Google Chrome: Desktop-Apps funktionieren künftig unter Android und (vielleicht) iOS

Andreas Floemer 3

Google hat am gestrigen Dienstagabend ein viel versprechendes Produkt für Entwickler angekündigt, mit dem diese ihre Chrome-Apps vom Desktop auf die mobile Chrome-Version für Android und offenbar auch iOS portieren können. Auf diesem Weg könnte Google womöglich eine Art sekundäres Betriebssystem auf Android bringen, das auch auf Desktops besser funktioniert.

Google hatte im September letzten Jahres Chrome-Apps für Desktop-Rechner eingeführt, die auch offline funktionieren, sich auf OS X wie Windows wie native Anwendungen verhalten und mittels eines Launchers sogar aus Dock beziehungsweise der Taskleiste heraus gestartet werden können, ohne Chrome selbst öffnen zu müssen. Auf diesem Wege brachte Google eine Art Chrome OS-Experience auf Desktop-Rechner. Diese nativen Chrome-Anwendungen werden in naher Zukunft nun auch auf mobilen Plattformen wie Android und iOS verfügbar gemacht. Eigens dafür wurde nun die Preview-Version des mobilen Entwickler-Frameworks Apache Cordova veröffentlicht, mit der sich native mobile Apps mithilfe von HTML, CSS und JavaScript bauen lassen.

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Laut Google kann mit diesem Toolchain eine existierende Chrome-App in eine mobile App umgewandelt werden, sodass sie problemlos via Google Play oder Apples App Store vertrieben werden können. Die Apps laufen, wie bereits erwähnt, außerhalb des Chrome-Browsers und ohne Internetverbindung. Wie native Apps können diese Anwendungen auf das native Betriebssystem, die Kamera sowie Sensoren wie den Bewegungssensor zugreifen. Ferner unterstützten sie Push-Dienste, Rich Notifications, Daten-Synchronisation zwischen verschiedenen Plattformen und Geräten und weitere Dienste.

Mithilfe dieses Werkzeugs bietet Google Entwicklern eine großartige Möglichkeit der Cross-Plattform-Entwicklung. Während die ersten Anwendungen dieser Art mit Sicherheit bald im Play Store zu finden sein werden, bleibt zurzeit allerdings fraglich, ob Apple solche Apps in den App Store hineinlässt.

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Werden Android und Chrome OS verschmolzen?

Das ganze Projekt dürfte aber nicht nur für Entwickler spannend sein, sondern auch für Nutzer, denn – hier spekulieren wir ein wenig – Google könnte mit dieser angehenden Verschmelzung seiner beiden Plattformen von Chrome OS und Android eine Lösung für das Problem der nutzerfreundlichen Arbeit unter Android auf größeren Displays in petto haben. Was Google hier letzten Endes unternimmt, wie wir schon im Dezember ausführten, ist die Portierung von Chrome OS auf Smartphones und Tablets, um so ein sekundäres OS parallel zu Android installiert zu haben. Chrome OS dürfte auf Monitoren und Smart TVs in Kombination mit Keyboard und Maus um einiges praktikabler als Android in der Benutzung sein, das ohne Zweifel auf Touch-Bedienung optimiert ist. Und weiter gesponnen: der HDMI-Dongle Chromecast könnte als kabelloses Bindeglied zwischen Smartphone und dem TV als sekundärem „Monitor“ fungieren.

Ein weiterer, jedoch ferner Schritt, könnte zudem eine tiefere Verschmelzung von Chrome OS mit Android sein, indem Google als Basis von Chrome OS auf Android setzt. Android ist schließlich nichts anderes als ein angepasstes Linux und funktioniert mittlerweile auf ARM- wie auf x86-Prozessorarchitekturen gleichermaßen. Stellt man Chromne OS auf Android-Füße, könnte ermöglicht werden, dass auf die App Stores beider Plattformen gleichermaßen zugegriffen werden kann oder Play Store und die Galerie für Chrome-Erweiterungen und -Apps mittelfristig gar verschmolzen werden. Android könnte sich auf diese Weise endgültig auf dem Desktop etablieren, Chrome OS kännte durch eine bedeutend größere App-Auswahl weiter an Traktion gewinnen. Sinn ergeben würde dieser Schritt, trotz Dementi von Eric Schmidt, aus unserer Sicht allemal – warten wir ab, womit Google uns in den nächsten Monaten überraschen wird.

Werdet ihr Chrome-Apps unter Android nutzen? Sagt es uns – in den Kommentaren.

Quelle: Chromium-Blog [via The Next Web]

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