Google beschwichtigt: Android ist genauso sicher wie iOS

Holger Eilhard 6

Seit langem streiten sich Gemüter über die Sicherheit von Android und iOS. Häufig kommt Googles Betriebssystem dabei nicht so gut weg, wie die Konkurrenz von Apple. Androids Sicherheitschef stellt nun klar, dass man genauso sicher wie die Konkurrenz ist.

Google beschwichtigt: Android ist genauso sicher wie iOS

Google: „Android ist jetzt so sicher wie die Konkurrenz“

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder tiefe Sicherheitslücken in Android. War es 2015 der Stagefright-Bug, folgte im Jahr 2016 HummingBad. Im vergangenen Jahr gab es daraufhin Berichte, dass auch die CIA Malware für Android entwickelt haben soll. Dies soll nun ein Ende haben.

Gegenüber CNet sagte Googles Sicherheitschef für Android, Google Play und Chrome OS, David Kleidermacher, dass sein Team stark daran arbeite, dass derartige Bugs der Vergangenheit angehören. Ohne konkrete Namen zu nennen, sagte er des Weiteren, dass Android nun so sicher wie die Konkurrenz sei. Die offensichtlichste Konkurrenz für Android ist dabei natürlich iOS.

Das größte Problem für Google ist dabei, dass es schwierig ist, Fehler zu beheben und die Updates an die Nutzer zu verteilen. Gleichzeitig ist es einfach für die Anwender, Malware auf ihr Android-Phone zu laden. Wird ein Fehler gefunden, können Updates nicht direkt von Google angeboten werden, sondern müssen über einen langwierigen Prozess von den Smartphone-Herstellern verteilt werden. Dies dauert in vielen Fällen sehr lange, unter Umständen passiert dies auch gar nicht. Zeitgleich haben Endnutzer die Möglichkeit, möglicherweise schädliche Software außerhalb des Play Stores zu laden und zu installieren.

Mehrere Wege zur Lösung der Update-Problematik

Google geht daher nun unterschiedliche Wege, um die Fehler schneller als zuvor zu beheben. So zahlt Google unter anderem für gefundene Sicherheitslücken ein Kopfgeld. Viele der „einfachen Bugs“ sind mittlerweile gefunden und da Android Open-Source ist, kann die Community nach Fehlern im Quelltext suchen.

Parallel arbeitet Google daran, die Anbieter von Android-Geräten dazu zu verpflichten, regelmäßige Updates anzubieten. Konkrete Zahlen, auf wie viele Geräte dies derzeit zutrifft, nannte das Unternehmen nicht. Man gab jedoch einige Anhaltspunkte. So soll die Mehrheit von über 200 verschiedenen Android-Geräten — von mehr als 30 Herstellern — ein Sicherheitsupdate aus den vergangenen 90 Tagen erhalten haben. Laut Kleidermacher soll sich im Jahr 2018 der Anteil der Geräte mit aktuellen Sicherheitsupdates deutlich verbessern.

Um sich dem Malware-Problem anzunehmen, hat Google ebenfalls einige Verbesserungen vorgenommen. Statt Nutzern einfach komplett die Möglichkeit zu nehmen, Software von außerhalb des Play Stores zu laden, erkennt das System bösartige Software und kann diese deaktivieren.

Google Play Protect durchsucht dabei das Gerät nach bekannter Malware und informiert Nutzer über die etwaigen Risiken. Im vergangenen Jahr hat dieses System 1,7 Milliarden Mal eingegriffen und die Nutzer vom Download der möglicherweise schädlichen Software abgehalten. Darüber hinaus wurden 39 Millionen bösartige Apps von Smartphones entfernt.

Doch diese Methoden greifen nur dann, wenn die zum Schutz notwendige Software auf den Geräten der Nutzer installiert ist. Während dies bei neuen Smartphones immer häufiger der Fall ist, gibt es Millionen von alten Android-Geräten, die auch in Zukunft keine Updates erhalten werden. Die Gründe hierfür sind vielfältig, so ist es möglicherweise schlichtweg nicht im Interesse des Herstellers, alte Geräte zu warten. Es ist lukrativer neue Hardware zu verkaufen, statt alte Hardware kostenlos zu pflegen.

Wie ihr die neueste App-Version installiert, seht ihr unten im Video.

App-Updates (Android): So installiert ihr die neuste App-Version.

Android: Update-Probleme weiterhin nicht vollständig gelöst

Selbst Googles hauseigenen Smartphones sind von der Update-Problematik betroffen. So erhalten beispielsweise das Nexus 5X und Nexus 6P, die erst Ende 2015 auf den Markt kamen, kein Update auf Android 9. Immerhin werden Sicherheitsupdates noch bis mindestens November 2018 ausgeliefert. Besitzer eines Pixel 2 oder Pixel 2 XL dürfen sich auf drei Jahre vollständige Unterstützung — also mindestens bis Oktober 2020 — freuen. Ein Blick zur Konkurrenz von Apple, wo auch heute noch ein iPhone 5s — vorgestellt Ende 2013 — mit aktueller Software ausgestattet wird, zeigt jedoch, wie es besser gehen kann.

Mit Googles Project Treble sollte sich dies ändern. Doch zum einen weigern sich einige Hersteller dies zu unterstützen, zum anderen wird Android 8.0 Oreo für Treble vorausgesetzt. Zur Erinnerung, derzeit läuft Oreo nur auf rund 1,1 Prozent der Android-Geräte.

Während Google also zwar Fortschritte für die Sicherheit und Update-Problematik macht, gibt es weiterhin Millionen von alten Geräten, die vermutlich niemals ein Softwareupdate von Google oder dem Hersteller erhalten werden. Erst mit zunehmenden Alter dürften diese ausgemustert und hoffentlich durch Geräte ersetzt werden, die dann auch in Zukunft Updates erhalten.

Quelle: CNet, Android Security 2017 Year in Review (PDF)

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