatz, was für den Lifestyle-Bereich und populäre Musikrichtungen wie Rock und Hip-Hop eine gute Wahl darstellt. Dem Marshall deshalb einen „ikonischen“ Sound zu attestieren, wie es der Hersteller tut, fällt uns etwas schwer. Es ist eben eine warme und druckvolle Darbietung, an der es für die meisten Nutzer wenig auszusetzen gibt.

Bei extremen Pegeln verliert der Bass etwas an Kontur und die Höhen können bei manchen Songs anfangen, harsch zu klingen – im Alltag wird man aber selten auf diese Schwächen stoßen. Ganz im Gegenteil: Wie routiniert der Marshall Major III Bluetooth mit epischen Gitarrensoli, stampfenden 909s und bouncenden 808s umgeht, das hat Hand und Fuß. Sogar dem hervorragend aufgenommenen Jazz-Album „Nachtfahrten“ von Michael Wollny kann der Kopfhörer wunderschöne Feinheiten entlocken und zeigt sich so von der kultivierten Seite.

Der Tragekomfort ist gut, aber nicht überragend: Der Kopfhörer ist zwar leicht und lässt sich passend verstellen, trotzdem ist der Anpressdruck ein Spur zu hoch – das geschmeidige Tragegefühl des teureren Over-Ear-Kopfhörers Beoplay H4 wird bei Weitem nicht erreicht.

Fazit: Kompakt, ausdauernd, druckvoll-rockiger Sound – wenn diese Eigenschaften entscheidend sind und das typische Marshall-Design zusagt, dann macht man mit dem Kauf des Major III Bluetooth nichts falsch. Es wäre keine Überraschung, wenn dieser kabellose Kopfhörer zeitnah die Bestseller-Listen erobert – er hat es absolut verdient.

Marshall Major III Bluetooth: Testwertung

  • Klang: 75 Prozent
  • Tragekomfort: 70 Prozent
  • Hardware, Design & Funktionen: 80 Prozent
  • Akku: 85 Prozent

Gesamt: 77 Prozent (der Klang bildet 50 Prozent der Gesamtnote)

Das hat uns gefallen

  • Ausgereifter Klang: Marshall gelingt die Abstimmung mit zurückgenommenen Mitten und etwas mehr Power beim Bass und angehobenen Höhen fast perfekt. Der teurere Noise-Cancelling-Bruder klingt aber noch etwas sanfter und eignet sich so besser für lange Hör-Sessions.
  • Solide Verarbeitung und schnörkelloses Design. Kein Klappern, kein Knarzen – der Major III Bluetooth kann sich klar von all den Billig-Kopfhörern und deren Plastik-Anmutung absetzen. Hier bekommt man dem Preis angemessene Qualität geboten, die auch mehrere Jahre täglichen Einsatz überstehen dürfte.
  • Akku: Mit theoretisch bis zu 30 Stunden Laufzeit ist man auf der sicheren Seite. Je nach Lautstärke kann das zwar kürzer ausfallen, in unseren Tests waren drei Büro-Arbeitstage inklusive Anfahrt (ca. 3×8 Stunden) locker drin.

Das fanden wir nicht so gut

  • Geladen wird per Micro-USB – das wäre vor zwei Jahren kaum eine Erwähnung wert gewesen, ist aber 2018 so langsam altmodisch. Hier wünschen wir uns – auch bei vielen Modellen der Konkurrenz – endlich den Wechsel zu USB Typ C.
  • Fester Sitz – für manchen Träger zu fest: Der Marshall Major III Bluetooth hat einen hohen Anpressdruck, was für sicheren Halt sorgt. Leider bekommt man auch ein unangenehmes Gefühl und Hitzestau an den Ohren, zumindest bei stundenlangem Tragen.
  • Die Höhenbetonung sorgt meist für ein detailreiches Klangbild – je nach Song kann das aber auch anstrengen, dann muss man per Equalizer etwas nachregeln.

Marshall Major III: Gut zu wissen

  • Der Marshall Major III Bluetooth unterstützt aptX. Wer möchte, kann aber auch zum beiliegenden Klinkenkabel greifen und den Kopfhörer so etwa an einen alten iPod anschließen.
  • Ein Case oder eine Aufbewahrungshülle sind nicht Teil des Lieferumfangs.
  • Aktives Noise Cancelling (ANC) fehlt dem Major III Bluetooth, entsprechend können laute Umgebungsgeräusche zum Hörer durchdringen. Wer oft auf Flug- und Zugreisen ist, sollte etwas mehr investieren und zum greifen.

Auf Seite 2 findet ihr einige Alternativen zum Marshall Major III Bluetooth.

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