Matias Duarte: Android-Design-Chef über Android Wear, Flat Design und den „Death of Mobile“

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Es sind schon einige spannende Aussagen, die Matias Duarte im Interview mit dem Chefredakteur von The Verge trifft. Bekannt als der Designer, der unter anderem Android mit der Holo UI eine völlig neue Philosophie eingehaucht hat, spricht Duarte plötzlich vom „death of mobile“ – wortwörtlich also, dass „mobil“ tot ist. Damit meint er allerdings weniger Smartphones oder Tablets an sich, sondern vielmehr die Gestaltung des Design-Prozesses. Auch über Android Wear hat Duarte einiges zu sagen und bekräftigt Googles Fokus auf Design.

Matias Duarte: Android-Design-Chef über Android Wear, Flat Design und den „Death of Mobile“

Das Interview zwischen Josh Topolsky und Matias Duarte fand im Zuge eines Fireside Chat auf der Accel Design-Konferenz statt und hatte entsprechend vorrangig die Bedeutung und praktische Ausführung von Design im Fokus. So sprach Duarte darüber, dass Design für ihn ein andauernder Prozess sei und erläuterte die Arbeitsweise von Google bei der Entwicklung der Benutzeroberfläche. Hierbei sprach er auch über den Fehler, den die gegenwärtige Software-Entwicklung mache, nämlich Software für bestimmte Geräteklassen und nicht für die Nutzer an sich zu entwickeln. Auch Google selbst habe lange Zeit diesen Weg verfolgt, was sich in Zukunft allerdings drastisch ändern soll - überhaupt soll Design für das Unternehmen zukünftig viel stärker in den Vordergrund treten. Duartes Meinung nach wird die UI-Entwicklung der Zukunft sich nicht mehr an bestimmten Formfaktoren, etwa 5-Zoll-Geräten, Tablets oder Computern orientieren, sondern vorrangig den Komfort der Nutzer im Auge haben.

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Diese neue Designphilosophie passt natürlich zu den kürzlich geleakten Informationen zu Project Hera. Trotz der unterschiedlichen Hardware soll es künftig möglich sein, mit einer einzigen Benutzeroberfläche gleich eine Vielzahl von Geräteklassen bedienen zu können. In diesem Kontext ist auch die drastische Aussage vom „death of mobile“, welche Topolsky Duarte scherzhaft entlocken konnte, zu verstehen: Die Entwicklung der Android-Oberfläche wird zukünftig nicht mehr an bestimmte Gerätegrößen gebunden sein, sondern plattformübergreifend auf verschiedener Hardware stattfinden.

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Dazu zählen neben Smartphones, Tablets und Computer natürlich auch Smartwatches und andere Wearable Devices – ab Minute 25 enthüllt Duarte zur Verblüffung des Publikums, dass er just während des Interviews eine Smartwatch mit Android Wear trage, weigert sich allerdings, nähere Auskünfte über das Gerät unter seinem Ärmel zu geben. Stattdessen beharrt Duarte weiterhin stur darauf, über den Gestaltungsprozess von Android Wear zu sprechen und nachdem Topolsky das Lederarmband der Smartwatch und schließlich gar die zu erwartende Akkulaufzeit von Android Wear anspricht – und Duartes Geduld damit wohl etwas überstrapazierte –, betonte Duarte nochmals, dass Google aktuell nicht über Spezifikationen und Hardware-Features sprechen wolle.

Android-Wear-Screenshot-Smartwatch-Google

Stattdessen erläutert Googles Design-Chef die Herangehensweise und Ziele von Google bei der Entwicklung von Android Wear. Man wollte die Interaktion mit der digitalen Welt erleichtern und zeitgleich die soziale Interaktion zwischen Menschen fördern. Anstatt jedes Mal das Smartphone zum Blick auf Benachrichtigungen zu zücken und sich somit von der Außenwelt zu distanzieren, soll der schnelle Blick auf die Smartwatch Abhilfe schaffen und mehr Zeit für die wichtigen Dinge im echten Leben lassen. Eine Smartphone-Oberfläche auf Wearable-Größe zusammenschrumpfen lassen wollte Google daher auf keinen Fall - Ziel von Android Wear ist es nicht, einen Smartphone-Ersatz am Handgelenk zu haben, sondern ein nützliches Hilfsgerät, welches einem den ständigen Blick auf das Smartphone erspart.

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Zu guter Letzt gibt Matias Duarte noch einen Ausblick auf die kommenden Veränderungen im Design von Android, welche kürzlich in Form eines geleakten Screenshots mit den Icons des Moonshine-Updates sowie der neuen Google-Kalender-Applikation Timely und Gmail-Applikation aufgetaucht sind. Tatsächlich haben die Entwickler hierbei den aktuellen Flat Design-Trend im Blick, allerdings betonte Duarte, dass man nicht in einen zu starken Minimalismus verfallen wolle und auch dem anderen Extrem des Skeuomorphismus, also der Verwendung von Texturen und Merkmalen echter Gegenstände im Software-Design ohne praktischen Nutzen, wolle man nicht anheimfallen.

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Laut Duarte geht es Google nicht darum, einem bestimmten Stil zu folgen, sondern die Identität als Marke stärker auszubauen. Die bisherigen Holo-Icons seien ihm zu identitätslos, ganz anders als zum Beispiel bei iOS7 oder Windows Phone, wo die Icons im Prinzip die Design-Philosophie der gesamten Oberfläche wiedergeben. Das soll in Zukunft auch bei Android der Fall sein - trotz der Gefahr, dass sich viele Nutzer möglicherweise eher an dem neutralen Icon-Design erfreuen.

Was haltet ihr von Duartes aussagen? Wohin wird die Entwicklung der Android-Oberfläche in Zukunft tendieren? Könnt ihr euch für das bisher geleakte Android-Design erwärmen oder welche Design-Richtung passt eurer Meinung nach am besten zu dem Betriebssystem? Eure Meinung wie immer unten in die Kommentare.

Quelle: The Verge, Susan Lin [via Android Police]

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