Android M: Warum das neue Berechtigungssytem erst jetzt kommt

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In Android M wird Privatsphäre großgeschrieben, ein verfeinertes Berechtigungssystem gibt dem Benutzer entsprechendes Werkzeug an die Hand. Allerdings arbeitete Google bewiesenermaßen schon in Android 4.3 Jelly Bean an einem solchen Feature. Im Gespräch mit dem britischen Guardian äußert sich Hiroshi Lockheimer, leitender Entwickler von Android und Chrome OS, zu der Verzögerung und der neuen granularen Rechtevergabe.

Mit den „App-ops“ wollte Google schon 2013 das Berechtigungssystem von Android modernisieren. Das unfertige Feature war jedoch seinerzeit nur auf Umwegen erreichbar und im Grunde noch nicht für den Endverbraucher vorgesehen. Es funktionierte aber bereits: Zugriffsrechte einzelner Anwendungen konnten individuell beschnitten werden, wenngleich das angesichts des verfrühten Starts noch zu einigen Komplikationen führte. „Seit 2008 herausgekommene Applikationen für Android sind nicht dafür entwickelt worden, dass gewisse Funktionalitäten ausgeschaltet werden könnten.“, gibt Hiroshi Lockheimer gegenüber The Guardian zu Bedenken, „Das war keine Prämisse der Entwickler, die Schnittstellen waren dafür nicht ausgelegt.“

Anwendungen müssen erst für das neue Benachrichtigungssystem präpariert werden

Wenn also eine nicht entsprechend präparierte App davon ausgeht, auf das Mikrofon zugreifen zu können, und ihr dieser Zugriff plötzlich versagt wird, kommt es eben zum Absturz. Darum musste das Projekt innerhalb Googles zunächst weiterevaluiert werden, bevor es jetzt in Android M ausgereift zutage kommen konnte. „Es sind zahlreiche Parteien involviert, über Google bis hin zu Entwicklern und Verbrauchern – alle auf eine Linie zu bringen, hat etwas gedauert.“, begründete Lockheimer die Verzögerung. „Wir starten damit in Android M, weil wir bei jedem großen Versionssprung auch entsprechend große Änderungen vornehmen können und in der Lage sind, ‚Application Programming Interfaces‘ (API) zu erweitern und hinzuzufügen.“


Denn wer von den anderen Veränderungen durch Android M profitieren will, muss seine Anwendung auch an das neue Berechtigungssystem anpassen – das gilt übrigens auch für Googles hauseigene Apps. Somit wird es auch möglich sein, etwa Gmail oder Google+ den Zugriff auf den eigenen Standort oder die Kontaktliste zu verweigern. „So funktioniert Android. Wir können Googles Anwendungen keinen Vorteil einräumen, jeder arbeitet auf demselben Level.“, merkt Lockheimer an, „Android ist ein Betriebssystem, in dem Google ein Entwickler von Drittanbieter-Apps ist.“

Bei dem granularen Benachrichtigungssystem hat man sich zudem nach Auskunft Lockheimers wirklich Gedanken um die Privatsphäre der Benutzer gemacht. Denn einzelne Rechte einschränkbar zu machen ist eine Sache, diese dann aber „im Kontext abzufragen, hilft dem ‚Ja‘-Mechanismus vorzubeugen“. Wenn der Benutzer versucht eine Sprachnachricht zu senden, wird er gefragt, ob der den Zugriff auf das Mikrofon für diese Anwendung dauerhaft erlauben möchte. Auf diese Weise sind zu treffende Entscheidungen transparenter und nachvollziehbarer; so zumindest der Gedanke von Lockheimer und seinem Team.

Quelle: The Guardian

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Rafael Thiel
Rafael Thiel, GIGA-Experte.

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