iOS 9: Apple plant Google-Now-Konkurrenten "Proactive"

Florian Matthey 2

Apple möchte den Funktionsumfang von Siri und der Spotlight-Suche deutlich ausbauen. Die unter dem Projektnamen „Proactive“ geplanten Features sollen nach und nach Teil des iOS 9 werden. Das fertige Produkt dürfte dann Google Now ähneln.

iOS 9: Apple plant Google-Now-Konkurrenten "Proactive"

9 to 5 Mac hat Details über Apples „Proactive„-Pläne erfahren. Die neuen Features sollen an die Apple-Apps Siri, Kontakte, Kalender und Passbook anknüpfen und in einem gewissen Umfang über eine Siri-API auch mit Drittentwickler-Apps arbeiten können. Bei der Entwicklung von Proactive habe Apple die Technologien einiger kleinerer Firmen verwendet, die das Unternehmen in den letzten Jahren übernommen hat.

In erster Linie soll Proactive eine Evolution der Suchfunktion Spotlight sein, die dann auch mit einem neuen Branding - wie eben „Proactive“ - auftreten könnte. Zunächst werde Apple die Suchfunktion wieder offensichtlicher ins Betriebssystem integrieren - seit dem iOS 7 befindet sich Spotlight nicht mehr links vom ersten Home-Screen, sondern darüber; der Benutzer muss also nach unten „wischen“. Dadurch könnte das Feature einigen Benutzern gar nicht mehr aufgefallen sein, weshalb Apple zumindest über eine Rückkehr an die linke Seite nachdenkt.

Siri und Spotlight werden intelligenter

Mit Proactive sollen die Suchfunktion und Siri deutlich „intelligenter“ werden: Wenn der Benutzer nach einem Thema sucht, das sich aktuell in den Nachrichten befindet, zeigt Spotlight automatisch auch entsprechende Artikel an. Die Software kennt außerdem Informationen über den Benutzer aus anderen Apps - also ob sich beispielsweise ein Flugticket in Passbook befindet. Wenn der Benutzer also nach der Abflugzeit sucht, erscheint ein Button, über den sich das Ticket direkt aufrufen lässt. Befindet sich wiederum ein Termin im Kalender, erinnert Proactive nicht nur daran, sondern zeigt dem Benutzer auch, wann er nach aktueller Verkehrslage losfahren sollte.

Andere Features sollen an die Gewohnheiten des Benutzers anknüpfen: Öffnet er nach dem Aufstehen zuerst eine App wie Facebook, dann zeigt Proactive zur entsprechenden Zeit eine Verknüpfung zu Facebook; ruft der Benutzer zu einer bestimmten Zeit immer seine Mutter an, erscheint auch hierfür automatisch ein Button.

Augmented-Reality-Features mit den Apple-Karten

Als Anknüpfung an die Apple-Karten kann Proactive automatisch Restaurants und deren Speisekarten sowie andere Lokalitäten in der Umgebung anzeigen. Hierfür habe Apple ein eigenes „Points of Interest“-System entwickelt. Das Ganze soll auch mit Augmented-Reality-Features arbeiten: Wenn der Benutzer die Kamera aktiviert und diese in Richtung eines Restaurants ausrichtet, zeigt die Software als Teil des Kamera-Bildes Informationen über dieses Restaurant. Richtet er die Kamera auf eine Straße, teilt ihm die Software mit, was sich in dieser Straße befindet.

Siri-API bringt Anbindung an Drittentwickler-Apps

Hinzu kommt, dass Siri und Spotlight über eine Programmierschnittstelle auch auf Informationen in Apps von Drittentwicklern zugreifen können. Apple möchte dieses Feature aber zunächst limitieren, um die Privatsphäre der Benutzer zu schützen: Ansonsten könnte es passieren, dass Siri Informationen an eine App weitergibt, die der Benutzer gar nicht aufrufen wollte, wenn Siri ihn einmal falsch versteht.

Deshalb habe Apple sich unter dem humorvollen Codenamen „Breadcrumbs“ entschieden, den Funktionsumfang zu beschränken: Apple wirft den Entwicklern zumindest ein paar „Brotkrumen“ hin. Siri erhalte daher nur im begrenzten Umfang Zugriff auf Informationen in Apps. Als Beispiel nennt 9 to 5 Mac die Netflix-App: Schaut der Benutzer oft Filme und Serien eines bestimmten Genre, dann kann Siri direkt dieses Genre in der App aufrufen. Sobald Apple Lösungen für die Privatsphäre-Bedenken gefunden hat, werde das Unternehmen den Funktionsumfang aber auch hier ausbauen.

Features sollen nach und nach kommen

Allgemein möchte Apple sich eher zurückhalten und Features erst dann veröffentlichen, wenn sie ausgereift sind - wohl auch wegen der negativen Erfahrungen mit den Apple-Karten des iOS 6. Daher werde der volle Funktionsumfang von Proactive möglicherweise nicht Teil des iOS 9.0 sein; stattdessen könnten die Features in Updates wie iOS 9.1 und 9.2 hinzukommen. Genaueres dürften wir im Rahmen der WWDC-Keynote am 8. Juni erfahren.

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