CyanogenMod: Sieben Theorien zum mysteriösen Nemesis-Video

Frank Ritter

Am Wochenende postete das Team der CyanogenMod einen Teaser in ihren YouTube-Kanal, der Hinweise auf „etwas Neues“ gibt, das wir in Kürze von der Custom ROM erwarten könnten — und sich in den sozialen Netzwerken prompt wie ein Lauffeuer verbreitet. Leider sind die genannten Hinweise sehr kryptisch. Wir zeigen das Video und haben sieben Theorien, was es bedeuten könnte.

Zunächst das kurze Teaser-Video:

Hier noch einmal der Text:

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Vorbild Android? Funktionen, auf die mein iPhone neidisch ist…

Nothing can be perfect

Things can be better

The right person / pixel / look / path / spark / feeling / formula / tap / person / action / reaction / smile / word / music / [unlesbar]
at the right time

The right memories

A new challenger appears

A new nemesis appears

In der deutschen Übersetzung von uns:

Nichts ist perfekt

Dinge können besser sein

(Der, die, das) richtige Person / Pixel / Blick / Pfad / Funken / Gefühl / Formel / Tap / Person / Aktion / Reaktion / Lächeln / Wort / Musik / [unlesbar]
zum richtigen Zeitpunkt

Die richtigen Erinnerungen

Ein neuer Herausforderer erscheint

Eine neuer Erzfeind erscheint

So viel zu dem Video, das relativ viel Text, aber aus unserer Sicht wenig substanzielle Hinweise enthält — abgesehen von der Tatsache, dass das Wort „Person“ zweimal vorkommt und einer vagen popkulturellen Referenz. Wir haben ein wenig überlegt, was das rätselhafte Video bedeuten könnte und haben nicht weniger als sieben Theorien dazu gesammelt.

Theorie 1: Ein CyanogenMod-Phone

Geräte mit Stock-Android sieht man jüngst immer öfter, vor allem preiswertere Modelle aus China kommen zunehmend mit einer unmodifizierten Android-Variante daher. Warum sollte nicht ein Hersteller auf die Idee gekommen sein, direkt mit den Machern von CyanogenMod zu kooperieren, um ein Stock Android „plus X“ mit CM als Werkszustand-Firmware zu verwenden? In einem Teil der Community würde ein solches Gerät sicher großen Anklang finden, sofern dessen Spezifikationen einigermaßen brauchbar und der Preis nicht zu hoch sind.

Nachtrag: Diese Theorie hat CM-Mitarbeiter XplodWild per Twitter mittlerweile leider ausgeräumt (Danke, WoH).

Theorie 2: CyanogenMod-Port für ein wichtiges Nicht-Android-Gerät

Der kryptische Text im Video, insbesondere die Hinweise auf eine Nemesis und mögliche Verbesserungen ließen sich in eine Richtung interpretieren, dass ein Nicht-Android-Gerät durch CM maßgeblich verbessert würde. Wir wissen, dass die Versuche, Android auf das iPhone zu portieren, vor langer Zeit aufgrund der hohen technischen Hürden eingeschlafen sind, aber vielleicht hat man sich ja eines der jüngeren Nokia Lumias genauer angesehen?

Theorie 3: Eine neuere Kamera-App

Die meisten der schnell durchscrollenden Worte in der Mitte des Videos weisen Hinweise auf eine visuelle Komponente auf; ebenfalls bekannt ist, dass das Team der CyanogenMod gerne an der Kamera-App von Stock-Android herumbastelt. Könnte es sich also um eine maßgeblich verbesserte Foto-App handeln, die auf Stimmbefehle reagiert, eine Lächelerkennung aufweist und Fotos, ähnlich wie die Kamera vom Galaxy S4, mit zusätzlichen Soundinformationen speichert?

Theorie 4: Systemnahe Integration eines VoIP-Dienstes

In den vergangenen Wochen hat das CM-Team einige interessante neue Features angestoßen, so etwa einen SMS-Dienst, der ähnlich wie Apples iMessage Nachrichten an kompatible Geräte über Datenverbindungen versendet. Damit spart man nicht nur eventuell anfallende Gebühren, die Nachrichten werden auch zwischen Sender und Empfänger verschlüsselt, sodass NSA und Co. nicht mithören können. Auch der (in Europa nicht verfügbare) VoIP-Dienst Google Voice wurde bereits teilweise angebunden, dessen SMS-Funktion kann in der CyanogenMod zukünftig auch mit Standard-Messaging-Apps verwendet werden.

Der Gedanke liegt nahe, dass das Team eine ähnliche Lösung auch für Voice, also Sprachtelefonie anbieten könnte. Soll heißen: Wenn man einen Anruf absetzt und das Gerät entsprechend vom Nutzer konfiguriert wurde, wird das Telefonat über einen der zahlreichen Voice-Anbieter (Vonage, Viber, yuilop oder Skype) geleitet, eventuell kooperiert CM dafür sogar mit einem der Dienste. Gespräche zwischen Nutzern dieser Voice-Lösung wären kostenlos, andere Gespräche zumindest sehr preiswert. Weil die Services häufig auch eigene Telefonnummern anbieten, könnte man so sogar nur mit einer Datenverbindung Telefonie nutzen.

Für diese Theorie spricht, dass in dem Video plakativ das Wort „free“, zu deutsch „kostenlos“, als Providerkennung angezeigt wird (wobei free auch ein französischer Mobilfunkanbieter ist) und man sich mit einem solchen Feature eine deutliche Opposition, plakativ formuliert: einen Erzfeind zu den in den USA sehr mächtigen Mobilfunkanbietern darstellen würde. Auch CM-Entwickler Koush ließ kürzlich durchblicken, dass er an einer Telefoniefunktion für Wifi-only-Tablets arbeitet.

Theorie 5: Ein neuer Name

CyanogenMod begann als Hobbyprojekt von Steve „Cyanogen“ Kondik. Mittlerweile arbeiten dutzende Programmierer, Tüftler, Designer, Device Maintainer, Community Manager und weitere Funktionsträger an dem Projekt. Vielleicht ist die große Neuerung, die das CM-Team hier ankündigt, nicht mehr als eine Namensänderung, die der Manpower, die hinter dem größten Custom ROM-Projekt der Welt steht, Rechnung trägt.

Theorie 6: Android 4.3 als Basis, direkt nach Bekanntgabe des neuen Betriebssystems

Das CyanogenMod-Team pflegt traditionell gute Beziehungen zu Jean-Baptiste Queru, jener Person, die bei Google das AOSP, also den Open Source-Zweig von Android, pflegt. Denkbar wäre, dass dem CM-Kernteam bereits vorab Zugriff auf den Quellcode der neuen Android-Version 4.3 gewährt wurde — ähnlich wie das auch bei diversen Geräteherstellern der Fall ist. So könnte das CM-Team nach dem Wegfall eines Embargos direkt erste Nightly Builds von CM 10.2 veröffentlichen.

Theorie 7: Eine CyanogenModMod mit Fokus auf Sicherheit

Im Mai teilte Steve Kondik persönlich seine Gedanken und einen Aufruf zur Diskussion zum Thema Sicherheit auf Google+. Darin enthalten war die Überlegung, dass man einen Fork von CM erstellen könnte, der höheren Fokus auf Datensicherheit und Verschlüsselung legt. Mit den jüngsten Enthüllungen um PRISM und die weitreichenden Datenzugriffe der Geheimdienste in aller Welt gewinnen solche Überlegungen sogar noch an Brisanz. Vielleicht ist also der „Herausforderer“ eine neue CM-Variante, die neben SELinux, App-Sandboxes mit umgebogenen Berechtigungen und neuen APIs wie die für End-to-End-Encryption bei SMS noch weitere, tiefergehende Sicherheitsfunktionen bietet. Eine Nemesis für die Geheimdienste sozusagen …

Das sind unsere Theorien. Welche Variante wäre auch am liebsten, welche haltet ihr für die wahrscheinlichste? Könntet ihr euch andere Features vorstellen, die das Video anteasert? Meinungen in die Kommentare.

[Danke für den Lesertipp von Nico]

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