Bridge of Spies - Kritik: Kann Spielberg noch großes Kino?

Marek Bang

BRIDGE OF SPIES Trailer Deutsch German & Kritik Review (2015).
  Drei Jahre nach „Lincoln“ wendet sich Regisseur Steven Spielberg mit „Bridge of Spies“ erneut einer historischen Figur zu. Doch der von Tom Hanks brillant verkörperte Rechtsanwalt Donovan darf offiziell keine Lorbeeren für seine Verdienste im kalten Krieg einstreichen - eine moralische Instanz ist er dennoch. Ob auch der Film lohnt, erfahrt ihr bei uns.

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Er war „Forrest Gump“, Walt Disney und der letzte Mensch auf einer einsamen Insel -  es ist schon beachtlich, zu welch einem großen Charakterdarsteller es der Komödiant Tom Hanks über die Jahrzehnte gebracht hat. Unter der Regie von Steven Spielberg darf er im Agenten-Thriller „Bridge of Spies“ noch einmal das tun, was er am besten kann. Tom Hanks spielt den US-amerikanischen Joe Jedermann, der auf den ersten Blick dem Klischeebuch für Durchschnittstypen entfallen ist, dank seines moralischen Kompasses und seiner Standhaftigkeit aber letztlich doch haushoch aus der grauen Masse herausragt.

Der zweifache Oscarpreisträger spielt den Versicherungsanwalt James B. Donovan, einen pflichtbewussten Familienvater, der die undankbare Aufgabe übernimmt, in den paranoiden 1950er Jahren einen russischen Spion vor der Justiz der USA zu verteidigen. Da er seine Mission gewissenhaft zu erfüllen gedenkt, ist ihm zwar der Respekt seines Mandanten Rudolf Abel (Mark Rylance) sicher, den Hass der durch die McCarthy-Ära verunsicherten Mehrheit besorgter US-Bürger bekommt er allerdings gratis mit dazu. Dennoch schafft es der findige Jurist, die drohende Todesstrafe in eine lange Haftstrafe umzuwandeln, mit dem Hinweis, der Gefangene könnte später einmal für einen möglichen Austausch von Spionen eine wichtige Rolle spielen.

Schneller als gedacht wird James B. Donovans Vorhersage von der Realität eingeholt. Als der US-Pilot Francis Gary Powers (Austin Stowell) bei einer Ausspäh-Mission vom sowjetischen Himmel gestürzt wird, steht es 1:1 zwischen den Großmächten und die Stunde des Anwalts hat geschlagen. Er soll mit den Russen und Vertretern der DDR über einen Gefangenenaustausch in Ost-Berlin verhandeln. Sein Status als Zivilist ermöglicht es beiden verfeindeten Parteien, ihr Gesicht zu wahren. Doch auch Vertreter der DDR wollen einen Platz am internationalen Verhandlungstisch ergattern und der junge US-amerikanische Student Frederic Pryor (Will Rogers) ist beim zeitgleich stattfindenden Bau der Berliner Mauer zur falschen Zeit am falschen Ort…

Beschwingt statt bleiern: Spielberg unterhält und berührt zugleich

Es ist verwunderlich, wie leichtfüßig und humorvoll „Bride of Spies“ über weite Strecken daher kommt. Bevor es zum ersten Agentenaustausch  an der legendären Glienicker Brücke im geteilten Berlin kommt, darf über die Absurditäten des kalten Krieges herzhaft gelacht werden, so absurd kommen uns manche Bürokraten und Agenten heute vor. Umso stärker wirkt die Macht der Bilder von fliehenden Menschen, die an der Mauer erschossen werden. James Donovan beobachtet sie stellvertretend für uns aus dem Augenwinkel, als er mit der S-Bahn den Ost-Teil der Stadt verlässt. Doch auch seine eigenen Leute glänzen nicht gerade mit vorbildlichem Verhalten und so liegt es ganz allein an der Standhaftigkeit des Durchschnitts-Amerikaners aus der Mittelschicht, um auch den verlorenen Studenten auf der Glienicker Brücke wieder zu treffen.

Fazit:

Mit „Bridge of Spies“ liefert Steven Spielberg großes Hollywood-Kino der alten Schule. Im Zentrum steht ein grundsympathischer Versicherungsanwalt, der in einer heiklen Mission über sich hinaus wächst, weil er an seinen Prinzipien festhält. Die Ausstattung ist opulent, der Soundtrack schwelgerisch und die schauspielerischen Leistungen durch die Bank weg überzeugend. Auch wenn es an manchen Stellen etwas zu sehr nach klassischer Hollywood-Orchestrierung riecht - die Balance zwischen Unterhaltung, humorvollen Spitzen und dramatischen Bildern stimmt. „Bridge of Spies“ entführt uns in die so tragischen wie oftmals auch absurden Tiefen des Kalten Krieges, zum Glück ohne große Schwarz-Weiß-Malerei und mit einer erfrischenden Leichtigkeit, die so nicht zu erwarten war.

rating8

 

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