Das beste Apple-Feature seit Jahren befindet sich in Safari

Stefan Bubeck 9

Als leidenschaftlicher Apple-Nutzer habe ich mich in den letzten Wochen – wie viele andere Beobachter auch – von den neuen iPhones blenden lassen: Die besten Kameras! Die besten Displays! Die schnellsten Chips! Da hätte ich beinahe vergessen, was mich bereits im Juni bei der WWDC 2018 noch viel mehr begeistert hat, als die ganze neue Hardware.

Das beste Apple-Feature seit Jahren befindet sich in Safari

Vergiss tolle Kameras, brillante Displays und noch mehr Speicher – das wahrscheinlich beste neue Feature im Apple-Universum ist seit iOS 12 und macOS Mojave in Safari eingebaut – schade, dass es kaum jemand weiß. Es geht um das unterschätzte Thema Datenschutz.

Datenschutz ist ein Menschenrecht

Das Unternehmen Apple betont gerne die eigene Überzeugung, dass Datenschutz ein grundlegendes Menschenrecht sei. Wer sich hier auskennt, weiß natürlich, dass dies ohnehin der Fall ist – so ist das Thema Datenschutz Teil zahlreicher Verordnungen und Gesetze innerhalb der EU (PDF). Apple pflichtet also nur einer Idee bei, die längst juristisch verankert ist.

Trotzdem ist der Konzern aus Cupertino nachweislich stärker als seine Mitbewerber darum bemüht, diese Idee auch in die Praxis umzusetzen. Wo andere sehr viel Geld mit personenbezogenen Daten verdienen, geht Apple den entgegengesetzten Weg und verhindert das Sammeln und die Verwendung solcher Informationen mit aller Kraft. Wer sich , bezahlt den Datenschutz gleich mit – und das hat nun mal seinen Preis.

Safari erschwert Fingerprinting

So hatte mich bei der Apple-Präsentation der WWWDC 2018 vor allem ein Punkt besonders begeistern können: Der Browser Safari schützt die Privatsphäre seiner Nutzer noch stärker als zuvor. Schon in iOS 11 und macOS High Sierra wurde eine “intelligente Tracking-Verhinderung“ eingebaut, die Werbeanbietern das Verfolgen schwer macht. Mit iOS 12 und macOS Mojave geht es einen Schritt weiter, nun wird das sogenannte Browser-Fingerprinting direkt in Safari bekämpft.

Kurz zum Hintergrund: Ein Browser übermittelt einige Informationen wie das verwendete Betriebssystem, die Zeitzone, Schriftarten, die Auflösung, Fenstergröße und natürlich auch den Namen des Browsers selbst an die Webseiten, die besucht werden. So lassen sich – ganz ohne Cookies – individuelle Profile („Fingerabdrücke“) erstellen, mit denen ein Nutzer mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wiedererkannt und somit verfolgt werden kann. Das funktioniert mit Desktop-Rechnern, Laptops, Smartphones, Tablets – man kann es nicht ohne Weiteres unterbinden. Dazu braucht man Vorwissen und technische Kenntnisse, die Laien nicht haben.

Der von Safari angewandte „Trick“ ist recht simpel: Nach außen hin sehen alle Safari-Nutzer fast gleich aus, denn es wird stets nur ein „vereinfachtes Systemprofil“ geteilt. So werden etwa nur Systemschriften übermittelt, die nicht dazu ausreichen, einen Nutzer individuell aus der Masse hervorstechen zu lassen – wo keine besonderen Merkmale vorliegen, lässt sich praktisch kein Fingerprint mehr erstellen.

Neben Fingerprinting geht es beim neuen Safari auch Social Media-Buttons („Gefällt mir“) an den Kragen, diese werden automatisch blockiert. Wer sie nutzen will, muss dies aktiv zulassen (Opt-In).

Apple weiß, was für dich gut ist?

Apple ist bekannt dafür, tiefgreifende Entscheidungen für seine Kunden zu treffen – dafür gibt’s immer wieder (berechtigte) Kritik, besonders wenn ein geliebtes Hardware-Feature gestrichen wird. „Apple weiß nun mal , was gut für dich ist …“ spötteln dann so einige Beobachter. Auch ich rege mich hin und wieder über die Bevormundung aus Cupertino und fehlende Optionen auf.

In diesem Fall ist Apples eingeschlagener Weg aber fraglos der einzig richtige. Politik und IT-Industrie sollten nämlich nicht davon ausgehen, der Nutzer würde sich schon selbst um Datenschutz und Privatsphäre kümmern. Natürlich nutzen einige von uns schon längst Firefox mit entsprechenden Plugins oder wissen, wie ein VPN funktioniert – aber Otto Normalverbraucher ist damit nicht geholfen.

Es ist die Aufgabe der Tech-Unternehmen, dieses Menschenrecht für uns sicherzustellen. Ohne komplizierte Einstellungen, ohne Browser-Erweiterungen und ohne erforderliches Vorwissen. So wie im aktuellen Safari.

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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