Apple iOS 8: Gut kopiert ist blöd gelästert [Meinung]

Frank Ritter 50

Apple wird im Herbst mit dem gestern Abend vorgestellten iOS 8-Update zahlreiche neue Features auf seine Geräte ausrollen. Manche davon sind sehr interessant und weisen in eine offenere Richtung für das Betriebssystem von iPhone und iPad. Andere sind inspiriert von Features, die Android-Nutzer seit Jahren wertschätzen – und auch das ist völlig okay. Nur ist es an der Zeit, dass Apple sich und seinen Nutzern das eingesteht und aufhört, gegen die Konkurrenz in Form von Android zu ätzen.

Apple iOS 8: Gut kopiert ist blöd gelästert [Meinung]

Es gehört zu Apples Selbstbild, in Sachen Hard- und Software voranzugehen. Das gestern vorgestellte iOS 8, das für Entwickler in einer ersten Betaversion ab sofort und in der finalen Version ab Herbst bereitstehen soll, hat zumindest einige Features, die wegweisend sind. Die hervorragende Integration von iMessage und Telefonie mit dem Rechner des Nutzers (zumindest, wenn es sich um einen Mac mit OS X 10.10 handelt) etwa, die den Google-Konkurrenten Hangouts etwas im Regen stehen lässt. Und auch, wenn wir deren Performance noch nicht final beurteilen können, sind die neue Programmiersprache Swift und das 3D-Grafik-API Metal gewiss interessante Neuerungen.

Andere Features hingegen sind schlicht und einfach abgekupfert. Der Sprachassistent Siri wird künftig per Hotword – „Hi Siri“ – nutzbar sein, Apple hat sich endlich durchgerungen, Drittanbieter-Tastaturen zuzulassen und seine eigene mit Wortvorschlägen angereichert. Das Sharing-Menü wird nun endlich für alle Apps geöffnet, außerdem sind Benachrichtigungen dank „Widgets“ nun interaktiver und Fotos stehen ab sofort (5 GB iCloud-Speicher sind kostenlos) auf allen Geräten simultan zur Verfügung. Tolle Features, für Android-Nutzer aber samt und sonders alte Hüte.

Bitte nicht falsch verstehen, ich bin für den Fortschritt und coole Features für alle. Auch wenn Apples Walled Garden-Politik weiterhin nicht wegzudiskutieren ist (Hey, es soll auch PC-Nutzer geben, die ein iPhone besitzen und an ihrem Rechner gern darüber telefonieren würden), kann man die sanfte Öffnung von iOS gegenüber Apps von Drittanbietern immerhin als Tauwetter bezeichnen.

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Apple-CEO Tim Cook glaubt, dass „viele“ unzufrieden sind mit Android

Tim Cook hat es sich auf der Bühne gestern aber nicht nehmen lassen, erneut gegen Android zu stänkern: Die Update-Situation sei furchtbar, im letzten Jahr habe es 130 Millionen neue iOS-Nutzer gegeben, „viele“ seien im vergangenen Jahr von Android gewechselt. Ja, mag sein, auch wenn Cook eine genaue Zahl schuldig bleibt. Das dürfte aber nicht zuletzt damit zusammenhängen, dass es erst seit dem letzten Jahr iPhones in China gibt und Android dort zuvor das dominante Smartphone-OS war – Android ist als frei verfügbares OS dort (und hier) auch in extrem billigen Geräten verbaut, die kaum jemanden zufrieden stellen. Es ist dieser gute alte Apfel-mit-Birnen-Vergleich, den man auch in Foren und Blogkommentaren gerne liest: „Ich hatte vorher eine 99 Euro-Plastikmöhre mit Android 2.3, jetzt besitze ich das iPhone 5s und könnte nicht glücklicher sein!“

Ja, auch die immer wieder hervorgebrachte Problematik fehlender Updates war Teil von Cooks Argumentation – wir haben bereits erklärt, warum der Aspekt der Android-Fragmentierung übertrieben wird. Und schließlich sollte man, um einer vagen Aussage mal konkrete Gegenbeispiele entgegenzusetzen, auch genug Nutzer, die von iOS auf Android gewechselt sind – und nicht glücklicher sein könnten:

Es gibt genug andere solcher Geschichten vom glücklichen Wechsel von iOS zu Android im Netz – und natürlich auch in die Gegenrichtung. Apple ist jedenfalls sicher nicht der Heilsbringer, als der Tim Cook den Konzern schildert und sollte sich mit Ätzereien oder gar Patentklagen gegen die Konkurrenz zurückhalten – zumindest, solange diese Konkurrenz auch als überdeutliche Inspirationsquelle herhalten muss. Wir plädieren stattdessen dafür, die Frage nach dem optimalen Smartphone- oder Tablet-OS weiterhin individuell anhand der eigenen Bedürfnisse zu beantworten. Alles andere ist überflüssige Ideologie.

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