Google Drive: Neue Beweise für die Online-Festplatte

Frank Ritter

Viel wurde geschrieben in den letzten Wochen über das Google Drive. Glaubt man den Gerüchten, soll der Service bereits in der nächsten Tagen starten. Als Indiz, die diese These unterstützt, kann der Fauxpas eines Mitglieds im Google Developer-Team gewertet werden: In einem Google+-Hangout zeigte er gestern Abend sein Galaxy Nexus in die Kamera - mit der Sharing-Option für das Google Drive.

Normalerweise kann man die Video-Hangouts des Google Developer Teams im Nachhinein auf YouTube betrachten. Dieses Mal wurde das Video aber wieder auf „privat“ gestellt und damit vor den Augen der Weltöffentlichkeit gesperrt. Vermutlicher Grund: An einer Stelle war deutlich zu sehen, dass einer der Hangout-Teilnehmer offenbar eine Google Drive-App installiert hatte, die in der Auswahl der Share-Intents zu sehen war. Soll heißen: Ähnlich wie bei Dropbox wird man einzelne Dateien über die „Teilen“-Funktion in das persönliche Google Drive hochladen können. Aber es passiert selten, dass im netz etwas einfach verschwindet. The Verge hat flugs eine Kopie des Videos mit dem relevanten Ausschnitt hochgeladen.

Google Drive leaks during App Hangout.

Dass das Original-Video jetzt nicht mehr auf YouTube einsehbar ist, ist schade und unnötig. Denn dass Google sein Google Drive in Kürze an den Start bringen wird, ist eines der wohl am schlechtesten gehüteten Geheimnisse des Konzerns aus Mountain View. Nicht nur pfeifen es die Spatzen seit Monaten von den Dächern, im Januar zeigte Google selbst auch schon den Ordner „Google Drive“ auf einem Mac-Rechner - in einem Screencast der Google Developers.

google drive leak

Wer selbst nachschauen möchte: In diesem Video etwa ab Minute 1:10 ist der Ordner im Finder zu sehen. Mit diesem einen Ordner ist also relativ sicher, dass Google die Funktionalität von Dropbox nachbilden wird - also einen einzelnen Ordner, der komplett automatisiert synchronisiert wird.

Noch mehr Hinweise auf das Google Drive

Ein The Verge-Leser kommentierte unter dem ursprünglichen Foreneintrag, in dem der Fauxpas aufgedeckt wurde zudem, dass zwar die Subdomain https://drive.google.com (http:// wird auf https:// weitergeleitet) keine Inhalte zeige, aber durchaus auf die Datei robots.txt im Stammverzeichnis zugegriffen werden kann. Mit dieser Datei kann ein Serverbetreiber Suchmaschinen-Crawlern grundlegende Anweisungen geben, in welchen Serververzeichnissen indiziert werden darf und in welchen nicht. Die Datei gibt schon einmal einen grundlegenden Einblick in die URL-Struktur des Google Drive.

google drive robots.txt

Damit nicht genug. Spaßeshalber gab ich im Zuge meiner Recherchen einmal den Suchstring site:drive.google.com bei Google ein, der mir sämtliche Ergebnisse von dieser Subdomain anzeigt, die sich bereits im Google-Index befinden. Und das sind eine Menge!

Ich bin sämtliche Suchergebnisseiten durchgegangen. Die meisten Ergebnisse scheinen private, eventuell weitergesharete, Dateien von Google-Mitarbeitern zu sein, deren URL nur zufällig im Google-Suchindex gelandet ist. Was mir aber ins Auge fiel:

  • Die URL https://drive.google.com/upload wirft - im Gegensatz zu nahezu allen anderen URLs keine 404-Fehlermeldung, sondern bleibt einfach eine weiße Seite.
  • Die Seite https://drive.google.com/offline fällt ebenfalls aus dem Rahmen, denn sie weist die Überschrift „Seite oder Dokument nicht vorhanden“ auf und verlinkt auf Google Docs. Wird man mit Google Drive offline Dokumente im Browser bearbeiten können?

Ebenfalls zufällig habe ich zudem herausgefunden, dass sich der Dokumentenviewer von Google Docs jetzt auch über die URL https://drive.google.com/gview aufrufen lässt. Dies funktioniert allerdings nur, wenn man gerade nicht in einen Google-Account eingeloggt ist.

google docs viewer google drive

Wie kann man die Ergebnisse deuten? Vieles deutet für mich darauf hin, dass Google seine gesamte Docs-Funktionalität in den Google Drive-Service integriert. Dass beide Dienste zumindest eng miteinander verzahnt sind, steht außer Frage, zuletzt konnte man ja auch bereits in Google Docs Dateien beliebiger Art hochladen. Jetzt müssen wir eigentlich nur noch wissen, wann es losgeht - und dann halte ich’s mit Kaiser Franz: Ja, guck doch in dein WAP-Handy. Schaumermal.

[teils via The Verge]

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