Google Drive ist endlich da und vor lauter Begeisterung könnten uns beinahe rosarote Clouds aus dem Allerwertesten fliegen; wenn da nicht die Nutzungsbedingungen der Google-Wolke wären: Aktuell kursieren Meldungen, nach denen Google automatisch die Rechte an allen Dateien, die ins Google Drive geladen werden, erhält. Wir haben uns die entsprechenden Passagen genauer angesehen.

 

Google Drive

Facts 

Ich habe mir mal erklären lassen, dass jeder, auch begleitenden Verwandte und Freunde der Kandidaten, die eines der Castings der so beliebten „Deutschland-sucht-irgendwen“ oder „Germany's-next-irgendwas“-Shows besuchen, beim Betreten des Veranstaltungsortes vertraglich dazu gezwungen werden, sämtliche (!) Rechte am eigenen Bild abzugeben. Gruselige Vorstellung, die mich allein schon davon abhalten würde, mich auch nur in die Nähe einer solchen Fleischbeschau zu bewegen.

Casting-Shows kann man guten Gewissens meiden, das Google Drive wollte ich aber eigentlich nutzen – umso erschreckender, dass der „Microsoft Tribe“ (aha!) aus dem The Verge-Forum meldet, dass laut der allgemeinen Google-Nutzungsbedingungen, Nutzer die ihre Daten ins gestern gestartete Google Drive schieben, ebenfalls sämtliche Rechte an diesen an Google abgeben. Dafür zitieren sie den folgenden Absatz aus den englischen Nutzungsbedingungen:

„When you upload or otherwise submit content to our Services, you give Google (and those we work with) a worldwide license to use, host, store, reproduce, modify, create derivative works (such as those resulting from translations, adaptations or other changes we make so that your content works better with our Services), communicate, publish, publicly perform, publicly display and distribute such content.“

Klingt zugegeben etwas beängstigend, zumal Dropbox und Microsoft Skydrive das deutlich defensiver formulieren:

Dropbox

„By using our Services you provide us with information, files, and folders that you submit to Dropbox (together, “your stuff“). You retain full ownership to your stuff. We don't claim any ownership to any of it. These Terms do not grant us any rights to your stuff or intellectual property except for the limited rights that are needed to run the Services, as explained below.“

SkyDrive

„Except for material that we license to you, we don't claim ownership of the content you provide on the service. Your content remains your content. We also don't control, verify, or endorse the content that you and others make available on the service.“

Wir haben uns nun aber mal die deutschen Google-Nutzungsbedingungen angeschaut, die übrigens seit dem 1. März und für alle Google-Dienste gelten – und nach dieser Lektüre können wir Entwarnung geben. Zunächst einmal leitet Google den Absatz über Nutzer-Inhalte bei Google mit folgenden Worten ein (übrigens auch in den englischen Nutzungsbedingungen):

„Bei einigen unserer Dienste können Sie Inhalte einstellen. Sie behalten Ihre Rechte als Urheber und alle bestehenden gewerblichen Schutzrechte an den Inhalten, die Sie in unsere Diensten einstellen. Kurz gesagt: Was Ihnen gehört, bleibt auch Ihres.“

Nach dem das gesagt ist (und wir etwas beruhigter sind), geht es so weiter:

Indem Sie urheberrechtlich oder sonst rechtlich geschützte Inhalte in unsere Diensten einstellen, räumen Sie Google und den zur Google Gruppe gehörenden Unternehmen sowie den Vertragspartnern von Google unentgeltlich die notwendigen, nicht ausschließlichen, weltweiten und zeitlich unbegrenzten Rechte ein, diese Inhalte ausschließlich zum Zweck der Erbringung des jeweiligen Dienstes und lediglich in dem dafür nötigen Umfang zu nutzen. Damit Google den jeweiligen Dienst anbieten kann, müssen die Inhalte zum Beispiel gespeichert und auf Servern gehostet werden. Das Nutzungsrecht umfasst daher insbesondere das Recht, die Inhalte technisch zu vervielfältigen. Weiterhin räumen Sie Google das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung Ihrer Inhalte ausschließlich für den Fall ein, dass Sie wegen der Natur des jeweiligen Dienstes eine öffentliche Zugänglichmachung beabsichtigen oder Sie ausdrücklich eine öffentliche Zugänglichmachung bestimmt haben. Das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung endet mit dem Zeitpunkt, in dem Sie einen eingestellten Inhalt aus einem bestimmten Dienst entfernen oder die Bestimmung der öffentlichen Zugänglichmachung aufheben.

Zunächst sind die eingeräumten Rechte an den hochgeladenen Daten also nicht ausschließlich, das heißt, auch der Nutzer hat weiterhin alle Rechte daran. Weiterhin geht es lediglich um die zur Nutzung des Funktionalität der Dienste notwendigen Rechte – eben die, die für ein File-Hosting in der Cloud unabdingbar sind: Dazu gehören vorrangig die technische Vervielfältigung und das Veröffentlichen im Falle, dass der Nutzer Dateien sharen möchte. Zwei Aspekte, die Google im Auftrag des Nutzers technisch eben umsetzt.

Was Google hier beschreibt, ist damit eigentlich sogar viel transparenter, als das, was Dropbox und SkyDrive angeben: Auch diese Dienste vervielfältigen und veröffentlichen aus technischer Sicht die Daten des Nutzers – sie sparen es sich nur, explizit darauf hinzuweisen.

Summa summarum: Kein Grund zur Sorge, nach unserer Einschätzung sind eurer Daten bei Google genauso sicher (oder unsicher) wie bei den großen Cloud-Konkurrenten; mit dem Unterschied, dass Google offensichtlich inzwischen so aufmerksam und sensibilisiert in Sachen Datenschutz ist, dass sie in Ihren Nutzungsbedingungen eben den einen oder anderen Satz mehr schreiben und genau erklären, was sie machen – wir finden das sehr löblich.

The Verge Forum [via phandroid]

Download: Google Drive für Android (kostenlos)

Google Drive für Android (kostenlos) qr code

Hat dir dieser Artikel gefallen? Schreib es uns in die Kommentare oder teile den Artikel. Wir freuen uns auf deine Meinung - und natürlich darfst du uns gerne auf Facebook oder Twitter folgen.