„Du sollst keinen App-Store neben mir haben“, sprach der Play Store. Wie es scheint, plant die Cyanogen Inc. allerdings sich von alten Mustern zu emanzipieren und einen eigenen Distributionskanal für Anwendungen auf die Beine zu stellen. Im Rahmen eines Vortrages gibt der CEO eine eindeutige Marschrichtung vor: Ziel sei es, Android von Google zu befreien.

 

CyanogenMod

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Das vormalige Produkt einer eifrigen Community hat sich mittlerweile zu einem eigenständigen Unternehmen mit Plänen und Zielen weiterentwickelt. Während die Custom-ROM früher in der Regel lediglich dazu diente, der mitunter unschönen und vor allem veralteten Hersteller-Software zu entgehen, soll CyanogenMod künftig mehr darstellen, als nur ein alternatives Gewand.

Auf einem Android-Event des Magazins The Information in San Francisco sprach Kirk McMaster als CEO von Cyanogen Inc. über die schädigende Einflussnahme seitens Mountain View auf Android. „Wir versuchen Android von Google zu befreien“, ließ er wissen, „und wollen eine Version bereitstellen, die durchweg offen ist, sodass Partner ihre Dienste in das System integrieren können“. So sei es beispielsweise für Drittanbieter derzeit nicht möglich, etwas wie Google Now in Android einzubauen. Wenn es nach McMaster ginge, könnte etwa der Aviate-Launcher in das OS eingepflegt werden – sofern Yahoo sich als Partner zu Cyanogen bekennt.

Demzufolge sieht sich das Unternehmen in der Zukunft als Plattform für andere Softwareentwickler, die ihre Dienste tiefgreifend mit Android verzahnen wollen. Das sei jedoch nicht möglich, solange Google die Kontrolle über das mobile Betriebssystem habe. Darum will McMaster das CyanogenMod-ROM von dem Datenkonzern loslösen: „Heute noch ist Cyanogen von Google abhängig, morgen wird das nicht mehr der Fall sein.“ In „drei bis fünf Jahren“ soll das Custom-ROM nicht mehr auf einem Derivat aus Mountain View basieren, sondern eigene Dienste bereitstellen.

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Es braucht Alternativen zu Play Store und Co.

Dazu bedarf es zunächst aber Alternativen zu Play Store, Gmail, Maps und Co. – denn Google sorgt mithilfe seines „Mobile Application Distribution Agreements“ dafür, dass die zahlreichen eigenen Anwendungen stets vorinstalliert und mitunter prominent auf dem Homescreen platziert sein müssen. Andernfalls wird Herstellern die Lizenz für alle Google-Dienste entzogen. Darauf können nur wenige Unternehmen verzichten; zu den Ausnahmen gehören unter anderem Amazon oder Xiaomi.

Diese Hürde will Cyanogen McMaster zufolge elegant umschiffen, indem es enger mit Partnern zusammenarbeitet und alternative App-Stores unterstützt. In 18 Monaten soll CyanogenMod zudem über einen eigenen App-Store verfügen, der dem Play Store Konkurrenz machen soll. Im Moment ist man allerdings noch auf Google und seine Dienste angewiesen, setzt man doch aktuell bei der Software des OnePlus One und Smartphones von Micromax darauf. Es bleibt ferner fraglich, ob es Cyanogen gelingen wird, dieses ambitionierte Vorhaben, Android von Google loszueisen, durchzuziehen – schließlich gibt es zwar noch immer das Android Open Source Project, wird die Entwicklung am kommerziellen Betriebssystem jedoch zunehmend nach Mountain View verlagert und das OS enger mit den Diensten des Konzern verzahnt. Der Plan ist zudem nicht neu, schon vor rund drei Jahren sprach man von einem eigenen App-Store.

Quelle: The Information (hinter Bezahlschranke) via Android Authority