Recht auf Smartphone-Updates: Die Idee ist gut, doch ist die Wirtschaft auch willig?

Sven Kaulfuss 3

Abseits der klischeehaften und oft zitierten „Gurkennorm“ hat die EU dann doch hin und wieder sinnvolle Einfälle. Gegenwärtig möchten das europäische Parlament und der Rat den Verbraucher in seinen Rechten stärken und ihm am Ende sogar zu regelmäßigen Smartphone-Updates verhelfen. Doch ist die Wirtschaft auch willig? Das Thema meiner heutigen Wochenend-Kolumne.

Recht auf Smartphone-Updates: Die Idee ist gut, doch ist die Wirtschaft auch willig?
Bildquelle: pixabay.

Was für eine grandiose Idee, die EU möchte doch tatsächlich das bisher eher theoretische Gewährleistungsrecht europaweit reformieren – wir berichteten. Allen voran soll die lästige Beweislastumkehr nach hintern geschoben werden – vorbildlich. Aktuell muss nämlich der Käufer dem Händler bereits schon nach sechs Monaten nachweisen, dass der Fehler beim Produkt schon von Anbeginn existierte.

Geht’s nach der neuen Regelung, dann greift die Beweislastumkehr aber erst nach ein oder gar zwei Jahren. Der „zahnlose Tiger“ Gewährleistung wird endlich schlagkräftig und der Kunde darf sich fortan wirklich wie ein König fühlen. Des Weiteren sieht die Regelung vor, dass Updates für Hersteller von Smartphones und aller weiterer technischen „Spielzeuge“ verpflichtend sind. Sprich, der Kunde erhält also ein „Recht auf Updates“ für sein iPhone (iOS) und Android-Smartphone, wenngleich die detaillierten Vorgaben zu Umfang und Frequenz noch unbekannt sind. In der Praxis würde dies wohl aber bedeuten, dass ausbleibende Updates wie Mängel behandelt werden und ein Rückgaberecht beinhalten.

Nur die wenigsten Android-Smartphones laufen mit der aktuellen Systemversion (im Video) – die EU hat was gegen die Update-Muffels bei den Herstellern:

Das ist Android Pie.

Recht auf Smartphone-Updates: Apples macht es vor

Klingt in der Theorie doch wunderbar, oder? Leider wohl nur in der Theorie, denn der Großteil der Wirtschaft dürfte vor einem Problem stehen. Nicht wenige (Billig)Hersteller von Smartphones und anderer Geräte verzichten nämlich bewusst auf einen Software-Support. Sie können auch gar nicht anders, denn der Verkaufspreis der Geräte lässt keinerlei Spielraum für einkalkulierte Service-Arbeiten und damit etwaige Updates. Hauptsache viel, schnell und billig verkaufen.

Bei Apple haben Kunden gut lachen, denn selbst ein iPhone 5s von 2013 wird das nächste Systemupdate auf iOS 12.2 noch erhalten:

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iOS 12.2: 7 kommende Funktionen für iPhone & iPad.

Das Gegenkonzept wird exemplarisch bei Apple deutlich. Ein iPhone kostet vergleichsweise viel Geld, dafür erhält man aber auch über Jahre noch das jeweils aktuellste Betriebssystem fürs Smartphone – kostenfrei. Oder anders gefragt: Welches Android-Smartphone aus dem Jahre 2013 läuft denn 2019 mit der aktuellsten Version? Richtig, keines. Auch so lassen sich die günstigen Preise bei Apples Konkurrenz begründen, die eigentlich für Updates dann schon längst Geld verlangen müssten – so Kollege Kaan Gürayer in einem Kommentar aus dem Jahre 2018.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Folgen: Wirtschaft nicht vorbereitet, Preise von Smartphones steigen

Nein, die Wirtschaft ist größtenteils auf eine solche Gesetzesnovelle nicht vorbereitet, stellt sie doch vielfach das Geschäftskonzept in Frage. In der Praxis würde dies wohl zunächst zu einer Bereinigung des Marktes führen. Händler würden Billigmarken ohne Support verbannen – zu groß das Haftungsrisiko. Firmen wie Apple könnten davon wieder profitieren. Allerdings: Auch die Preise dürften dann wieder generell steigen, denn Support-Arbeiten an Updates und mehr würden in die Verkaufspreise kalkuliert werden.

Aktuelle Smartphone-Bestseller auf Amazon *

Würden, hätten … Fahrradkette. Was man nicht vergessen sollte, all dies existiert derzeit nur in einer „Wunschvorstellung“ der EU. Noch müssen die Staaten dem geschlossen zustimmen. Zeit für die Lobbyisten mal richtig Vollgas zu geben, um „Schlimmeres“ zu verhindern. Kann doch nicht sein, dass am Ende der Verbraucher als Gewinner dasteht, oder? Denn willig sind die „Billigheimer“ sicherlich nicht, die neuen Gesetze einfach so hinzunehmen. Zur Klarstellung: Der letzte Absatz sollte nur mit dem richtigen Verständnis von Humor und Ironie gelesen werden.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

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