Instagram-Werbung vor Gericht: Was dürfen Influencer, was müssen Privatpersonen beachten?

Marco Kratzenberg 2

Seit einiger Zeit geistert ein Schreckgespenst durch die sozialen Netze, das besonders Instagram-Nutzer verunsichert: Was muss als Werbung gekennzeichnet werden, weil es sonst zu teuren Abmahnungen führt? Gerade die Influencer trifft es hart, aber auch die „Normal-Instagramer“ sind alarmiert. Wir erklären, wer was darf oder muss.

Inhalt:

Der bekannte Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke machte in einer Pressemeldung auf ein neues Urteil des Landgerichts München I aufmerksam, das ein weiteres Kapitel in der Auseinandersetzung zwischen der Influencerin Cathy Hummels und dem „Verband Sozialer Wettbewerb“ eröffnet. Das Urteil sorgt leider immer noch nicht für Klarheit bei den „gewerblichen Influencern“, aber was ist eigentlich mit den „Normalos“? Wie müssen private Instagramer ihre Posts kennzeichnen, was sollten sie tun und was nicht?

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Instagram: Wer hat die meisten Follower?

Instagram-Influencer, Werbung und die Gerichte

Wie Rechtsanwalt Christian Solmecke am Fall des neuen Urteils erklärt, ist nach wie vor keine eindeutige Lösung in Sicht. Einerseits folgen Kläger wie der „berühmt-berüchtigte“ (Zitat aus dem unteren Video) Verband Sozialer Wettbewerb seltsamen Gedankengängen, wenn sie angebliche Absichten von Instagramern annehmen und daraus einen unlauteren Wettbewerb konstruieren – andererseits folgen einige Gerichte diesen Überlegungen.

Doch jetzt hat das Landgericht München I die Klage des Verbands wegen Schleichwerbung durch Cathy Hummels abgewiesen (Urt. v. 29.04.2019, Az. 4 HK O 4985/18).

Zur Erklärung:

In verschiedenen Prozessen wurde Influencern auch dann eine gewerbliche Absicht unterstellt, wenn sie sich die beworbenen Artikel selbst gekauft hatten und kein Geld für die Nennung der Produkte oder Firmen bekamen. Die Kläger und Gerichte gingen davon aus, dass sich die Influencer auf diese Weise bei Firmen anbiedern und so zukünftige Werbeverträge in die Wege leiten wollten. Die Kernaussage lautet: Influencer handeln immer gewerblich und müssen demnach auch nicht bezahlte Produktnennungen oder Links zu Firmen als Werbung kennzeichnen.

Jetzt hat das LG München I diesen Gedanken einfach mal weiter verfolgt und mit anderen Worten gesagt „Ja und? Natürlich sind alle Influencer-Postings irgendwie gewerblich. Aber das weiß auch jeder und deshalb muss man nicht extra darauf hinweisen!“

Was sich gut anhört und liest, verkompliziert die Sache eigentlich eher noch – gerade für private Instagram-Konten oder Möchtegern-Influencer. Denn niemand zweifelt daran, dass Cathy Hummels mit ihren rund 486.000 Followern ein gewerbliches Instagram-Konto betreibt. Aber was ist mit dem privaten Konto einer Hundehalterin, die durch Fleiß und viele Fotos rund 4.000 Instagram-Follower bekommen hat und nun erwähnt, dass ihr Hund mit dem Futter von XZY endlich keine Verdauungsprobleme mehr hat?

4.000 Follower sind für ein privates Konto schon beachtlich. Man könnte unterstellen, die Betreiberin sei auf dem Weg zur Influencerin. Und wenn dann noch ein Gericht dieser Unterstellung folgt, hat eine harmlose Privatperson eine Abmahnung am Hals. Sollte sie dieser widersprechen, folgt eventuell noch eine Anklage.

Mit einem guten Fachanwalt kommt man aus so einer Nummer relativ schnell wieder raus, indem man beispielsweise nachweist, wie man durch Fleiß, viele Fotos, Kommentare und Dialoge mit anderen zu so vielen Followern gekommen ist – ohne einen Cent daran zu verdienen. Aber das kostet Geld, Zeit und Arbeit – und ist unnötig.

Welche Probleme sich bei gewerblichen Instagram-Konten ergeben, schildert RA Solmecke in einem Video:

Sollen private Instagram-User alles als Werbung kennzeichnen?

Die Verwirrung und Angst hat zahlreiche Instagram-Nutzer dazu getrieben, künftig einfach alles als Werbung zu kennzeichnen. Das ist aber nicht der richtige Weg – wie sich GIGA von Solmeckes Kanzlei erklären ließ:

Die Kennzeichnung eines Produktfotos mit Nennung und Verlinkung einer Firma – in Kombination mit dem Hashtag #Werbung – kann den gegenteiligen Effekt haben. Es ist bereits zu Situationen gekommen, in denen Unternehmen so etwas abgemahnt haben. Weil es fälschlicherweise den Anschein erweckt, als würde das Unternehmen in einem Werbeverhältnis mit dem Instagramer stehen, wehren sich Firmen gegen eine solche Erwähnung.

Nun mag man denken „Die sollen doch über die kostenlose Werbung froh sein“, doch der dahintersteckende Gedanke ist ein anderer. In den Augen der abmahnenden Firmen schmückt sich hier jemand mit einer nicht vorhandenen Geschäftsverbindung.

Probleme und Lösungen

Euer Problem als normaler Instagram-User und der Werbekennzeichnung ist folgendes:

  • Wenn ihr einfach jeden Instagram-Post als Werbung kennzeichnet, könnt ihr eine Abmahnung genannter Firmen bekommen.
  • Wenn ihr eine relative große Zahl an Followern habt und bei Firmen und Produkt-Nennungen oder -Verlinkungen nicht #Werbung dazu schreibt, könnt ihr abgemahnt werden. Selbst wenn ihr kein Geld bekommt und dann vor Gericht nachweisen könnt, dass es nicht gewerblich war.

Das Problem ist, so wurde uns erklärt, wie das jeweilige Instagram-Konto wirkt: Wenn man ständig nur gestellt wirkende Fotos von Schmink-Situationen postet und dabei dann verschiedene Kosmetikprodukte nennt, dann kann das den Anschein einer gewerblichen Absicht (in Planung) haben. Und hier lauert eine Abmahnung. Erklärt man hingegen zwischen lauter Fotos seiner Hunde und Kinder, dass „Theo endlich keinen Durchfall mehr hat, seit er WuffiLite frisst“, lässt sich daraus keine gewerbliche Absicht ableiten.

In diesen Situationen müsst ihr Instagram-Posts nicht als Werbung kennzeichnen:

  • Wenn ihr als Privatperson nur ein paar hundert Follower habt.
  • Wenn ihr kein Geld für den Post bekommt und den Artikel nicht von einer Firma als Werbegeschenk bekommen habt.

Was ihr als normaler Instagram-Nutzer vermeiden solltet:

  • @-Verlinkungen zu Firmen und Produkten: Nennt sie einfach im Text, wenn es zum Verständnis nötig ist.
  • #-Verlinkungen zu Firmen und Produkten sind auch problematisch, vor allem wenn man seinen Post damit in eine Gruppe von Suchbegriffen bringt, die mit dem Unternehmen eigentlich nichts zu tun haben.

Die Menschen sind in der Regel in der Lage, selbst nach einem Produkt zu googeln, wenn ihr es genannt habt. Die Verlinkung ist zwar der Sinn von Social-Media, aber sie ist nicht immer erwünscht. Lasst es einfach, dann kann es nicht zu eurem Schaden genutzt werden.

Wie oft nutzt ihr verschiedene soziale Netzwerke?

Es gibt unzählige soziale Netzwerke im Internet. Facebook, Twitter, Instagram und noch viele mehr. Wir wollen wissen, wie oft ihr die verschiedenen Netzwerke nutzt!

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