Schluss mit der Gratis-Kultur: Wir müssen für Android-Updates endlich zahlen!

Kaan Gürayer 34

Manchmal tut die Wahrheit so weh wie ein harter Schlag in die Nieren – aber den Kopf in den Sand zu stecken hat noch nie geholfen. Um das langjährige Update-Problem von Android zu lösen, gibt es nur eine Möglichkeit: Wir müssen für Android-Updates endlich zahlen! Ein Kommentar von Kaan Gürayer.

Schluss mit der Gratis-Kultur: Wir müssen für Android-Updates endlich zahlen!
Bildquelle: Flickr/Kham Tran (CC BY 2.0).

Stellen wir uns für einen Augenblick einen Tischler vor. Mit höchster Handwerkskunst zimmert er einen wunderschönen Esstisch: Tischplatte aus geölter Massivholz-Eiche, auf Hochglanz polierte Edelstahlbeine und bei Bedarf sogar ausziehbar für bis zu 14 Personen. Für dieses Möbelstück, das in unzähligen Arbeitsstunden von einer Idee zu einem Esstisch gereift ist, verlangt der Handwerker 899 Euro – und findet prompt einen glücklichen Kunden.

Nach ungefähr einem Dreiviertel Jahr fällt dem Käufer zufällig im Baumarkt auf, dass es jetzt verbesserte Scharniere gibt. Damit würde die Ausziehfunktionen des Esstisches noch bequemer funktionieren. Kurze Zeit später klopft der Tischbesitzer wütend an der Haustür des Tischlers und verlangt, dass der Esstisch sofort mit den neuen Scharnieren ausgestattet wird – kostenlos, versteht sich.

Wer in seinem Leben nur einen einzigen Tag hart gearbeitet hat, dürfte wohl spontan Sympathie für den Handwerker empfinden. Auf der anderen Seite zeigt der Käufer eine mehr als fragwürdige Gratis-Mentalität, die fast schon ans Unverschämte grenzt.

Bloß: Wenn wir so eindeutig Partei für den Tischler ergreifen – wie zur Hölle kommen wir dann auf die Idee, dass uns Samsung, Huawei oder andere Hersteller kostenlose Android-Updates schulden?

Kostenlose Software-Updates gab es nicht immer

Ein Galaxy S8, um nur ein Beispiel zu geben, ist mit Android 7 Nougat auf den Markt gekommen. Wer sich Anfang 2017 für Samsungs Flaggschiff-Smartphone entschieden hat, tat dies auf Basis der beworbenen Hard- und Software-Features – und die haben sich auch nicht geändert, nachdem von Google Android Oreo veröffentlicht wurde. Das Smartphone ist nicht über Nacht schlechter geworden, weil eine neue Android-Version verfügbar ist.

Ältere Semester werden sich vielleicht noch daran erinnern: Vor nur wenigen Jahren war es noch völlig selbstverständlich, dass man für eine neue Betriebssystem-Version auch Kohle auf den Tisch legen musste. Wer 2012 von Windows 7 auf Windows 8 wechseln wollte, musste – im günstigsten Fall – 29,99 Euro bezahlen. Ohne Upgrade-Rabatte verlangte Microsoft ein Jahr später stolze 119,19 Euro!

Android-Updates sind mit großen Kosten verbunden

Zugegeben: Während Microsoft Windows 8 selbst entwickelt hat, übernimmt im Android-Sektor Google diese Arbeit und stellt das Betriebssystem in jeder neuen Version als Open-Source-Produkt kostenlos zum Download bereit. Das bedeutet im Umkehrschluss aber noch lange nicht, dass Android-Updates Smartphone- und Tablet-Herstellern keine Kosten verursachen: Zuerst muss die Software an die eigenen Geräte angepasst, dann folgen interne und externe Tests, Überprüfungen bei Mobilfunkanbietern und viele weitere kleine Schritte, die mit enorm viel Zeit und damit Geld verbunden sind. Ihr arbeitet nicht umsonst, weshalb sollte es ein Software-Entwickler bei Samsung tun?

Dass uns Samsung, Huawei und Co. mit kostenlosen Android-Updates versorgen, ist also ein Gefallen – kein Recht!

Auch wenn es sich anders anhört: Ich bin kein Lobbyist der Android-Industrie oder bezahle liebend gerne mehr Geld, als ich eigentlich müsste. Weshalb ich aber trotzdem glaube, dass Android-Updates in Zukunft kostenpflichtig sein sollten, erfahrt ihr auf Seite 2

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