Hey Apple, bitte überarbeitet endlich das News-Widget auf dem iPhone

Stefan Bubeck 8

Danke, aber nein Danke – ich möchte das nicht: Das iOS-Widget „Apple News“ tischt mir täglich einen ungenießbaren Nachrichten-Cocktail auf, auf dessen Inhaltsstoffe ich leider keinerlei Einfluss habe. Ein Kommentar.

Hey Apple, bitte überarbeitet endlich das News-Widget auf dem iPhone
Bildquelle: GIGA.

Auf dem Sperr- oder Home-Bildschirm von iOS genügt ein Wisch nach rechts und man landet in der Widget-Ansicht. Eine tolle Sache für iPhone, iPad und iPod touch – da ist das Wetter, der Kalender, die Erinnerungen und … die News. Hier werden vier Nachrichten aus einer Liste deutscher Medien untereinander dargestellt. Wenn man darauf tippt, öffnet der Browser Safari den entsprechenden Artikel. Der Grund dafür: Die eigentliche News-App ist laut Apple ausschließlich in Großbritannien, USA und Australien verfügbar. In Deutschland gibt es die News-App momentan nicht und es wurde bis dato auch noch kein möglicher Startzeitpunkt bekannt gegeben. Es bleibt uns hierzulande also nur das minimalistische News-Widget – und das ist leider so richtig schlecht.

Apple News: Focus, Bild und Welt geben sich die Klinke in die Hand

Das News-Widget ist der Schmutzfleck auf meinem iPhone, der alle paar Stunden seine Form ändert. Heute bekomme ich (mal wieder) zweimal untereinander das gleiche Kriminaldelikt serviert: Einmal von Bild und einmal von Focus, es geht um eine Bluttat in Flensburg. Sollte man wohl unbedingt wissen, wenn man gerade in Berlin ist. Darunter ein Meinungsartikel von der Welt und im untersten Slot dann endlich etwas mit Relevanz, das es auch in die Tagesschau schafft und sicherlich die Meldung des Tages ist: Trump entlässt Tillerson, auf Spiegel Online. Ich würde ja am liebsten den Kurator des News-Widgets entlassen.

Lasst mich die Quellen ersetzen!

Ansonsten schürt die Bild gerne mal diffuse Ängste vor „kriminellen Asyl-Betrügern“ oder n-tv informiert mich darüber, dass eine 16-jährige eine 15-jährige erstochen hat. Hetze, Sorgen, Panik – wer davon nicht genug bekommt, liegt hier goldrichtig. Falls jemand noch Beweise braucht: Der Blog iPhone-Ticker hat dankenswerterweise den „Schlagzeilen-Müll“ eines Tages im Jahr 2016 dokumentiert, seitdem hat sich nichts gebessert. Wenn ich zur Auslage des News-Widgets etwas sagen dürfte, wäre es an den meisten Tagen: „Drei von vier der News sind nicht relevant für mich, wo kann ich das bitte einstellen?“

Tja, jetzt kommt’s bitter: Man kann zwar die übergeordnete Widget-Ansicht personalisieren – aber den Inhalt des News-Widget leider nicht. Themen und Ressorts abonnieren, Quellen ausschließen, ein anhand der eigenen Surfgewohnheiten kuratierter Newsstream, News aus dem Stream von Twitter-Kontakten – es gäbe so viele Ansätze für eine bessere automatische Kuratierung des Newsstream. Was beim Google Feed für Android-Geräte, bei Samsungs upday, bei Feedly oder Flipboard selbstverständlich ist, fehlt bei Apple. Es ist nicht einmal bekannt, wie der Algorithmus des Widgets funktioniert – Cupertino verrät dazu absolut nichts. Es handelt sich technisch gesehen um eine „Blackbox“, wie es Meedia formuliert. Ich glaube ja für meinen Teil an einen durchgeknallten Bot oder einen betrunkenen Wutbürger mittleren Alters, der mir die täglichen News zusammenstellt.

Wo bleibt die gesellschaftliche Verantwortung?

Wenn ich den Inhalt des News-Widgets personalisieren könnte, wäre das zwar eine kleine Wohltat für mich, aber noch lange keine Lösung für alle. Das grundlegende Problem ist nämlich, dass das News-Widget so wie oben beschrieben auf Millionen von iPhones und iPads vorinstalliert ist. Die Geräte kommen mit einem integrierten Räuberpistolen-Stream aus der Packung, der in erster Linie die geschlossenen Weltbilder von Kleingeistern zementiert. Wer sich nicht aktiv dagegen wehrt (also das Widget komplett ausblendet), wird davon Tag ein Tag aus begrüßt und vielleicht auch davon beeinflusst: Kleines Widget, große Wirkung. Während sich Facebook längst einer Diskussion um algorithmusgesteuerte Manipulation von Weltbildern stellen muss, bleibt der iPhone-Konzern davon noch verschont.

Apple muss hier im Sinne der gesellschaftlichen Verantwortung dringend nachbessern. Das Unternehmen zeigt schließlich an vielen Stellen sein hohes Verständnis für Kultur, Diversität und Toleranz, es steht für Qualität, Liebe zum Detail und maßgeschneiderte, nahezu perfekte Nutzererfahrungen. Da will das ewig polternde Krawall-Widget mit seiner alarmistischen Tendenz und seinem falsch gesetzten Regionen-Fokus einfach nicht dazupassen.

Ich habe nichts gegen eine würzige Prise Boulevard und Unterhaltung – aber die aktuelle Mischung ist für ein nicht personalisierbares News-Widget gnadenlos versalzen.

Anmerkungen: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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