Programmvorschau

Matthias Eckardt

Die Software, die man nach der Installation von Snow Leopard vorfindet, deckt so ziemlich alle Einsatzfelder ab, um mit dem Mac sofort loslegen zu könne.

Der beste Weg, um sich mit einer neuen Umgebung vertraut zu machen, ist, sie ohne Furcht zu erforschen und alle Programme im Dock einmal der Reihe nach zu starten. Möchte man mehr Programme im Dock platzieren, genügt es, im Finder links in der hellblau hinterlegten Seitenleiste unter Orte auf Programme zu klicken. Alternativ erreichen Sie den Programme-Ordner auch über das Menü Gehe zu des Finders oder rechts im Dock hinter der Trennlinie, die aussieht wie ein schmaler Zebrastreifen. Im Gegensatz zu früheren Installationen haben die Programme deutlich abgespeckt. Mail, das früher über 200 MByte auf der Platte belegte, steht nun bei mageren 80 MByte. Das liegt daran, dass die Programme nur noch als Intel-Version vorliegen und nicht mehr als Universal Binary – sowohl für die PowerPC- als auch die Intel-Architektur. Außerdem verwendet Apple jetzt eine Kompressionsmethode für Binärcode, die aber vom Anwender nicht wahrzunehmen ist. Alle Programme werden jetzt vor der Ausführung blitzschnell entpackt.  Aus dem Internet geladene Programme landen zunächst im Ordner Downloads. Falls kein Installationsprogramm dabei ist, genügt es, neue Software im Ordner Programme abzulegen. Für viele Programme ist es sogar zwingend erforderlich, dass sie in diesem Ordner liegen, sonst sind automatische Updates nicht möglich. Auf jedem neuen Mac findet man darüber hinaus das Programmpaket iLife, bestehend aus iPhoto, iMovie, GarageBand und iDVD, auf das wir hier aber nicht näher eingehen. Über das Dock erreichen Sie nach der Neueinrichtung des Systems von links nach rechts folgende Programme, die wir hier vorstellen:

Finder
Der Finder ist die grafische Schnittstelle von Mac OS X, um mit Dateien und Ordnern zu arbeiten. Hier werden Verbindungen zu Server- und Rechnerfreigaben aufgebaut; hier navigiert man zu Ordern und Dateien. Ordner und Dateien werden gesucht, gefunden, kopiert, verschoben oder gebrannt. Ein Klick auf das Finder-Symbol bringt alle Finder-Fenster in den Vordergrund oder öffnet ein neues. Ein Rechtsklick auf sein Dock-Symbol stellt einige nützliche Finder-Befehle zur Verfügung, die man sonst nur über die Menüleiste erreicht.

Dashboard
Dies ist kein Programm im eigentlichen Sinne. Ein Doppelklick startet Apples Umgebung, um Widgets (Miniprogramme, die Informationen anzeigen) darzustellen. Standardmäßig erreicht man diese Funktion auch über respektive auf allen neueren Apple-Tastaturen.

Mail
Das Mail-Programm von Apple beherrscht in Snow Leopard erstmals auch die Anbindung an Exchange-Server auf Basis von Exchange 2007 mit SP1, die man häufig in größeren Firmen antrifft. Anfragen an ältere Exchange-Server werden mit einer Fehlermeldung quittiert. Die Exchange-Konnektivität ist eine der wenigen augenfälligen Neuerungen von Mac OS X 10.6. Man gibt die E-Mail-Adresse des Firmen-Accounts ein und der Rest geschieht über Auto-Konfigura­tion. Anschließend hat man neben seinen E-Mails auch Zugriff auf den Kalender in iCal und auf Exchange-Kontakte im Adressbuch.

Safari

Safari ist der vorinstallierte Browser, um im Word Wide Web zu surfen. Unter Snow Leopard ist eine Sandbox-Funktion hinzugekommen, die bei abgestürzten Internet-Plug-ins nicht gleich den ganzen Browser abstürzen lässt. Sollte also einmal eine Website mit Flash-Content abgestürzt sein, laden Sie die URL einfach über den Aktuelle ­Seite neu laden-Pfeil rechts in der Adressleiste neu, um auch das Plug-in neu zu starten. In den meis­ten Fällen funktioniert nach dieser Maßnahme auch die Darstellung der Flash-Animationen. Durch 64-Bit-Technik wird Javascript unter Snow Leopard nochmals um bis zu 50 Prozent schneller ausgeführt als unter dem Vorgängerbetriebssystem. Neben Stabilität wurde bei Safari viel Wert auf Konformität mit Web-Standards gelegt. Safari 4.0 ist bisher der einzige Browser, der den Acid3-Benchmark-Test mit dem maximalen Wert von 100 Punkten besteht.

iChat
Wer iChat für Videokonferenzen verwendet, wird sich darüber freuen, dass die aktuelle Version beim Chat jetzt eine Videoauflösung von bis zu 640×480 Pixel unterstützt. Diese Auflösung gilt auch für das Screen-Sharing via iChat Theater. Dabei wurde die benötigte Upstream-Bandbreite weiter gesenkt und liegt nun bei 300 kBit/s. Oft konnten iChat-Anwender in der Vergangenheit die Firewall nicht überwinden. Diese Probleme mit Routern wurden beseitigt und man setzt jetzt auf AOL-Relay-Server – ähnlich der von Skype verwendeten Technologie.

Adressbuch
Sein Adressbuch sollte man hegen und pflegen, sonst ist keine vernünftige Kommunikation per E-Mail oder iPhone möglich. Das Programm beherrscht nun eine Synchronisation der Kontakte mit Google und Yahoo, ohne ein iPhone oder einen iPod touch besitzen zu müssen.

iCal
Auch iCal ist in Version 4.0 schlauer geworden. Das betrifft nicht nur die Integration mit Exchange Server 2007. Um Kalender aus Google oder Yahoo

importieren, editieren und synchronisieren zu können, benötigte man bislang eine Sync-Software von Drittherstellern. Das funktioniert ab sofort von Haus aus.

Vorschau
Dieses Programm ist sowohl Bildbetrachter, Bildbearbeiter als auch PDF-Browser und PDF-Kommentierer. Wer bisher nur Acrobat kannte, wird von der Schnelligkeit von Vorschau im Umgang mit PDFs überrascht sein. Vorschau hat in Snow Leopard einige Neuerungen in petto. Hinzugekommen ist die Unterstützung für das Format Microsoft-Symbol (sprich Windows-Icons) und die Fähigkeit, Softproofs mit Farbprofil am Bildschirm zu betrachten. Das Programm kann dank 64 Bit die Dateien

jetzt noch schneller öffnen und PDFs schneller durchsuchen. Es können mehrere PDFs in einem Fenster geöffnet werden, um sie so auf einmal zu durchsuchen. Die neue Anmerkungs-Werkzeugleiste erscheint nach Klick auf das Anmerken-Werkzeug in der Statuszeile. Lädt man mehrere Bilder auf einmal, steht jetzt auch eine skalierbare Kontaktbogen-Ansicht zur Verfügung. Verworfene Bild- und Dokumentdateien können aus der Anwendung heraus in den Papierkorb des Finders bewegt werden. Außerdem hat das Programm jetzt eine intelligente Auswahlfunktion, die mehrspaltige PDFs erkennt. So lassen sich Texte spaltenweise in der richtigen Reihenfolge auswählen und kopieren.

iTunes
iTunes wird bereits seit Jahren auf jedem Mac vorinstalliert. Aktuell ist die Version 8.2.1. Die Software ist auch ohne iPod oder iPhone die erste Wahl, um digitale Musik auf dem Mac zu verwalten und abzuspielen. Außerdem lassen sich Podcasts, Hörbücher, Filme, TV-Serien und Musikvideos im iTunes Store abonnieren oder kaufen und wiedergeben.

Photo Booth
Dieses Programm ist als Fun-Software zu bezeichnen. Neben normalen Fotos lassen sich auch mit Effekten verzerrte Aufnahmen oder Clips vor einer animierten Hintergrundkulisse aufzeichnen, was bei Groß und Klein zumeist für viel Spaß sorgt. Die fertigen Schnappschüsse sind auch als Account-Foto oder in den iChat-Kontakt-informationen verwendbar.

Time Machine
Mit Doppelklick auf das Docksymbol wird das Suchfenster von Time Machine aufgerufen. Damit können Sie ältere Dateien in Ihrem Backup finden und wiederherstellen. Konfiguriert wird der auto­matische Backup-Dienst in den Systemeinstellungen.

Systemeinstellungen
Wenn es etwas einzustellen gibt, dann sollte man zuerst in die Systemeinstellungen schauen. Wohl kaum jemand ist mit den Voreinstellungen, die Apple ab Werk ausliefert, zufrieden. So muss man zum Beispiel die rechte Maustaste für jeden neuen Benutzer zunächst einmal aktivieren. Denn Apples Mighty Mouse setzt standardmäßig bei Links- und Rechtsklick die primäre Maustaste ein. Kennt man sich am Mac noch nicht perfekt aus, dann ist das Suchfeld eine große Hilfe. Geben Sie dort Firewall ein, dann wird die betreffende Einstellung Sicherheit hervorgehoben. Sucht man nach drahtlos, fallen sogar drei Systemeinstellungen in die engere Wahl.

Im Programme-Ordner finden
Sie weiterhin:

Automator
Mit diesem Programm erstellt man aus vorgefertigten Aktionen nach dem Baukastenprinzip Arbeitsabläufe, die sich wiederholende Aufgaben automatisch ausführen. Diese lassen sich dann als Programm oder Plug-in abspeichern und immer dann ausführen, wenn jene Aufgabe bewerkstelligt werden soll. Automator 3 hat ein überholtes Interface. Neu ist die Möglichkeit, Dienste für das Dienstemenü zu erstellen. Automator eignet sich insbesondere für Nichtprogrammierer, die sich von ihrem Mac Arbeit abnehmen lassen wollen.

Chess
Das Schach-Programm ist schon seit jeher Bestandteil von Mac OS X, hat aber bis heute keine Übersetzung der Menüs erfahren. Stellt man die Schwierigkeitsstufe höher ein, dann dauert es einige Zeit, bis sich der Mac mit seinem Zug zurückmeldet; er ist damit nahezu unbesiegbar.

Digitale Bilder
Das Programm eignet sich für den Import von Fotos aus SD-Karten, angeschlossenen Kameras und Freigaben im Netzwerk. Außerdem steht hiermit eine einfache Scan-Software für TWAIN-Scanner zur Verfügung. Wer erreichen möchte, dass neue Bilder beim Anschluss des Geräts immer automatisch geladen werden, wählt per Rechtsklick im Kontextmenü der Kamera die in Snow Leopard neue Option Anschließen von Gerät öffnet · AutoImporter aus. Beim nächsten Mal landen die selbstständig geladenen Bilder im Benutzerordner unter Bilder im separaten Verzeichnis AutoImporter. Digitale Bilder lässt sich auch leicht mit Automator automatisieren.

DVD-Player
Mit diesem Programm kann man selbst erstellte oder handelsübliche DVDs auf dem Mac wiedergeben. Über das Menü Fenster erreicht man wenig bekannte Funktionen wie Zoomen. Damit lassen sich die lästigen schwarzen Balken ausblenden, indem der Film hochskaliert wird. Darunter findet man im Menü noch eine Farbanpassung und einen Equalizer. Die Versionsnummer hat sich zwar geringfügig auf 5.2 erhöht, allerdings ist DVD-Player noch immer nicht in der Lage, Blu-ray Discs abzuspielen.

Front Row
Dieses Programm bildet die Menüs und Funktionalität von Apple TV auf dem Mac nach. Eigene Fotos (aus iPhoto/Aperture als Diashow), Musik, Filme, TV-Sendungen, Musikvideos und Podcasts aus iTunes können im Zusammenspiel mit einer Apple Remote bequem vom Sessel aus oder per Tastensteuerung am Mac oder per HDMI angeschlossenen Fernseher wiedergegeben werden.

iSync
iSync wird benötigt, wenn man Kontakt- und Kalenderdaten mit einem per Bluetooth oder USB anschließ-
baren Mobiltelefon synchronisieren möchte. Sehr gut klappt das mit Sony-Ericsson-Geräten.

Lexikon
Das Programm stellt auf Deutsch nur eine Schnittstelle zu Wikipedia und ein Apple-Lexikon zur Verfügung. Weitere Wörterbücher sind ein einsprachiges englisches Lexikon (New Oxford American Dictionary) und ein englischer Thesaurus. Wer Deutsch-Englisch übersetzen möchte oder einen deutschen Thesaurus benötigt, erhält diese nützlichen Lexikon Plug-ins kostenlos als Open Source. Info und Download: www.tekl.de

Notizzettel
Statt den Arbeitsplatz mit echten Post-its zu dekorieren, schreibt man mit diesem Programm Notizen auf dem Bildschirm. Sie können die Notizen platzsparend auf den Titelbalken minimieren und die Fenstergröße beliebig anpassen. Notizen können Bilder und Texte erhalten. Wenn Sie zum Beispiel interessante Passagen aus einer Website extrahieren möchten, ohne die ganze Seite zu sichern, dann markieren Sie den Inhalt in Safari, und im Anschluss können Sie im ­Menü Safari · Dienste · Neue Notiz wählen.

QuickTime Player
QuickTime ist die maßgebliche Schnittstelle von Mac OS X, um Filme, Bilder und Audio wiederzugeben. Videos oder Audiodokumente erscheinen per Doppelklick auf die Datei auf diesem ­Player. Das neue QuickTime X beherrscht zwar weniger Formate beim Export, doch hat es auch Funktionen, die in früheren Versionen von Mac OS X mit QuickTime Pro kostenpflichtig waren. So kann man Audio- und Videoaufnahmen ­direkt aus QuickTime heraus starten. Außerdem ist es möglich, den kompletten Bildschirminhalt als hochauflösendes Video mit Sprache aufzuzeichnen. QuickTime X besitzt eine rudimentäre Schnittfunktion, um Videos für das Hochladen an ein Apple-Gerät, MobileMe oder YouTube zu trimmen. Hatte man ­zuvor QuickTime 7 Pro registriert, findet man nach der ­Systemaktualisierung auf Snow Leopard beide Versionen auf dem Mac vor.

Rechner
Beim ersten Start wirkt Apples Taschenrechner eher schlicht und beherrscht nur die Grundrechenarten. Klickt man in der Titelleiste auf den grünen Button zum Vergrößern, wird der Rechner zum Hilfsmittel für Programmierer mit Binär-, Oktal- und Hexalfunktionen. Nach einem weiteren Klick erscheinen 24 Tasten mit mathematischen Funktionen. Zudem findet man in den Menüs unter Umrechnungen einen Währungsrechner, der die aktuellen Kurse aus dem Internet lädt. Weitere Umrechnungen decken Länge, Fläche oder Temperatur ab. Nachdem man eine Umrechnung ausgewählt hat, gibt man einen Wert im Rechner ein und wählt zur Umrechnung den Menüpunkt Benutzte Umrechnungen.

Schriftsammlung
In der Schriftsammlung erscheinen alle auf dem Mac installierten Schriften. Die Zeichensätze können als Schriftmuster dargestellt werden oder Sie tippen selbst einen Beispieltext. Ferner lässt sich bei Systemproblemen mit diesem Programm feststellen, ob eine Schrift defekt ist. Beschädigte Schriften sollte man löschen und neu installieren. Außerdem lassen sich doppelte Schriften aufspüren und die Duplikate deaktivieren. Um Schriften zu verwalten, kann man sich als Grafiker für verschiedene Projekte Schriftgruppen (Sammlung) erstellen und diese bei Bedarf aktivieren und deaktivieren. Wichtig ist dies dann, wenn unterschiedliche Kunden eines Grafikers Schriften gleichen Namens verwenden, diese aber intern Unterschiede in der Darstellung und Laufweite haben. Außerdem sollten ohnehin nie zu viele Schriften aktiv sein, damit man sich nicht durch endlos lange Schriftenmenüs quälen muss, sondern flott am Mac arbeiten kann.

TextEdit
Der mitgelieferte Editor von Mac OS X dient nicht als vollwertige Textverarbeitung. Dennoch kann man – ohne die Software zu besitzen – Word-2008-Dokumente öffnen, bearbeiten und speichern. Außerdem lassen sich Listen und Tabellen erstellen und in das Textdokument einbetten. Ebenso können Sie gespeicherten HTML-Code ohne Formatierung laden, editieren und dann beim nächsten Öffnen die Web-Ansicht betrachten. me

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