iTunes: Die Geschichte von Apples Medienzentrale

Martin Maciej

Apples Verwaltungsprogramm für multimediale Inhalte aller Art blickt inzwischen auf zwölf Jahre Entwicklungszeit zurück. Dabei wurden dem Programm viele Funktionen hinzugefügt, von denen es einige bis heute nicht überlebten. So hat sich iTunes zu einem Must-have auf vielen Computern dieser Welt etabliert. Insbesondere die Einführung des iTunes Music Stores sowie die kontinuierliche Popularität der portablen iOS-Geräte iPod, iPad und iPhone sorgen dafür, dass iTunes auf vielen Rechner dieser Welt Einzug genommen hat. Der Überblick über die Geschichte von iTunes zeigt, wie Apples Medienzentrale die Medienwelt durcheinander wirbelt.

Wirkt der iTunes Download auf den ersten Blick wie ein austauschbarer Medienplayer, verstecken sich im Programm vielfältige Funktionen, die den Konsum von Musik über die Jahre revolutionierten und iTunes bis heute, rund zwölf Jahre nach erscheinen der ersten Version zu einem unverzichtbarem Stück Software auf vielen Computer gestalten.

iTunes Geschichte: Das Fundament

SoundJam MP und die erste iTunes Version

Das Fundament von iTunes bildet die MP3-Anwendung „SoundJam MP“. Dabei handelt es sich um einen MP3-Player für Mac, der 1999 veröffentlicht wurde. Im Jahre 2000 übernahm Apple die Software samt den daran beteiligten Entwicklern. Die erste Version von iTunes gab sich demnach optisch und im Funktionsumfang noch sehr ähnlich zum ursprünglichen Player „SoundJam MP“. Die Entwickler von Apple vereinfachten für die erste iTunes-Version die Bedienungsoberfläche und ermöglichten das Brennen eigener CDs über das Programm. Auch die Erstellung eigener Wiedergabelisten für Musikinhalte und Begleitung der Musik durch visuelle Effekte war in dieser ersten Version bereits möglich. Am Releasetag, dem 9. Januar 2001 begann der Erfolgsweg von Apples Multimedia-Aushängeschild. Nach einer Woche verbuchte Apple bereits 275.000 Downloads auf der Habenseite.

In die Zeit des ersten iTunes Releases fällt auch der Streifzug Metallicas gegen die Tauschbörse Napster, der die sich sowieso schon im Umbruch befindliche digitale Musikwelt ordentlich umwälzte. Die damit zusammenhängende Verlagerung der Musik von physischen Datenträger in das digitale Format sollte Apple in späteren iTunes Versionen das Tor zu weiten Welt des Online-Musikhandels öffnen.

iTunes Geschichte SoundJamMP
Zunächst beschränkte sich iTunes jedoch noch auf das Verwalten der eigenen Musiksammlung zu Hause. Apple handhabte es dabei mit iTunes ähnlich wie Microsoft mit seinem Internet Explorer und lieferte eine vorinstallierte Version des Programms bei jedem Neukauf eines Mac-Computers mit. Viele Nutzer wurden hierdurch das erste Mal mit digitaler Musik konfrontiert. Beim Einlegen einer Audio-CD etwa startete sich das Programm selbstständig und fügte die Audio-Titel automatisch der eigenen Mediathek in iTunes hinzu.

Die Geschichte von iTunes - Version 2

Innerhalb weniger Monate wurde das Programm bereits eine Millionen Mal heruntergeladen. Die Entwicklung von iTunes stellte dabei erst den Anfang einer neuen Ausrichtung der Marke Apple in die Welt des Entertainments dar. 2001 erschien mit dem iPod ein MP3-Player, der eine nahtlose Integration der eigenen Liederbibliothek und Wiedergabelisten der Macs auf ein handliches, tragbares Gerät ermöglichte und somit die Mediensammlung vom Schreibtisch in die weite Welt verlagerte. Die Version 2 von iTunes, die Ende Oktober 2001 erschien, ermöglichte es Usern nun, nicht nur eigene Audio-CDs, sondern auch abspielbare MP3-CDs zu brennen. Zudem wurde die iTunes Qualität in Sachen Soundwiedergabe verbessert. Insbesondere das Optimieren des Crossfaders sorgt dafür, dass iTunes auch heute noch das Hauptwerkzeug vieler DJs ist.

Die Geschichte von iTunes - Version 3

18 Monate nach der Einführung von iTunes wurde das Medienprogramm bereits 14 Millionen Mal heruntergeladen. iTunes 3, erschienen Mitte 2002, veränderte demnach nur wenig am erfolgreichen Konzept. Die Unterstützung von Hörbüchern wurde unter anderem optimiert. Auch die Playlistverwaltung und Organisation der Mediathek wurde z. B. durch das Hinzufügen neuer Kategorien erweitert.

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iTunes Geschichte – Revolution des Musikmarktes

iTunes Geschichte - 4. Version von Apples Medienprogramm

iTunes 4, im April 2003 erschien, wurde ebenfalls mit nur minimalen Verbesserungen ausgestattet. Dennoch revolutionierte diese Version die Musikwelt nachhaltig. Während die Musikindustrie der Entwicklung auf dem Musikmarkt hinterherhinkte und stets neue Umsatzeinbußen hinnehmen musste, verstand Apples es, die Funktionalität der digitalen Downloads auf legalem Wege einzuführen. So verdrängte Musik im Dateiformat die alteingesessene CD und Tauschbörsen erfreuten sich einer konstanten Beliebtheit.

Ende April öffnete der iTunes Music Store (heute nur noch iTunes Store genannt) seine Pforten. Hier konnten User anfangs eine Auswahl von 200.000 angebotenen Liedern der größten Labels durchforsten und per Mausklick direkt auf den eigenen PC holen. Nun hatten Nutzer erstmalig einen legalen Weg um online Musik in großem Maß zu beziehen, ohne das eigene Wohnzimmer dafür verlassen zu müssen.

Anfängliche Hürden, wie die geringe Auswahl an Liedern, das Fehlen von Musik abseits der Mainstream-Labels und die Restriktion, die heruntergeladenen Dateien zunächst nur auf den hauseigenen iPod und keinen anderen MP3-Player übertragen zu können stellten keine Hindernisse im Aufbruch der Erfolgsgeschichte des iTunes Music Stores dar. Nach fünf Tagen verbuchte der iTunes Store bereits eine Millionen verkaufter Songs, nach vier Monaten lag die Marke bei zehn Millionen. Um den Markt darüber hinaus zu vergrößern, war der iTunes Store ab Oktober 2003 auch für Nutzer von Windows-Systemen zugänglich. 2004 konnte zudem der europäische Markt an der digitalen Revolution teilhaben.

iTunes 5

iTunes in der Version 4 hielt sich solange, wie keine andere Version auf dem Software-Markt. Erst 28 Monate später ließ Apple mit iTunes 5 die neueste Variante des Mediencenters auf die Nutzer los. Hier wurden insbesondere das Design und die Suchfunktionen des Stores optimiert. Innovationen blieben mit dieser Version jedoch aus.

iTunes 6 – Erstmalig in der Geschichte mit Videoinhalten

iTunes 6 - Einführung von TV-Sendungen

Nur vier Wochen später erschien jedoch bereits iTunes 6. Diese Version brachte Neuerungen im Store. So konnten gekaufte Inhalte zum Beispiel an andere Nutzer verschenkt werden. Zudem konnten zu den eigenen Inhalten nun Reviews verfasst werden.

Erstmalig in der Geschichte von iTunes wurde zudem mit iTunes 6 der Zugang zu Videoinhalten ermöglicht. Neben Musikvideos für die tragbaren iPods konnten nun TV-Sendungen und Serien über iTunes auf die heimische Festplatte übertragen werden. Zu Anfang waren dabei erst fünf Serien, darunter „Lost“ und „Desperate Housewives“ vertreten. Der erstaunliche Erfolg ließ jedoch andere Unternehmen nicht davon ab, auch Ihre Inhalte im iTunes Store anzubieten. Innerhalb weniger Wochen konnte das Angebot mit der Teilnahme von Anbietern wie NBC, MTV, Fox und CBS auf eine Anzahl von insgesamt 220 Shows aufgerüstet werden.

iTunes 7 - Jetzt auch mit Filmen

Mit iTunes 7 vom September 2009 konnten iPod Nutzer nun auch Spiele auf Ihr tragbares Gerät laden. Dazu wurde eine neue Navigation im Programm eingeführt und die Benutzeroberfläche aufgefrischt. Mit iTunes U hatten Nutzer nun erstmalig Zugang über iTunes zu wissenschaftlichen Arbeiten der führenden Universitäten in den USA. Mittlerweile wurde iTunes U auch mit einem deutschen Angebot ausgestattet.

Einen weiteren Meilenstein in der Geschichte von iTunes stellte die erstmalige Verfügbarkeit von Filmen im iTunes Store mit der Version 7 dar. Anfangs bestand das Angebot aus rund 75 Filmen von Disney, Pixar, Touchstone und Miramax. Mittlerweile bieten alle namhaften Filmstudios ihre Filme in digitaler Form im iTunes Store an. Mit diesem Schritt hat Apple die Vielseitigkeit von iTunes noch einmal reichhaltig ausgebaut. Handelte es sich anfangs um einen reinen MP3-Player mit einigen Zusatzfunktionen, hat sich iTunes über die Jahre bis Version 7 zu einem mächtigen Multimedia-Center herausgeputzt.

iTunes 8 - Die personalisierte Musik-Geschichte mit iTunes Genius

Viele kleine Miniupdates später folgte im August 2008 das Versionupgrade auf iTunes 8. Mit diesem Update wurde das iTunes Genius Feature eingeführt, welches die eigene Bibliothek personalisiert. Anhand der eigenen Hörgewohnheiten erstellt iTunes personalisierte Wiedergabelisten und gibt Vorschlage anhand der Auswertung der gehörten Lieder. Im selben Schritt kann Apple mit dieser Methode auf die Hörgewohnheiten der Nutzer zugreifen.

iTunes 9 - Zusatzinhalte mit iTunes LP

In iTunes 9 vom September 2009 wurde das Design vereinfacht. Dieses besteht nun aus einem weißen Hintergrund und legt damit mehr den Fokus auf Albumcovers und weitere eine Präsentation der Medieninhalte. Zudem folgten mit diesem Update einige Geschwindigkeitsoptimierungen.

Mit iTunes LP wurde ein beliebtes Feature eingeführt. Beim Einkauf im iTunes Store können Nutzer nun zwischen den reinen Musikdateien wählen oder für einen Aufpreis weitere Zugaben auf Ihren Rechner bekommen, z. B. in Form von PDF-Booklets, Songtexten, Fotos u. Ä. Auch Videos werden nun in einer erweiterten Version angeboten, um z. B. Extras zu den Hauptfilmen zu erwerben.

iTunes 10 - Integration der iCloud

Mit iTunes 10 vom September 2010 folgt der Versuch, durch iTunes Ping ein soziales Netzwerk zu etablieren. Nach gut zwei Jahren ist dieser Teil von iTunes mangels Erfolg jedoch wieder Geschichte.

Die Bedienoberfläche wurde in der iTunes Version 10 weiter verschönert und die Ansicht der eigenen iTunes Mediathek aufpoliert. Mit dem Release von iTunes 10 können Nutzer zudem Ihre Medieninhalte über das eigene Heimnetzwerk auf alle Geräte verteilen und die Mediathek abseits des eigenen Computers zu nutzen.

Pünktlich zu Steve Jobs 55. Geburtstag am 24. Februar 2010 verbucht der iTunes Store die gigantische Zahl von insgesamt 10 Milliarden heruntergeladenen Songs.

iTunes Geschichte Cloud Screenshot
iTunes 11 - iTunes Ping ist Geschichte, Facebook und Twitter werden integriert

iTunes 11 erschien im November des Jahres 2012. Während iTunes Ping wieder von Bord geworfen wurde, wurde die Unterstützung von Facebook- und Twitterfunktionen integriert. Von vielen Nutzern wird die Deaktivierung der iTunes Seitenleiste kritisiert. Apple möchte sich aber genauso wie etwa Mozilla mit Ausblendung der Menüleiste bei ihrem Firefox auf die zentralen Funktionen fixieren und störendes Beiwerk ausblenden. Mit der entsprechenden Einstellung lässt sich die Seitenleiste aber problemlos wieder aktivieren. Zudem baut iTunes die Funktionen der iTunes iCloud mit der aktuellen Version von iTunes weiter aus.

iTunes - Aussichten

Der Weg von iTunes wird auch mit der 11. Version noch lange nicht vorbei sein. Insbesondere die Zusammenarbeit von Computer und iOS-Gerät machen die Multimedia-Zentrale zu einem unverzichtbaren Programm auf vielen Rechnern. Doch im Bereich der digitalen Musik wächst bereits eine ernstzunehmende Konkurrenz für den iTunes Store an, z. B. durch die Musik-Streaming-Software „Spotify“.

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