Mac Pro Verkaufsstart: Wie glaubhaft ist Conrad? (Kommentar eines Insiders)

Sven Kaulfuss 5

Heute berichteten wir über den verfrühten Verkaufsstart des neuen Mac Pros bei Conrad. Der Händler verspricht ab dem 17.12. liefern zu können. Aktuell kann der Tubus-Rechner jedoch nicht mehr vorbestellt werden. Doch sind die Angaben grundsätzlich glaubhaft?

Mac Pro Verkaufsstart: Wie glaubhaft ist Conrad? (Kommentar eines Insiders)

Startet der Verkauf des Mac Pros tatsächlich am 17.12.2013?

Weiß ein deutscher Händler mehr als der Rest der Welt? Dies fragen sich heute nicht nur die hiesigen Gazetten, sondern auch die amerikanischen Kollegen von MacRumors und Co. Zugegeben, auch GIGA APPLE spekulierte Anfangs der Woche über das Datum des anstehenden Releases des Mac Pro. Dem gegenüber steht nun jedoch die mehr oder weniger verlässliche Aussage eines Händlers. Wie glaubhaft ist eine solche Verkündigung?

Um die Angabe von Conrad einordnen zu können, hilft es, die grundlegende Vertriebsmethode von Apple zu verstehen. Meine Wenigkeit verdingte sich über eine Dekade bei einem heute nicht mehr ganz so kleinen Multichannel-Händler, viele Jahre davon als Produktmanager für den Apple-Bereich – die Vorgehensweise von Apple hat sich seit diesen Tagen nicht grundsätzlich geändert.

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Mac Pro 2019 und seine Vorgänger: Apples interessante Ahnengalerie der Profi-Macs.

Verletzt Conrad seinen Vertrag mit Apple?

Als von Apple autorisierter Händler ist Conrad – im Gegensatz zu den freien Händlern – nicht allein auf den Einkauf in der Distribution beschränkt. Conrad darf und wird wohl auch direkt bei Apple in Irland seine Waren bestellen. Als autorisierter Händler verpflichtet sich Conrad dafür gegenüber Apple zur Einhaltung diversen Richtlinien. Dies hat Vor- und Nachteile. Ein Vorteil: Über bestimmte qualifizierte Merkmale erhält ein autorisierter Händler diverse Rückvergütungen und Boni. Im Gegenzug bestimmt Apple in einigen Bereichen die Vertriebspolitik. So darf Conrad beispielsweise eben nicht, einfach so, Apple-Produkte noch vor dem Hersteller zum Vorverkauf anbieten. Bei der verfrühten Vorbestellmöglichkeit handelt es sich also per se um eine Vertragsverletzung. Dies erklärt auch die gegenwärtige Nichtbestellmöglichkeit im Online-Shop bei Conrad – ursächlich hierfür war aller Wahrscheinlichkeit ein dirigierender Anruf des zuständigen Apple-Key-Account-Managers. Aber allein schon die Veröffentlichung eines Liefertermins dürfte Apple nicht schmecken, ein Folgeanruf steht da wohl noch aus.

Apple NDA: Der „Club“ der Eingeweihten

Dies beantwortet jedoch noch nicht unsere Frage, ob Conrad im Besitz glaubhafter Informationen zum Liefertermin des Mac Pros ist. Schließlich – und dies ist nicht unwahrscheinlich – könnte sich Conrad über die Vorbestellmöglichkeit einen strategischen Vorteil gegenüber den Mittbewerben verschaffen wollen. Grundsätzlich erhält kein Händler Vorabinformationen zu neuen Produkten. Doch es gibt Ausnahmen. Handelt es sich nur um ein kleines Update, so ist es durchaus üblich, dass Händler schon vorab eine Bestellung aufgeben können. Allerdings erfährt der Händler nur die Apple-Modellnummern, keine Spezifikationen. Ergo: Er darf ins Blaue vorbestellen.

Der Mac Pro ist ein Sonderfall. Das Produkt ist schon bekannt, allein es fehlt an einen Liefertermin. Die Chancen stehen deshalb gut, dass Apple die autorisierter Händlern vorab mit Informationen zur Lieferbarkeit versorgt – natürlich streng vertraulich, unter Hinzunahme eines NDA (non-disclosure agreement = Geheimhaltungsvertrag). Bricht jemand sein Schweigen, so wird es für denjenigen sehr teuer. Auch könnten solche Händler schon einige Tage vor dem offiziellen Verkaufsstart im Apple Store ihren Forecast abgeben dürfen – NDA vorausgesetzt.

Unterm Strich: Die Angaben seitens Conrad könnten sich somit als glaubhaft herausstellen. Wenn dem so ist, so dürfte es jedoch zukünftig Gesprächsbedarf zwischen dem Händler und Apple geben. Ich wünsche schon mal viel Vergnügen!

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