Der einst so präsente iPod von Apple ist in der Versenkung verschwunden, der kultige MP3-Player wurde längst von Smartphones ersetzt. Fast zumindest, denn immerhin wird der iPod touch noch verkauft und zudem hat er sowas wie direkte Nachfahren in Form hochwertiger Audio-Player, die auf den Musikgenuss spezialisiert sind. Der Pioneer XDP-02U für 299 Euro (UVP) soll den Einstieg in höhere Sphären des (Hi-Res-)Klangs ermöglichen, ohne dabei ein Vermögen zu kosten.

Wie soll man einen Hi-Res-Player bewerten, ohne dabei das Fass mit der „Hört-man-das-überhaupt“-Diskussion aufzumachen? Da diese Frage in unzähligen Foren ausgiebig diskutiert wird, begnügen wir uns hier mit einer Kurzfassung: Ja, man kann Unterschiede zwischen MP3 und hochaufgelöstem FLAC wahrnehmen, wenngleich das nur Nuancen sind.

Mit dem Pioneer XDP-02U kann man solche Feinheiten aufspüren und genießen – aber zunächst muss man über das Gehäuse hinwegsehen können. Beim Auspacken und Einschalten vermischte sich nämlich blankes Entsetzen mit freudiger Nostalgie: Diese dicke Bauform und dazu so ein winziges Touch-Display mit 320 × 240 Pixeln Auflösung – woher bekommt Pioneer eigentlich noch solche Bauteile? Die Verarbeitung ist ordentlich, aber das Design könnte glatt aus dem Jahr 2012 stammen, so wie dieses Einsteiger-Handy von LG:

Pioneer XDP-02U (links) von 2018 und zum Vergleich ein LG Optimus L3 von 2012 (Bildquelle: GIGA)

Der preislich auf Augenhöhe befindliche iPod touch (6. Gen., 128 GB) wirkt viel moderner als der brandneue XDP-02U. Der veraltete Retro-Look setzt sich bei der Bedienoberfläche des Pioneer-Players fort, auch hier sieht alles etwas angestaubt aus und reagiert deutlich träger als ein aktuelles Android-Smartphone. Man könnte meinen, die japanischen Hifi-Spezialisten hätten bei der Entwicklung des XDP-02U vergessen, dass dieser sich – zumindest rein äußerlich – mit aktueller Technik messen lassen muss. Zum Glück gibt's da noch die inneren Werte.

Gute Verarbeitung, aber gnadenlos veraltetes Design: Der Pioneer XDP-02U wirkt wie aus einer anderen Zeit (Bildquelle: GIGA)

Klanglich besetzt der Pioneer XDP-02U nämlich die Spitze aller mobilen Wiedergabegeräte – zumindest hier bei uns, wo sich ansonsten vor allem Smartphones tummeln. In der audiophilen Welt lassen sich auch mühelos Musik-Player für den dreifachen Preis finden (z.B. von Astell & Kern), aber dahin begeben wir uns diesmal nicht. Wir möchten wissen, was man in der iPod-Preisklasse bekommt. Die Antwort darauf ist vielfältig, wir fassen stichwortartig zusammen: faszinierende Detailtreue, spürbare Wärme, sprudelnde Klangfarben, immersive Räumlichkeit und packende Dynamik. Mit dem Pioneer XDP-02U ist man dem iPod touch (6. Gen) klanglich eine Nuance voraus und genießt eine größere Flexibilität hinsichtlich der abspielbaren Formate. Zudem ist der Speicher erweiterbar und das Gerät kann so einfach wie eine externe Festplatte genutzt werden.

Die Kombination aus Twin ESS SABRE ES9018C2M DACs und zwei Hochleistungsverstärkern leistet, was der Hersteller verspricht und transportiert den Hörer in die Dimension der perfekten Musikwiedergabe. Ein Genuss sondergleichen.

Übertrumpft klanglich so ziemlich jedes Smartphone: Der Pioneer XDP-02U ist ein geeigneter Zuspieler für die besten Kopfhörer der Welt (Bildquelle: GIGA)

Pioneer XDP-02U im Test: Unser Fazit

Der Pioneer XDP-02U ist ein äußerlich aus der Zeit gefallener Musik-Player, der aber glücklicherweise bei seiner Hauptaufgabe voll und ganz überzeugt: Er spielt Songs in der bestmöglichen Qualität ab, egal aus welchem Genre sie stammen. Die Vorteile zu einem Smartphone mit Klinkenbuchse oder einem Lightning-auf-Klinke-Adapter sind vielleicht nicht für jeden Hörer sofort wahrnehmbar, denn dazu braucht man ein wenig Zeit und Ruhe. Wer aber mit dem Pioneer XDP-02U konzentriert Miles Davis „Kind of Blue“, Pink Floyds „The Dark Side of the Moon“ oder Daft Punks „Random Access Memories“ gehört hat, wird bestätigen können: Die wohlige Gänsehaut ist garantiert, wenn man sich darauf einlässt.

Pioneer XDP-02U: Bewertung

Klang: 95 Prozent
Hardware & Display: 20 Prozent
Software & Bedienung: 50 Prozent
Konnektivität & Speicher: 80 Prozent
Akku: 50 Prozent

Gesamt: 59 Prozent

Pioneer XDP-02U: Unsere Empfehlung für den Gebrauch

Um das Potential des Pioneer XDP-02U freizusetzen, müssen vier Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Äußere Ruhe: Man braucht einen stillen Raum, ohne Brummen, Zischen oder Fiepen. Wer in einer rumpelnden U-Bahn den XDP-02U herausholt, um Musik in bester Qualität zu hören, wird keinen Unterschied zu gewöhnlichen MP3-Playern erkennen.
  2. Innere Ruhe: Keine Termine, kein Stress, keine Ablenkung. Wer ausgeschlafen und ausgeglichen ist, hat die besten Chancen auf ein wundervolles Musikerlebnis.
  3. Die bestmögliche Aufnahme: Wir haben uns einige Songs bei Qobuz und bei HDtracks aus den Bereichen Jazz, Klassik und Pop gekauft. Das ist nicht zwingend notwendig, denn auch gute Wave-Dateien oder sogar MP3s sorgen für Hörgenuss, Hauptsache die Aufnahme an sich ist gut. Denn trotz all der feinen Technik kann der Pioneer XDP-02U nicht zaubern. Eine schlechte Aufnahme wird durch ihn nicht plötzlich gut.
  4. Der bestmögliche Kopfhörer: Wir nutzten einen Beyerdynamic T90 und Pioneers In-Ear-Kopfhörer SE-CH9T für unseren Test, so konnte der XDP-02U seine Fähigkeiten gebührend zur Schau stellen.

Das hat uns gefallen

  • Fabelhafter Klang: In Zusammenspiel mit guten Kopfhörern und gutem Quellmaterial blüht der Pioneer XDP-02U auf. Allerdings sitzt ihm ein iPod touch (6.Gen) dicht im Nacken – der Vorsprung ist winzig und für einige Menschen gar nicht wahrnehmbar.
  • Flexibilität: Eine Vielzahl unterstützte Formate, per microSD erweiterbarer Speicher und sogar Bluetooth und WLAN – so gehört sich das für einen gut ausgestatteten Audioplayer. Der Pioneer XDP-02U kann MQA, native DSD 5,6 MHz Wiedergabe, DSD-IFF, FLAC / ALAC / WAV / AIFF bis zu 192 kHz / 32-Bit, MP3 und AAC. Weitere technische Informationen findet ihr auf unserer Produktseite zum Pioneer XDP-02U.
  • Richtige Hardware-Buttons für Lautstärke, Vor/Zurück und Pause/Play: Das fühlt sich an wie früher und gibt dem Musikgenuss ein wenig Haptik zurück, die bei Smartphones fehlt.

Das fanden wir nicht so gut

  • Gehäuse-Design und Display: Rein äußerlich wirkt der Pioneer XDP-02U hoffnungslos veraltet. Das klobige Gehäuse ist wenigstens handlich, aber das blickwinkelschwache und kontrastarme Touch-Display ist im Jahr 2018 ein Witz.
  • Bedienung: Wer ein flottes Smartphone gewohnt ist, wundert sich über die träge Touch-Oberfläche des Pioneer XDP-02U.
  • Auch wenn der Hersteller verspricht, der Player sei darauf ausgelegt „Kopfhörer bis zu 600 Ohm“ anzutreiben – etwas mehr Power bei den höchsten Pegeln hätte nicht geschadet. Die Klinkenbuchse des Macbook Pro (13 Zoll, 2014) schafft größere Lautstärken, wenngleich man in diesem Bereich seine Ohren schädigen könnte.

Gut zu wissen

  • Akku: Mit bis zu 15 Stunden ganz okay, aber kein Ausdauerwunder. Geladen wird per Micro-USB. Abzüge in der Wertung gab es, weil der Player auch ungenutzt den Akku zu schnell entlädt.
  • Mit der App „Pioneer DuoRemote“ kann das Smartphone die Steuerung des per Bluetooth gekoppelten Pioneer XDP-02U übernehmen. Wir haben dieses Feature aber nicht als nützlich empfunden.
  • WLAN: Es wird nur das 2,4-GHz-Band unterstützt (IEEE 802.11).

Ratgeber: Welchen Bluetooth-Lautsprecher soll ich mir kaufen?

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