Project Treble: So will Google Android-Updates schneller machen

Rafael Thiel

Ein anhaltendes Problem in der Android-Welt bleibt die Fragmentation. Bislang ließen die Entwickler in Mountain View dieses leidige Thema eher nebenher köcheln, während sie an neuen Features für das mobile Betriebssystem arbeiteten. Doch offenbar hat Google nun endlich eine Lösung gefunden: Project Treble verspricht den Updateprozess für alle zu beschleunigen.

Project Treble: So will Google Android-Updates schneller machen

Der Updateprozess für Android-Updates ist ein komplexes Unterfangen, das sich an mehr als nur einem Nadelöhr aufhängt. In jedem der notwendigen Schritte kann es zu Verzögerungen kommen, die alle nachfolgenden Arbeiten aufhalten. Wie die nachfolgende Grafik zeigt, muss der Chip-Produzent das Update erst an die eigene Hardware anpassen, bevor der Smartphone-Hersteller die eigenen Anforderungen einarbeiten kann. Das ist ineffizient, wie Google richtigerweise erkannt hat.

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Die Lösung dafür ist im Grunde ziemlich straightforward: Den Schritt zwischen Hersteller und Provider kann Google nicht beeinflussen, wohl aber den zwischen Chipdesigner und Hersteller. Mit Project Treble wurde Android also auf niederster Systemebene umstrukturiert und in Module aufgeteilt. Statt die obigen Schritte seriell durchzugehen, können gewisse Arbeiten damit parallel vorgenommen werden. Bedeutet im Klartext, dass beispielsweise LG nicht länger auf Qualcomm warten muss, um den von Google aktualisierten AOSP-Code für das G6 anzupassen.

Project Treble: „Vendor Interface“ zwischen Hersteller und Chipdesigner

Klingt vernünftig. Das Ganze realisiert Google mit einem sogenannten „Vendor Interface“ als Schnittstelle zwischen dem Android-Framework-Modul, das für den Smartphone-Hersteller interessant ist, und dem Hardware-Modul, an dem der jeweilige Chip-Produzent arbeiten muss. Die Schnittstelle ist quasi eine Definition aller Verbindungen, die beide Module zueinander haben. Der Hersteller muss für seine Arbeit schließlich nur wissen, wie er die Hardware, also das SoC, anspricht und kann davon ausgehen, dass dieses auf die vordefinierte Anfrage zu antworten weiß.

In der Entwicklung braucht es noch nicht unbedingt die neuesten Befehle, an der der Chip-Produzent parallel noch arbeitet, solange sich beide Parteien an die Definitionen halten. Gegebenenfalls kann es hinterher noch zu kleineren Unstimmigkeiten kommen, die aber für gewöhnlich schnell behoben sind – schneller zumindest, als wenn Hersteller und Chipdesigner bei (nachträglichen) Änderungen oder Wünschen des jeweils anderen ständig aufeinander warten müssen, was durchaus vorkommt.

Die Neuerungen rund um Project Treble sollen ab Android O inkrafttreten. Um genau zu sein besitzt die aktuelle Entwicklervorschau für das Google Pixel bereits das „Vendor Interface.“ Für all jene, die auf Android O gespannt sind: Die Pixel-Smartphones werden die neue Version wohl wie gewohnt Monate vor Modellen anderer Hersteller erhalten. Die Preise sind seit dem Release immerhin ein wenig gesunken.

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Für schnellere Updates: Unternehmen sollen zum AOSP beitragen

Im Zuge von Project Treble hat Google außerdem Gespräche mit Herstellern und Chipdesignern aufgenommen, um diese dazu zu bewegen, ihre individuellen Features und Anpassungen in das Android Open Source Project (AOSP) einzuspeisen. Auf diese Weise würde Google direkt auf Basis zahlreicher Hersteller- und Provider-Anforderungen arbeiten, die nicht länger bei jedem Android-Update erneut implementiert werden müssten.

So haben beispielsweise Sony und Qualcomm laut Google schon dutzende Features und hunderte Bugfixes zu Android O beigetragen, die somit in allen folgenden Releases bereits an Bord sind und keiner weiteren Arbeit bedürfen. Möglicherweise können auf der Google I/O 2017 nächste Woche weitere Partner verkündet werden.

Quelle: Android Developers Blog

Hinweis: Das Artikelbild zeigt das LG G6.

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