iPhone und iPad: Facebook bewirbt eigene Spionagesoftware in iOS-App

Florian Matthey 4

Facebook und Datenschutz sind für viele ja schon an sich ein Widerspruch – wobei das Unternehmen das natürlich ganz anders sieht. Was Facebook jetzt mit iOS-Benutzern macht, ist aber schon ziemlich dreist.

iPhone und iPad: Facebook bewirbt eigene Spionagesoftware in iOS-App
Bildquelle: Picjumbo CC0 – Viktor Hanacek.

Facebook-App fürs iPhone versteckt Spyware hinter „Protect“

In der Facebook-App fürs iPhone gibt es im Menü plötzlich einen neuen Eintrag namens „Protect“ mit einem Schutzschild-Icon. Gegen einen zusätzlichen Schutz spricht ja nichts, sollte man meinen – und daher dürften viele unbedarfte Benutzer diese Option ausprobieren. Ein Antippen bringt euch direkt in den App Store und zeigt dort die App „Onavo Protect – VPN Security“ des Entwicklers Onavo, Inc. an.

Tatsächlich sichert Onavo zunächst eure Internetverbindung durch einen VPN-„Tunnel“: Alle Daten werden zunächst verschlüsselt und laufen über den Onavo-Server, was euch beispielsweise vor Phishing-Angriffen oder davor schützen kann, dass jemand in einem offenen WLAN-Netzwerk eure Daten, die nicht verschlüsselt sind, mitliest.

Facbook-Tochter Onavo gibt Daten weiter

Allerdings liest bei Onavo jemand anderes mit: Das Mutterunternehmen Facebook. Wer sich die Bestimmungen von Onavo genau durchliest, findet versteckt den Hinweis, dass es sich um ein Facebook-Tochterunternehmen handelt und deswegen Daten des mobilen Datenverkehrs genutzt würden, „um Facebook-Produkte und -Dienste zu verbessern, einen Einblick darin zu bekommen, welche Produkte und Dienste Menschen schätzen und um bessere Benutzererlebnisse zu erschaffen“.

Facebook „lebt“ von euren Daten. Doch wie viel weiß das soziale Netzwerk eigentlich über euch? Unsere Bilderstrecke verrät, wie ihr es herausfindet.

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Was Facebook über dich weiß und wie du es herausfindest.

Facebook möchte über Onavo also erfahren, welche Dienste ihr sonst noch neben Facebook wie häufig verwendet. Das Unternehmen hatte so beispielsweise mitbekommen, dass die Benutzerzahlen von Snapchat deutlich fielen, bevor dies öffentlich bekannt war – weil das Unternehmen über Onavo-Benutzer feststellen konnte, dass diese Snapchat deutlich weniger verwendeten.

Natürlich will Facebook nicht eure Passwörter oder andere sensible Daten ausspionieren, sondern eben „nur“ erfahren, wohin ihr im Alltag mit eurem iPhone surft. Dass das Unternehmen seine Kunden darauf nicht deutlich verweist und das Ganze stattdessen einfach unter einem „Protect“-Link verkauft, ist aber schon ziemlich dreist.

Quelle: MacRumors, 9to5Mac

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