Mac Pro: PCI-Express-Karten weiternutzen

Sven Kaulfuss 2

Ein Geschwindigkeitswunder ist der neue Mac Pro allemal. Nur intern erweitern lässt sich die Rechenröhre schwerlich. Bisherige PCI-Express-Karten (PCIe) finden keinen Platz mehr. Wer diese weiternutzen möchte, muss in Adapterlösungen investieren.

Mac Pro: PCI-Express-Karten weiternutzen

Bisher konnte noch jeder professionelle Desktop-Mac seit dem Macintosh II (1987) mit Erweiterungskarten den Bedürfnissen des Nutzers angepasst werden. Dank dieses flexiblen Aufbaus wächst der Rechner mit seinen Aufgaben und verdingt sich als wertvolles Werkzeug in der Produktion. Anwender stehen heute eine Vielzahl von Erweiterungsmöglichkeiten offen:

  • leistungsfähige Grafikkarten
  • professionelle Audiokarten (Avid Pro Tools, Solid State Logic, RME, Lynx etc.)
  • Video Capturing und Verarbeitung (AJA, Black Magic etc.)
  • zusätzliche Netzwerkkarten mit bis zu 10 Gigabit
  • Lösungen für Fibre Channel (Speichernetzwerke)
  • Schnittstellenkarten für USB, FireWire, SAS und SATA
  • SSD-Karten auf Basis von PCI Express
  • RAID-Controller

Der neue Mac Pro bricht mit diesen Konventionen. Er verzichtet grundsätzlich auf die Möglichkeit der internen Erweiterung – abgesehen vom Arbeits- und Flashspeicher. Nutzer, die eine oder mehrere der oftmals sündhaft teuren PCI-Express-Karten ihr Eigen nennen, stehen vor einem gewichtigen Problem. Sie müssen sich entweder adäquaten externen Ersatz beschaffen – auf Basis von USB, FireWire oder Thunderbolt – oder eine Adapterlösung zulegen.

PCI-Express-Karten im Mac Pro und Co weiternutzen: Die „Box-Lösung“

„Adapter“ existieren in Form von sogenannten PCI-Express-Boxen. Dies sind externe Gehäuse mit einem oder mehreren PCI-Express-Steckplätzen. Angeschlossen werden diese über Thunderbolt. Erwähnenswert: Intel und Apples Universalschnittstelle basiert unter anderem auf PCI Express, eine Adaptierung wird somit technisch möglich. Grundsätzlich kann damit heutzutage jeder Mac (Mac Pro, iMac, Mac Mini, MacBook Pro und MacBook Air) PCI-Express-Karten betreiben. Federführend in der Entwicklung derartiger Lösungen sind zwei Firmen: Sonnet Technologies (Echo Express) und Magma (ExpressBox). Erstere brilliert hierzulande mit einem dichten Vertriebsnetz, die vergleichbaren Geräte von Magma sind hingegen in unseren Breitengraden spärlicher vertreten.

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Kompatibilität: Thunderbolt-Treiber vonnöten

Kompatibel zeigen sich diese PCI-Express-Boxen zu einer Vielzahl von Erweiterungskarten. Vorausgesetzt wird allerdings für die jeweilige Karte ein aktueller Thunderbolt-Treiber des Herstellers. Wichtig zu wissen: Bisher können auf diese Weise noch keine Grafikkarten extern betrieben werden. Für Käufer eines neuen Mac Pro Anfangs sicherlich das geringste Problem, bietet Apples Profi-Rechner von Hause aus schon eine überragende Grafikleistung dank zweier AMD-FirePro-GPUs. Eine Übersicht der bisher funktionierenden Karten findet sich auf den Seiten von Sonnet und Magma:

Thunderbolt 1 oder Thunderbolt 2?

Alle PCI-Express-Boxen nutzen derzeit die erste Version der Thunderbolt-Schnittstelle mit 10 Gbps. Erst Thunderbolt 2 (20 Gbps) ermöglicht in diesem Zusammenhang die volle Bandbreite für spezielle Karten (16 Gbps Fibre Channel, Multiport 10 Gbps-Ethernetkarten etc.). Eben diese Schnittstelle findet sich schon im neuen Mac Pro. Sie zeigt sich natürlich auch abwärtskompatibel zum Vorgänger – die PCI-Express-Boxen können problemlos genutzt werden. Beachtenswert: Sonnet Technologies offeriert seinen Kunden ein Austauschprogramm für Thunderbolt 2. Käufer einer aktuellen PCI-Express-Box (Echo Express III-D, III-R und SE II) können – sobald verfügbar – kostenfrei auf Thunderbolt 2 aufrüsten und ihre Geräte einsenden. Allerdings gilt dies vorderhand nur in den USA, deutsche Kunden sollten sich an ihren Händler wenden. Dieser kann gleichfalls am Austauschprogramm teilnehmen. Neuere Versionen besagter Boxen werden zukünftig direkt mit Thunderbolt-2-Interface angeboten.

Abwägung: Weiternutzung oder Neuerwerb

Doch lohnt der Kauf einer solchen Box? Mit Preisen ab circa 500 Euro will die Anschaffung gut überlegt sein. Hinzu kommt noch der Erwerb eines nicht unbedingt preiswerten Thunderbolt-Kabels. Unser Tipp: Nutzt der Anwender aktuell nur eine PCI-Express-Karte und der Neuerwerb einer adäquaten externen Ersatzlösung ist günstiger als die Beschaffung der Box, dann sollte man vom Kauf absehen. Werden aktuell mehrere oder besonders teure Karten genutzt, ist eine solche PCI-Express-Box hilfreich und jeden Cent wert.

Übersicht: PCI-Express-Boxen von Sonnet und Magma

Auf den folgenden Seiten präsentieren wir nun die aktuellen und in Deutschland verfügbaren PCI-Express-Boxen von Sonnet Technologies und Magma:

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