Gestern Abend gab das CyanogenMod-Team mit einem Paukenschlag bekannt, dass man sich als Firma unter dem Namen Cyanogen, Inc. formiert habe und, durch 7 Millionen US-Dollar Venture Capital gestützt, die Custom ROM mit 17 Vollzeit-Mitarbeitern auf eine neue Ebene hieven wolle. Passend dazu haben Koushik „Koush“ Dutta und Steve „Cyanogen“ Kondik in einem reddit-AMA (Ask me anything) viele Nutzerfragen beantwortet und einige interessante Einblicke gewährt. Wir fassen die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Über ein CyanogenMod-Phone

samsung-galaxy-s4-cyanogenmod

Da CyanogenMod eine Community-gepflegte Android-Variante ist und nun auch als Firma existiert, liegt der Gedanke nah, dass auch Hardware-Hersteller mit dem CM-Team kooperieren könnten und Geräte auf den Markt bringen, die CyanogenMod vorinstalliert haben. Laut Steve Kondik habe man bereits „mindestens“ eine OEM-Partnerschaft in Arbeit – eine Ankündigung dazu soll es bereits nächste Woche geben. Wir freuen uns darauf und tippen derweil auf OPPO als Hardware-Partner.

Bilderstrecke starten(15 Bilder)
Vorbild Android? Funktionen, auf die mein iPhone neidisch ist…

Über die GApps in CyanogenMod (und das Verhältnis zu Google)

Seit einem Jahren müssen die GApps für CyanogenMod aus rechtlichen Gründen stets separat installiert werden. Das könnte sich zukünftig ändern. Laut Steve Kondik ist man dabei, die Beziehungen zu Google zu verbessern. Einer der Berater und Board Member der Firma ist Tom Moss, der unter Andy Rubin im Android-Team für die Kooperationen mit Geräteherstellern zuständig war – man hofft, mit dessen Hilfe eine Einigung mit Google zu erzielen. Koush zufolge hat man diverse rechtliche technische Hürden auf diesem Weg bereits überwinden können, in einer anderen Antwort betont Koush, dass man hohen Wert auf die Google Apps lege und keinerlei Pläne hege, sich von den Google-Services abzunabeln.

Über die Monetarisierung

Auch wenn Cyanogen, Inc. durch Venture Capital in Höhe von 7 Millionen Dollar gestützt wird, ist noch kein konkretes Geschäftsmodell festgelegt. Mögliche Geldquellen wären laut Kondik Geräte-Lizenzierungen, Bezahl-Apps, Serviceleistungen und diverse weitere Optionen. Auch eine Non-Profit-Organization ist noch nicht vom Tisch. Derzeit konzentriert man sich aber darauf, ein Produkt zu entwickeln, das „fertig“ für den Massenmarkt ist. Ganz im Geiste der Startup-Kultur im Silicon Valley ergänzt Koush, dass man vor der Monetarisierung zunächst die Nutzerbasis weiter ausbauen und das Ökosystem erweitern wolle – in diesem Ansinnen werde man auch von den Investoren unterstützt. Einer davon, Mitch Lasky, erläutert seine Motive in einem separaten Blogposting.

Über Koushs Jobangebot von Google

In einer Randanekdote erzählt Koush, dass er sich nach seinem öffentlichen Rant gegen Chromecasts Streaming-Verstümmelung per Update zum Essen mit dem Chromecast-Team getroffen hatte. Dabei bot man ihm einen Job an, den er ausschlug. Versehentlich verriet er dabei aber auch, dass CyanogenMod eine Finanzierung erhalten habe.

Über den CyanogenMod-Installer

cm-installer

Nach der Kompatibilität des angekündigten Installers befragt, erklärt Steve Kondik, dass zunächst nur entsperrbare Geräte und Samsung-Devices mit ODIN-Support auf diese Weise CM erhalten können. Gesperrte Geräte und solche, die man nur mithilfe von Exploits modifizieren kann, sind ein anderes Thema. Auch wenn es technisch in vielen Fällen problemlos machbar wäre, muss man erst final klären, ob sich Cyanogen, Inc. damit nicht rechtlich auf dünnes Eis begebe. Koush erklärt, dass der Installer viele Aktionen (gemeint sind wohl das Entsperren des Bootloaders und die Installation eines Recovery-Moduls) automatisieren kann – das beherrsche man im Schlaf. In anderen Fällen wird der Nutzer zumindest an die Hand genommen.

Cyngn.com, Jobs bei Cyanogen, Inc. und Office-Fotos

Unabhängig vom reddit-AMA sind nun noch weitere Details durchgesickert, die für CM-Fans interessant sein könnten und hier zumindest genannt sein sollen.

So ist die Seite Cyngn.com jetzt online und präsentiert das Team mitsamt Kurzbeschreibungen der Mitglieder. Da Cyanogen aktiv weiteres Personal sucht, kann man über die Seite auch eine Bewerbung per E-Mail versenden. Dafür sollte man freilich in Kalifornien oder dem Bundesstaat Washington leben, denn in Seattle und Palo Alto liegen die zwei Büros von CM Inc. Wie diese aussehen, nämlich erfreulich unspektakulär, zeigen jede Menge Fotos, die nun auf Google+ veröffentlicht wurden.

Wie seht ihr die Professionalisierung der CyanogenMod? Wäre ein „offizielles“ CM-Phone für euch eine Option? Meinungen in die Kommentare.

Quelle: reddit IamA
Artikelbild oben: Cyngn.com

Open-Source vs. kommerzielle Software – was nutzt ihr?