Apples gutes Beispiel: iOS 12 und das baldige Ende des Feature-Wahns

Sven Kaulfuss 5

Schenkt man den jüngsten Spekulationen zum später im Jahr erscheinenden Update auf iOS 12 Glauben, dann streicht Apple die Liste der möglichen neuen Funktionen für iPhone und iPad stark zusammen. Was denn, keine Spielereien oder neues Klickibunti für die Generation „Like“? Ihr werdet es überleben, glaubt mir.

Apples gutes Beispiel: iOS 12 und das baldige Ende des Feature-Wahns
Bildquelle: t_kimura / gettyimages.

Angeblich möchte sich Apple nämlich viel lieber mal auf die Systempflege beschränken und verschiebt neue Features wie einen neuen Homescreen, ein überarbeitetes CarPlay-Interface oder auch erweiterte Foto- und Sharing-Funktionen auf das Jahr 2019. 2018 hingegen dient vorwiegend der Fehlerbeseitigung und Leistungssteigerung – Stabilität ist Trumpf. Wäre dieses Vorgehen denn wirklich so schlimm?

Blick zurück: Der getunte Leopard

Ganz im Gegenteil. Mehrere Punkte sprechen sogar ausdrücklich für eine solche Aktion. Wir erinnern uns, schon in der Vergangenheit pflegte Apple diese Update-Strategie, bestes Beispiel das Mac-Betriebssystem. Im Herbst 2007 erschien mit Mac OS X 10.5 Leopard das lang ersehnte Update für den Macintosh. Die Veröffentlichung musste zuvor schon mehrmals verschoben werden, Apple benötigte die Ressourcen nämlich fürs brandneue iPhone. Leopard überzeugte aber nicht restlos die Nutzerbasis und so entschied sich Apple beim nächstgrößeren Update vor allem, die Performance-Probleme anzugehen. Neue Funktionen standen nicht im Fokus. Im Ergebnis präsentierte Apple im August 2009 die finale Version von Mac OS X 10.6 Snow Leopard. Ein voller Erfolg, auch Jahre später noch galt diese Version als stabilstes und beliebtestes Release. Entsprechend blieben 2011 nicht wenige Anwender beim Schneeleoparden, wenngleich der Löwe (OS X 10.7 Lion) schon freigelassen wurde. Und auch bei iOS versteckte sich nicht hinter jeder Versionsnummer ein Feuerwerk an Funktionen. So erscheinen beispielsweise die Features von iOS 8 gegenüber dem massiven Designwandel und der Wucht an Neuerungen von iOS 7 geradezu als bescheiden. Braucht es denn immer dieses Top-Features, wie hier im Video zu iOS 11 von Sebastian vorgeführt?

Fünf Top-Features in iOS 11.

Tabula rasa: Notwendigkeit bei der Softwareentwicklung

Gut so, denke ich, denn bei einem nunmehr jährlichen Turnus der größeren Systemupdates auch gar nicht anders zu bewerkstelligen. Jeder Entwickler wird dem zustimmen. Möchte man nicht im Chaos versinken, gilt es, von Zeit zu Zeit Tabula rasa zu machen, auszumisten und der Pflege den Vorrang zu geben.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Neue Funktionen nur noch durch Hardware getrieben

Nachdem die aktuellen mobilen Betriebssysteme 10 Jahre und mehr auf den Buckel haben, wird es immer schwerer, noch wirklich sinnvolle neue Funktionen zu erfinden. Getrieben werden diese doch wenn überhaupt nur durch neue Innovationen bei der Hardware. Face ID beim iPhone gibt’s halt beispielsweise auch erst, nachdem man sich bei Apple gegen den Home-Button entschieden hat, und der fiel weg weil andernfalls das formatfüllende Display des iPhone X nicht denkbar gewesen wäre.

Ich bin ehrlich: Konzentriert sich Apple bei iOS 12 tatsächlich auf die Systempflege, geht man mit guten Beispiel voran. Die Konkurrenz sollte sich davon ruhig inspirieren lassen. Wobei die oftmals ganz andere Probleme haben, denn wann oder gar ob das eigene Android-Smartphone jeweils mit der neuesten Systemversion versorgt wird, ähnelt meist einem Glücksspiel. Von Systempflege kann man auch nicht mehr sprechen, wenn selbst Sicherheitsupdates nicht mehr den Weg aufs eigene Telefon finden. Insofern mutet die Werbung im folgenden Video für den aktuellen Android-Kecks (8.0 Oreo) etwas bizarr an.

Android 8.0 Oreo ist gelandet.

Wichtig am Ende ist doch festzuhalten: Veränderung ist gut, allerdings auch nur dann, wenn sie der Verbesserung dient. Wandel um seiner Selbstwillen dagegen ist Ausdruck von Schwäche und blanke Featuritis.

Du hast den Überblick über alle jemals vorgestellten Features von iOS fürs iPhone und iPad? Tatsächlich? Wow! Aber so ganz glauben können wir dies noch nicht. Bevor wir in den Staub fallen und vor dir niederknien, musst du uns deine geistige Überlegenheit zunächst in diesem Quiz beweisen.


Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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