Android-Apps auf Chrome OS: Googles Kriegserklärung an Microsoft und Apple

Kaan Gürayer 43

Die gestrige Ankündigung, Android-Apps auch auf Chrome OS zu bringen, ist nicht weniger als eine Kriegserklärung an Microsoft und Apple. Wieso sich Windows und OS X in Zukunft warm anziehen müssen. 

Android-Apps auf Chrome OS: Googles Kriegserklärung an Microsoft und Apple

Seit mehr als 20 Jahren dominiert Microsoft den Markt der Home-Computer. Spätestens seit der Vorstellung von Windows 95 haben sich die Redmonder einen dermaßen festen Platz auf den PCs und Notebooks dieser Welt erobert, dass für viele Konsumenten die Markennamen „Microsoft“ und „Windows“ gleichbedeutend mit der Computerwelt im Allgemeinen sind. Wie einst aber die CD von der MP3 verdrängt wurde, so schwindet langsam auch Microsofts Desktop- und Notebook-Herrschaft angesichts des Umschwungs auf mobile Geräte wie Smartphones und Tablets. Doch nicht Apple rüttelt am Thron des Softwareherstellers, wenngleich sich auch Cupertino in Acht nehmen muss, sondern Google.

Im Mobil-Sektor ist Microsoft trotz aller Anstrengungen noch immer ein Zwerg. Der Marktanteil von Windows Phone ist im niedrigen einstelligen Bereich und der Nachfolger, Windows 10 Mobile, kann aufgrund diverser Bugs und Probleme selbst mit gutem Willen allerhöchstens als frühe Beta bezeichnet werden. Auf der anderen Seite Android: Fast 9 von 10 Smartphones weltweit laufen auf dem mobilen Betriebssystem aus dem Hause Google. Trotz der schmählichen Position auf dem Smartphone-Markt hatte Microsoft bislang aber trotzdem gut lachen – immerhin verkauft sich Windows weiterhin wie geschnitten Brot und treibt mehr als 80 Prozent aller Desktop-Rechner- und Notebooks an. Das allerdings könnte sich bald ändern – der Hauptschuldige: Chrome OS.

Verächtliche Vorurteile

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Chrome OS ist gut fünf Jahre alt, der große Erfolg blieb für das browser-basierte Betriebssystem bislang aber aus. Lediglich die auf Chrome OS basierenden Chromebooks erfuhren in den USA aufgrund ihrer einfachen Wartung und des günstigen Preises im Bildungssektor großen Zulauf. Der Grund für den mäßigen Erfolg außerhalb von Bildungseinrichtungen ist in der Psyche der durchschnittlichen Nutzer zu finden. Trotz der Tatsache, dass sich Chromebooks aufgrund von modernen Web-Technologien in vielen Szenarien auch offline nutzen lassen, treffen die Geräte noch immer auf ein gewisses Misstrauen. Verächtliche Vorurteile à la „Ohne Internet sind Chromebooks doch nur teure Türstopper“ beherrschen immer noch das Vorstellungsvermögen vieler Nutzer. Genau hier setzt Google mit der Ankündigung an, Android-Apps auf Chrome OS zu bringen.

Mit einem Schlag haben Chromebooks damit Zugang zu Millionen von Android-Apps und damit Anwendungen, die auch offline funktionieren. Von der mobilen Version von Photoshop über Office-Apps bis hin zu grafisch aufwändigen Spielen wie Real Racing oder Klassiker der GTA-Serie. Vor allem können sich Chromebooks damit aber vom Label befreien, dass sie ohne Internetzugang nutzlos seien – immerhin werden Android-Apps klassisch auf dem Gerätespeicher installiert und laufen in aller Regel ohne bestehende Verbindung zum Web.

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Durchschnitts-Nutzer benutzen keine CAD-Programme

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Natürlich werden jetzt einige Leser die Nase rümpfen und darauf verweisen, dass ihr CAD-Programm, ihr Videoschnitt-Studio oder ihre Entwicklungsumgebung nur für Windows verfügbar ist – geschenkt. Aber seien wir doch mal ehrlich: das sind nur Sonderfälle. Der durchschnittliche Computer-Nutzer erstellt keine 3D-Modelle, schneidet keine 4K-Videos zusammen und programmiert auch nicht. Er surft im Web, hört Musik und schreibt hin und wieder einen Brief. Zwar lassen sich diese Aufgaben bereits heute schon mit Apps und einer angeschlossenen Bluetooth-Tastatur erledigen – wirklich komfortabel ist das aber alles nicht. Wer markiert denn schon gerne ganze Absätze mit seinen Fingern oder versucht, nur mit einem Tap Werte in eine Excel-Tabelle einzufügen? Hier bedarf es eines Systems, das bereits im Kern auf den Input via Maus und Tastatur ausgelegt ist – wie Chrome OS, das Windows in den nächsten Jahren wohl ordentlich Dampf unter dem Hintern machen wird.

Weint nun der Himmel über der Microsoft-Konzernzentrale, wird der Windows-Entwickler übermorgen Konkurs anmelden? Natürlich nicht. Im Unternehmensumfeld ist Windows aufgrund diverser Zwänge in Sachen Softwarekompatibilität nicht wegzudenken und auch Privatnutzer sind Gewohnheitstiere und verlassen nur sehr langsam bekannte Pfade. Zudem hat Microsoft mit der HoloLens, Office, der XBOX, Skype und vielen anderen Produkten neben dem klassischen Windows noch andere gewinnbringende Kühe im Stall.

Und Apple?

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Was Apple angeht, sieht die Sache hingegen etwas komplizierter aus. Durch das geschlossene Ökosystem und dem nahtlosen Zusammenspiel von iPhone, iPad und Mac, hält man in Cupertino einen Vorteil in der Hand, mit dem Microsoft nicht dienen kann. Abgesehen davon „lebt“ Apple vom Image, von der eigenen Marke – diesen Nimbus, auch wenn er durch die letzten Quartalszahlen etwas angekratzt wurde, konnte in dieser Weise bislang kein Hersteller kopieren. Aber auch Apple ist nicht vor der Gefahr der Chromebooks gefeit, denn die kleinen Kisten greifen den Hersteller in seinen eigentlichen Paradedisziplinen an: Einfache Bedienung und Sicherheit.

Wer glaubt, ein Mac sei leicht zu bedienen, hatte noch nie ein Chromebook in der Hand. Geht es um den Bedienkomfort schlagen Chromebooks Macs um Längen. Dasselbe gilt auch für die Sicherheit: Mac-Computer mögen sicherer als Windows-Rechner sein – im Vergleich zu Chrome OS, dem „Fort Knox“ der Betriebssysteme, ist OS X geradezu ein Einfallstor für Viren und andere Schädlinge.

Insgesamt wird Apple wohl weniger von der Chromebook-Gefahr betroffen sein als Microsoft, der ein oder andere Nutzer dürfte aber trotzdem auf das Google-OS wechseln. Dass sich Chromebooks kürzlich zum ersten Mal in der Geschichte besser als Macs verkauften und die Apple-Computer in den USA abhängen konnten, darf tatsächlich als erster Hinweis auf eine neue Ära verstanden werden.

Die Karten werden neu gemischt

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Sowohl für Microsoft als auch Apple gilt: Die Ankündigung Googles, Android-Apps auf Chromebooks zu bringen, mischt die Karten im Spiel der Desktop- und Notebook-Betriebssysteme neu. Der Nutzer darf sich freuen – denn Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft und wir können in Zukunft wohl mehr Innovationen und günstigere Preise erwarten.

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