Das iPhone als „Killer“: Der leise Tod von TomTom und Konsorten

Sven Kaulfuss 7

Eine Welt ohne Satellitennavigation ist für mich heute nicht mehr vorstellbar und doch würde ich dieser Tage eine Investition in ein TomTom– oder Garmin-Gerät mit einem großen Fragezeichen versehen wollen. Fakt ist: Die Stand-Alone-Navis sterben aus, deren Nachfolger haben wir aber alle schon in der Tasche.

Das iPhone als „Killer“: Der leise Tod von TomTom und Konsorten
Bildquelle: Apple und TomTom.

In meiner Kindheit der 8oer-Jahre waren GPS-Geräte noch unbekannt und eigentlich auch unnötig. Immerhin war die Deutsche „Demokratische“ Republik recht überschaubar und eine Orientierung im Ausland, aufgrund bekannter Nicht-Reisefreiheit, auch recht sinnlos. Wenn Papa mit dem himmelblauen Skoda 105L die automobilen „Schnellstraßen“ des Arbeiter-und-Bauernstaates entlangfuhr, dann genügte eine handelsübliche Faltkarte. Und auch die wurde auf der Urlaubsreise kaum gebracht, schließlich ging es jedes Jahr zum selben Baggersee – der Weg und das Ziel bekannt.

In den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts freuten sich die neuen Bundesbürger über die hinzugewonnene Reisefreiheit – Orientierung war vonnöten, nicht nur im Straßenverkehr. Doch noch immer musste man altbewährte Karten und Atlanten hierfür nutzen. Allein die Oberschicht kam in den Genuss der ersten GPS-Geräte, fest verbaut im luxuriösen Automobil. Hierzulande präsentierte BMW im Jahre 1994 das erste Navi im damals neuen 7er – unbezahlbar teuer, erhältlich nur als Option. Auch wenn die Preise mit der Zeit sanken, so sind auch heutzutage die festverbauten Navi-Lösungen der Autohersteller oftmals alles andere als ein Schnäppchen.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Mobile Navigationsgeräte: GPS für jedermann

Die eigentliche Revolution startete dann zum Anfang des neuen Jahrtausends. 2001 gab es mit dem TomTom Navigator das erste mobile Navigationssystem zu kaufen. Ab sofort musste man nicht mehr die überteuerten, festverbauten Lösungen der Hersteller erwerben. Auch war es möglich, ältere Fahrzeuge fit für GPS zu machen. Weitere Anbieter wie Garmin, Navigon und Co. folgten der Spur. Schon wenige Jahre später war das Konzept der kleinen Navi-Helfer im Massenmarkt angekommen, die Zukunft erschien für eine Weile glorreich.

Doch die Branche schwächelt, immer weniger mobile Navigationsgeräte finden ihre Käufer. Bestandskunden nutzen weiterhin die älteren Geräte, Kartenupdates finden seit einigen Jahren auch kostenfrei ihren Weg zum Kunden – gedankt sei es den sogenannten Lifetime-Updates. Die werden nun aber allmählich zum Absatzproblem für die Hersteller. Da verwundert es mich kaum, dass jüngst TomTom die Unterstützung für alte und teilweise noch nicht so alte Geräte kappt. Die „Lebenszeit“ der Produkte ist kurzerhand zu Ende, das Updateversprechen muss nicht gehalten werden und der Kunde möge doch bitte ein Neugerät erwerben. Ein Strohhalm, nach dem der Hersteller greift. Allerdings, nur die wenigsten Nutzer werden dies tatsächlich noch tun, denn es gibt flexiblere Optionen.

Die Konkurrenz in der Hosentasche

Heutzutage steckt das Navi nämlich schon in der Hosentasche. Jedes iPhone oder Android-Smartphone taugt auch als GPS. Die Karten stammen von Google Maps, Apple Karten oder weiteren Anbietern, auch Offline-Navigation ist möglich. Warum also noch ein zusätzliches, mobiles Navi erwerben? Diese Frage stellte ich mir auch im Vorfeld meines Winter-Urlaubs. Mit der Familie geht’s Ende nächster Woche zum „Inselspringen“ in den Atlantik, vor Ort reserviert wartet jeweils das Mietauto. Ich überlegte: Kaufe ich ein neues mobiles Navi? Aber warum eigentlich? Ich hab doch schon ein iPhone 7. Letzten Endes wurde es es dann eine und ein zusätzliches KfZ-Ladegerät – zusammen für etwas mehr als 20 Euro. Eine TomTom-Neuanschaffung kam nicht in Frage.

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Ein weiterer Grund: In den heimischen Gefilden findet das iPhone mittlerweile Anschluss an ein CarPlay-taugliches Autoradio von Pioneer. Auch hier erfolgt die Navigation über das iPhone, ein mobiles Navigationsgerät ist nicht mehr vonnöten. Übrigens: Die Bedienung eines solchen verbauten Autoradios im Straßenverkehr ist zulässig. Verboten bleibt aber die direkte Bedienung des Smartphones. Gleiches gilt aber schon immer auch für mobile Navigationssysteme. Einziger Ausweg hier jeweils: An die Seite fahren und anhalten oder aber die Sprachsteuerung von Siri und Co. nutzen.

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Das ist CarPlay 2017 – die Schnittstelle zwischen iPhone und Auto.

Das Smartphone findet Anschluss

Apropos: Dies ist ein Trend, denn die Automobilhersteller haben erkannt, der Kunde wünscht mehr Flexibilität und die Möglichkeit sein Smartphone als Steuerzentrale zu nutzen. Entsprechend gibt’s Anschlussmöglichkeiten und die Unterstützung von Apples CarPlay und Android Auto. Das Display im Auto fungiert also nur noch als „dummer“ Monitor für unsere Smartphones. Im Grunde eine positive Entwicklung, die jedoch hier und da gleichfalls diskussionswürdige Stilblüten trägt. Bestes Beispiel: BMW. Die wollen uns nämlich die Unterstützung von Apples CarPlay hierzulande nur noch im Abo verkaufen – drei Jahre für 300 Euro, danach 110 Euro pro Jahr oder erneut 300 Euro für weitere drei Jahre. Ziemlich dreist, hoffentlich macht dieses Beispiel an blanker Gier keine Schule und andere Hersteller entsagen diesem Modell.

Dennoch gilt: Mobile Navigationsgeräte verlieren immer mehr an Bedeutung. Alsbald können wir sie zu unseren MP3-Playern und unseren kompakten Digitalkameras in die Schublade legen. Bei mir befinden sie sich schon dort.

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Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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