Android L: Das Ende vom Root?

Kamal Nicholas 74

Es klingt etwas reißerisch, doch tatsächlich scheint Android 5.0/Lollipop über einige Sicherheitsmaßnahmen zu verfügen, die dem Android-Root, wie wir ihn bisher kennen, ein Ende setzen könnte.

Android L: Das Ende vom Root?
Bildquelle: Android Locked.

Sein Android-Gerät zu rooten ist so etwas wie das Heiligtum im Android-Bereich. Durch diesen Zugriff auf das System erhalten Nutzer die Möglichkeit, maßgebliche Veränderungen am System vorzunehmen. Nicht nur bietet ein Root die Option, verschiedene Custom ROMs aufzuspielen, die der Benutzeroberfläche des Smartphones oder des Tablets ein neues Aussehen und neue Funktionen verleihen.

Nein, Root bietet auch die Chance, aktuellere Software für Geräte zu erhalten, die von den Herstellern offiziell gar nicht mehr versorgt werden. Verantwortlich dafür sind fleißige Entwickler, die sich meist in ihrer Freizeit mit diesen Geräten und dem dazugehörigen System auseinandersetzen und die häufig unentgeltlich Modifikationen entwickeln, die den Nutzern zahlreiche Vorteile bringen. Doch mit Android 5.0/Lollipop könnte der klassische Root nun seinem Ende nah sein, wie auf der für Android-Entwickler äußerst wichtigen Plattform xda-developers berichtet wird.

Nach dem Root ist vor dem Root, oder?

Wer sein Gerät schon einmal gerootet hat weiß, dass diese „Öffnung“ des Systems normalerweise automatisch wieder rückgängig gemacht wird, wenn man sein Smartphone mit einem offiziellen Update des Herstellers versieht. Bisher eigentlich kein Problem, denn über Umwege lässt sich bei ausgewählten Geräte der Root mit Hilfe bestimmter Apps bei solch einem Prozess beibehalten. Normalerweise ist es aber nötig, den Root-Prozess erneut durchzuführen, sollte man ein solches offizielles Update installiert haben. Mit Android L ändert sich aber nun einiges, denn die neueste Version von Googles mobilem Betriebssystem ist mit einigen neuen Sicherheitsmaßnahmen ausgestattet.

Der Entwickler Chainfire (der für einige wichtige Entwicklungen verantwortlich und seines Zeichens XDA Senior Recognized Developer ist) warnte bereits in der Vergangenheit immer wieder vor den großen Veränderungen im Android-Bereich und lag dabei häufig sehr richtig. Umso schwerwiegender ist deshalb auch seine Aussage, dass das Lollipop-Update (LPX13D) nach der Installation nicht nur einen möglichen vorhandenen Root beseitigt, sondern mit Hilfe der richtigen Kombination verschiedener Faktoren auch dafür sorgen kann, dass ein neuer Root danach überhaupt nicht mehr möglich ist.

Chainfire erklärt diesen Vorgang folgendermaßen: Der Root wird dadurch „zerbrochen“, da das für den Rootzugriff benötigte Skript nicht mehr im Bootmodus aus der init.d starten kann. Stattdessen wird das Skript dazu gezwungen, aus einem SELinux-Kontext heraus zu starten. Dabei scheint es sich um einen neue Anforderung an alle Apps und Dienste zu handeln, die beim Boot starten.

Die Lösung, die Chainfire bisher angeboten hat, ermöglicht einen Root auf dem Level des Kernels. Für einen Root ist also ein Custom Kernel notwendig. Um nun aber einen Custom Kernel aufzuspielen, ist ein Root notwendig. An sich vielleicht erst einmal kein großes Problem. Doch sobald nun der Bootloader eines Gerätes verschlossen ist bzw. wenn dieser nicht entsperrt werden kann, ist ein Root eben nicht möglich. Zumindest solange nicht, bis jemand diese Sicherheitsmaßnahmen überwinden kann.

Google scheint den Geräteherstellern damit eine ausgezeichnete Möglichkeit zu bieten, den Rootzugriff zu begraben. Mit ihren eigenen Geräten Google das sicherlich nicht tun (die Nexus-Reihe hat einen unverschließbaren Bootloader), doch bei den anderen Herstellern könnte das durchaus anders aussehen: Ein Grund könnte dafür beispielsweise sein, dass die Hersteller ihre eigene Benutzeroberfläche inklusive deren Features etc. als unlöschbaren Teil eines Gerätes sehen möchten.

Was genau nun also passiert, hängt stark von den einzelnen Herstellern ab und es wird sehr spannend werden, wer welchen Weg einschlägt. Und für uns Nutzer bleibt nur zu hoffen, dass die Möglichkeit für Root und damit ein freierer Umgang mit dem eigenen Gerät auch weiterhin bestehen bleibt.

Quelle: xda developers

 

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