Apple-Keynote: So streut iOS 12 Salz in offene Android-Wunden

Sebastian Trepesch 15

Es ist mehr als eine kleine Stichelei gegen Android, es ist ein klarer Vorteil für den iPhone-Hersteller: Apple hat Kernaussagen der Keynote 2018 sehr geschickt gewählt. Sie treffen einen wunden Punkt der Konkurrenz.

Apple-Keynote: So streut iOS 12 Salz in offene Android-Wunden
Bildquelle: Apple.

Manche Aussagen kann Apples Software-Manager Craig Federighi auf der WWDC-Keynote gar nicht oft genug wiederholen. iOS 12 unterstützt sogar das betagte iPhone 5s von 2013. Die alten Geräte sollen mit dem neuen System sogar schneller werden. Private Daten sollen privat bleiben. Auch (oder gerade) vor Facebook und Datenfirmen geschützt.

Geschickt gewählt sind diese Kernaussagen,

  • weil Apple mit dem Thema Datenschutz einen heiß diskutierten Nerv trifft (Stichwort Cambridge Analytica),
  • weil Apple sich damit auf Vorteile des eigenen Geschäftsmodells konzentriert und
  • weil die Konkurrenz nicht einfach so nachziehen kann.

Ja, für die Keynote und die iOS-12-Neuerungen hat Apple Eigenschaften gefunden, vor denen Android-Hersteller kapitulieren müssen. Und das sind die Gründe:

Darum kann Apple iPhones so lange unterstützen

Ein Smartphone-Hersteller möchte natürlich so viele Geräte wie möglich verkaufen. Wenn ein Gerät nach zwei Jahren kein aktuelles Betriebsystem mehr bekommt, fördert das einen Neukauf. Und wer wie Samsung alle zwei Monate neue Modelle auf den Markt wirft, hat schon viel zu tun, die Updates von Googles Android auch nur an die aktuellsten Smartphones anzupassen.

Auch Apple will möglichst viele Smartphones verkaufen. Der Unterschied zu Samsung, Huawei und Co ist allerdings: Hardware, Software und App Store kommen aus einer Hand, aus Cupertino. Ein günstige(re)s iPhone wird nicht extra entwickelt. Für die Zielgruppe mit schmalem Geldbeutel dient ein zwei Jahre altes, ehemaliges Top-iPhone. Entsprechend darf (und muss) die Unterstützung auch ein wenig länger laufen, will man die Kunden nicht verärgern.

Die Gewinnmargen des iPhones sind höher als die der meisten (allen?!) Android-Smartphones. Apple kann es sich leisten, sechs Jahre alte Geräte mit einem neuen System zu verbessern, Android-Hersteller nicht. Und sogar von Gebrauchtkäufen profitiert Apple etwas: Über die Provisionen bei App-Käufen und Abos für iCloud-Dienste verdient Apple mit.

Mögen sich Smartphone-Käufer lieber ein gebrauchtes iPhone kaufen, als gar kein iPhone … Die lange Unterstützung mit iOS fördert diesen Gedanken.

Darum kann iOS die Android-Smartphones im Datenschutz ausstechen

Hardware und Software aus einer Hand, das spielt Apple auch beim Thema Datenschutz in die Hände. Es hat sich eingebürgert, dass die Betriebssysteme kostenlos sind. Apple finanziert iOS über die Hardware, über den App Store und iCloud-Dienste; Google über Werbung (und ein paar Lizenzgebühren für die Apps). Um Werbung möglichst zielführend einzusetzen, sind Datenerhebungen und -auswertungen wichtig. Google braucht also die Nutzerdaten.

Im Gegensatz zu Google ist es für Apple ein Leichtes, robuste Datenschutzvorkehrungen in das Betriebssystem zu integrieren – das eigene Geschäftsmodell gefährdet man damit nicht. Im Gegenteil: Man schafft mit „Privatsphäre und Datenschutz“ ein zusätzliches Argument für das iPhone. Besitzer von iPhones, iPads und Macs profitieren folglich ab Herbst ein Stück weit mehr von den deutlich verschärften Datenschutzvorkehrungen der Apple-Plattformen.

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7 Highlights der Apple-Keynote.

„Vertrauenswürdiger Hersteller“ – ein Ruf, der leicht verspielt werden kann

Mit einer weiteren Funktion arbeitet Apple in iOS 12 eher gegen eine lange Nutzungszeit als sie zu fördern: Screen Time (Screenshot ganz oben) hilft dem iPhone-Besitzer, die Nutzungsdauer von Apps und Webseiten unter Kontrolle zu halten. Auch diese Funktion ist möglich, weil der Entwickler nicht von Werbeeinblendungen abhängig ist.

Apple will also offensichtlich den Ruf des vertrauenswürdigen Herstellers ausbauen. Die Gefahr: Bei Fehlern oder mangelhafter Kommunikation ist der Ruf schnell verspielt. Aktuelles Beispiel: iOS 11 schneidet Leistungsspitzen bei iPhones ab, bei denen der Akku die Leistung nicht mehr stemmen kann. Statt diese Funktion als (deaktivierbares) Feature anzupreisen, wurde es als Fehler von Nutzern und Medien angesehen. Ein Vertrauensbruch, den Apple mit einer Anpassung in iOS 11.3 zu bereinigen versuchte.

Fehler sind nie ausgeschlossen, auch im Bereich Datenschutz nicht. Wenn Apple die versprochene Arbeit leistet, wird iOS 12 ein Punktsieg gegen Android.

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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