Android M: Neuerungen im Überblick – Doze, App-Backup, Multi Window-Funktion und mehr [Teil 2]

Rafael Thiel 5

Das auf der Google I/O 2015 angekündigte Android M birgt neben oberflächlichen Veränderungen auch neue Einstellungsmöglichkeiten sowie nutzerrelevantes Feintuning unter der Haube. Wir haben die Developer Preview auf ein Nexus 5 aufgespielt und tragen nachfolgend diverse Neuerungen zusammen. Darunter etwa – endlich – eine automatische Sicherung von Anwendungsdaten, bessere Unterstützung von microSD-Karten sowie einzeln hinzuschaltbare App-Berechtigungen.

Auf den ersten Blick kommt Android M recht unscheinbar daher; erst bei näherer Betrachtung fallen die subtilen Veränderungen des Updates, das noch keinen Dessert-Spitznamen besitzt, auf. Das gilt sowohl für die Benutzeroberfläche, die dezent erweitert und aufgebohrt wurde, als auch das Betriebssystem als solches – meint: unscheinbare Unterpunkte in den Einstellungen und Optimierungen unter der Haube.

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„Doze“ verlängert Akkulaufzeit im Standby

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Eine solche Optimierung ist „Doze“ – zu Deutsch: Schlummern. Wie auf der Keynote angerissen, ist Android M zu erfassen in der Lage, wenn ein Gerät über einen längeren Zeitraum unbenutzt herumliegt, um dann die Hintergrundsynchronisation zugunsten einer längeren Akkulaufzeit herunterzuschrauben. Die Details zu dieser Funktion sind bislang noch rar gesät, jedoch hat es den Anschein, als dass Wecker und Benachrichtigungen mit hoher Priorität – etwa ein eingehender Anruf – weiterhin ungestört durchkommen. Lediglich während der Nichtbenutzung redundante Datenabrufe werden reduziert.
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Auf diese Weise soll die Akkulaufzeit ungefähr verdoppelt werden können, wie das Unternehmen an einem Vergleich eines Nexus 9 mit Android M und Android 5.0 Lollipop demonstrierte. Wie sich „Doze“ auf den Alltag niederschlägt, muss jedoch erst noch getestet werden. In den Einstellungen der Entwickler-Vorschau ist es übrigens möglich, die Apps, die dem Schlummern generell widerstehen sollen, manuell auszuwählen – die Google Play Dienste, der Play Store sowie der Download-Manager sind standardmäßig gegenüber „Doze“ resistent und können aufgrund ihrer Kernfunktionalität auch nicht abgeschaltet werden.

Android M mit mehr Kontrolle über App-Berechtigungen

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Ebenfalls auf der Keynote präsentiert wurde das neue Berechtigungssystem von Android M. Dieses gewährt dem Benutzer grundsätzlich mehr Kontrolle über die Vergabe von Berechtigungen an Apps. Statt eine Anwendung bei ihrer Installation lediglich wissen lässt, welche Rechte beansprucht werden, können Zugriffe auf Mikrofon, Kamera, Standort, Kontakte, SMS und Kommunikation nachträglich und erst bei Bedarf hinzugeschaltet werden. Auf der Bühne wurde das Ganze anhand von WhatsApp demonstriert: Nur wenn der Benutzer zum ersten Mal ein Sprachmemo aufnimmt, erscheint ein Fenster und fragt, ob der Anwendung der Zugriff aufs Mikrofon gestattet werden darf. Diese Zugeständnisse können in den Einstellungen nachträglich auch wieder zurückgenommen werden.
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Auto-Backup von Anwendungsdaten

Die Verkündung des erweiterten Clipboards unter Android M während der Keynote provozierte ein befreites „Endlich!“ aus der Zuschauermenge – auch folgendes Feature hätte diesen Ausruf mehr als verdient, obgleich es aus unerfindlichen Gründen keine Erwähnung auf der Bühne fand: die Rede ist vom automatischen Backup von App-Daten. Es hat ein paar Versionsnummern gedauert, bis sich Google diesem ansonsten doch recht mühseligen Prozedere angenommen hat, das mit dem Einrichten eines Android-Geräts einhergeht. Nachdem unter Android Lollipop Apps zumindest automatisch heruntergeladen wurden, sichert Android M sogar relevante Anwendungsdaten alle 24 Stunden in der Cloud; das beinhaltet auch Einstellungen und im Grunde alles, was nicht größer als 25 MB ist. Das Ganze geschieht zudem standardmäßig, wodurch ältere Apps nicht entsprechend aktualisiert werden müssen. Auf Wunsch können Entwickler jedoch Teile ihrer Anwendung dagegen „schützen“.

Android M kann microSD-Karten als internen Speicher wahrnehmen

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Sinneswandel in Mountain View: Nachdem Google sich jahrelang gegen microSD-Karten ausgesprochen und in Android deren Nutzung zunehmend eingeschränkt hat, scheint Android M einen Wendepunkt darzustellen. In der Dokumentation der Developer-Preview wird erwähnt, dass externe Speicherquellen künftig gleichwertig dem internen Speicher genutzt werden können. Dazu muss eine eingesteckte microSD-Karte lediglich entsprechend formatiert werden. Das macht das Speichermedium zwar für andere Geräte zunächst nicht lesbar, ermöglicht allerdings das Auslagern von Anwendungen und privater Daten. Darüber hinaus erkennt Android M problemlos angeschlossenen USB-Speicher und kann diesen nutzen. Da jedoch die Nexus-Geräte allesamt keinen entsprechenden Einschub haben, kann dieses Feature noch nicht getestet werden.

Heads-Up-Benachrichtigungen können App-spezifisch eingestellt werden

Die mit Android 5.0 Lollipop eingeführten Heads-Up-Benachrichtigungen wirkten zu Beginn etwas unfertig. Der Vorteil des neuen Features ist zwar nicht von der Hand zu weisen – anstatt den Benachrichtigungsinhalt gequetscht auf der Statusleiste zu überfliegen, kann er auf einem für wenige Sekunden erscheinenden Fenster eingesehen werden –, allerdings waren die Heads-Up-Karten leicht aufdringlich, da die darunter liegende Anwendung am oberen Bildschirmrand kurzzeitig nicht bedienbar war. Ab Android 5.1 konnten die Benachrichtigungen dann zumindest per Wischgeste zum späteren Lesen aus dem Gesichtsfeld geschoben werden. In Android M ist es sogar möglich, Heads-Up-Benachrichtigungen nur für ausgewählte Apps einzuschalten. Während eine Nachricht in Hangouts durchaus von Interesse sein kann, mutet ein Update aus Clash of Clans vielleicht etwas unwichtiger an und soll demzufolge nicht stören.

Android M bringt übersichtlicheren RAM-Manager, 5 GHz-Hotspots und mehr

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Doch Android M hat neben genannten Funktionen natürlich noch ein paar weitere feine Details auf Lager, die zwar unspektakulär sind, wir euch aber natürlich nicht vorenthalten wollen. So wird in den Einstellungen fortan zwischen dem durchschnittlich beanspruchten und maximal genutzten Arbeitsspeicher unterschieden. Darüber hinaus können Hotspots jetzt auch – sofern von der Hardware unterstützt – in 5 GHz aufgespannt werden. Eine ebenfalls willkommene Neuerung ist die verbesserte Verknüpfung von URLs und Anwendungen. Durch einen Verifikationsprozess über die Google-Server wird der Benutzer künftig automatisch zur richtigen App weitergeleitet, ohne dass diese zuvor händisch ausgewählt werden muss. Ferner findet ich in den Einstellungen unter Android M ein Unterpunkt namens „Google“, der auf die Play Dienste verweist und somit eine klarere Gliederung ermöglicht. Bislang war dieses Element separat im App-Drawer verortet. Außerdem mit an Bord: eine native Entwicklerschnittstelle (API) für die Kamera-LED zur Nutzung als Taschenlampe.

Entwickleroptionen mit „System UI Tuner“ und optionalem „Dark Mode“

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Ab Android M können die Quick Settings im Benachrichtigungsbereich vom Nutzer individuell angepasst werden – ein Feature, dass sich Nutzer seit einer gefühlten Ewigkeit wünschen und durch den sogenannten „System UI Tuner“ in den Entwickleroptionen jetzt ermöglicht wird. In einer Oberfläche können die Schnelleinstellungen nach eigenem Gusto sortiert werden. Beim Verschieben eines Shortcuts kann es jedoch noch zum Absturz der Funktion kommen – es handelt sich offenkundig um ein noch nicht finalisiertes Feature.
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Ohne Bugs kommt hingegen der „Dark Mode“ daher. Ebenfalls in den Entwickleroptionen untergebracht, kann der Benutzer hier von der weißen Oberfläche der Einstellungen zu einem dunklen Interface wechseln. Ferner gibt es eine „Automatik“ auszuwählen, die mutmaßlich abhängig von der Uhrzeit zwischen den beiden Modi wechselt. Es muss derweil im Kopf behalten werden, dass besagte Unterpunkte bis zum finalen Release von Android M aus den Entwickleroptionen verschwinden könnten – oder aber zu einer vollwertigen Einstellung aufsteigen.

Android M mit unfertiger Multi Window-Funktion

Bei der uns zur Verfügung stehenden Version von Android M handelt es sich wohlgemerkt um eine Entwickler-Vorschau, die noch keinen Anspruch auf Stabilität und Vollständigkeit hat. Denn das letzte Feature, das wir in diesem Artikel anreißen wollen, ist dem Anschein nach noch lange nicht final und lässt sich nur mit einem kleinen Workaround aktivieren. Durch eine kleine Veränderung innerhalb der build.prop-Datei des Android-Geräts wird in den Entwickleroptionen ein neuer Unterpunkt mit einem „Multi-Window“-Modus freigelegt. Eine detaillierte Anleitung für den Vorgang findet sich auf reddit – wir weisen darauf hin, dass das Ausprobieren dieser Funktion auf eigene Gefahr stattfindet.

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Bildquelle: Andrew Orobator @Google+ via Android Police

Zudem ist die Multi Window-Funktion noch ziemlich verbugt, wie dem beigefügten Video eines Nutzers zu entnehmen ist. Demnach ist es möglich, Apps entweder oben oder unten zu fixieren – bei Tablets wahlweise auch in einer der Ecken. Dabei werden derzeit allerdings noch die verbliebenen Flächen von zufällig ausgewählten anderen Anwendungen gefüllt. Nichtsdestotrotz wirkt das Feature bereits relativ flüssig und könnte bis zum finalen Release durchaus noch fertig werden.

https://youtube.com/devicesupport.

via Android Police

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