Auf der Google I/O, die vergangene Woche in San Francisco stattfand, wurden viele Fragen zu Googles neuem Flaggschiff-Tablet Nexus 7 sowie der darauf laufenden neuesten Android-Iteration 4.1 alias „Jelly Bean“ beantwortet. Allerdings ergaben sich gleichzeitig auch neue Fragen, von denen manche unbeantwortet blieben – beispielsweise zum überarbeiteten Benachrichtigungsfeld und zum ungewöhnlichen Layout der Bedienoberfläche auf dem 7 Zoller.

 

Android 4.1 Jelly Bean

Facts 

Bislang war das Android-Layout klar geregelt: Alles, was ein Display unter fünf Zoll (oder auch 5,3 Zoll, wenn man das Galaxy Note berücksichtigt) besitzt, ist ein Smartphone und sowohl Launcher als auch Apps werden entsprechend (vertikal) dargestellt. Geräte die größer sind, also gewöhnlich im Bereich sieben bis zehn Zoll liegen, sind Tablets und präsentieren sich mit horizontalem Launcher, angepasster Menüführung und übersichtlicherer Darstellung der Anwendungen.

Nun kommt mit dem Nexus 7 aber ein Tablet von Google selbst daher und wirft diese Regeln durcheinander: Der Launcher sieht im Grunde aus wie bei einem zu groß geratenen Smartphone – da er keine Rotation unterstützt und sich somit von den übrigen, meist im Landscape Modus verwendeten Tablets abhebt –, bekommt dafür aber im Dock zwei weitere Plätze zum Ablegen von Apps und Ordnern spendiert. Die Anwendungen dagegen werden – sofern eine solche Ansicht vorgesehen ist – Tablet-typisch dargestellt. Eine Begründung hierfür wurde seitens Google nicht gegeben, während auch bei den ersten Reviews etablierter Online-Magazine diese Tatsache bislang gar nicht angesprochen wurde.

Es gibt dennoch einige naheliegende Vermutungen, warum Google diese Designentscheidung getroffen haben könnte – und dafür muss zunächst der Vergleich mit dem bisherigen Marktführer der Tablet-Sparte angestellt werden: Apples iPad wurde bei seinem Release 2010 zunächst auch als überdimensionierter iPod Touch verlacht, eben weil die Benutzeroberfläche des Media-Players fast eins zu eins übernommen wurde. Im Nachhinein hat sich die Entscheidung Cupertinos allerdings als richtig herausgestellt; das iPad begründete einen neuen Trend im Mobilbereich. Warum hat das so gut geklappt? Eben weil das UI dem Benutzer vertraut war; er musste sich kein neues Bedienkonzept aneignen, sondern hatte einfach einen iPod in groß.

Google dagegen hat sich zum Einstieg in den Tablet-Markt mit Android 3.0 Honeycomb dazu entschieden, eine neue, für Tablets optimierte Benutzeroberfläche einzuführen. Die damals ziemlich bescheidenen Verkaufszahlen von Android-Tablets deuteten allerdings an, dass diese beim Endnutzer nicht ankam – möglicherweise auch aufgrund des ungewohnten Aussehens, das vielleicht gar nicht mit Android assoziiert wurde.

Einfluss auf das Nexus 7-Tablet dürfte auch der direkte Konkurrent, das Kindle Fire aus dem Hause Amazon gehabt haben: Dieses wird zwar mit einer stark modifizierten Variante von Android betrieben, so dass man die Oberflächen eigentlich nicht direkt vergleichen kann, dennoch ist beiden Geräten die Ausrichtung auf die Verwendung im Portraitmodus gemein (der eben das Format eines Buches immitieren soll).

Mit dem Start des Nexus 7 geht auch die Einführung von Android 4.1 Jelly Bean einher, welches auch als Vorabversion für das Galaxy Nexus bereits erschienen ist. Neben der lange überfälligen Performance-Optimierung ist hier vor allem das neue, überarbeitete Benachrichtigungsmenü interessant. Android-Nutzern schon seit je her bekannt ist die Notifikationsleiste am oberen Bildschirmrand, die mit einem Fingerwisch vergrößert werden kann, um Benachrichtigungen im Detail zu betrachten. Mit Jelly Bean wird dieses Feature nun zum ersten Mal grundlegend überarbeitet: Beim Herunterziehen der oberen Leiste erscheint nun die überarbeitete Übersicht.

Dabei verbleiben Uhrzeit und Informationen über W-LAN und Datenempfang beim Öffnen der Leiste nicht wie gehabt an Ort und Stelle: Nun wird das Datum gemeinsam mit der Uhrzeit kompakt am linken Rand angezeigt, während die übrigen Informationen komplett verschwinden – beim Nexus 7 spielt das Ausblenden des Verbindungsstatus keine große Rolle, da das Gerät lediglich über ein WLAN die Verbindung zum Internet herstellen kann.

Zudem nehmen die Benachrichtigungen bei Googles Flaggschiff-Tablet nicht wie gewohnt den kompletten Bildschirm ein, sondern werden zentriert und bündig mit der oberen Kante des Tablets dargestellt. Beim Galaxy Nexus aber wird das komplette System überdeckt, ohne dass die Benachrichtigungen daran „verankert“ sind, wie das bisher der Fall war. Weil die veröffentlichte Version für das alte und neue Android-Flaggschiff jedoch noch nicht final ist, wäre es nicht verwunderlich, wenn sich die Darstellung auf kleineren Geräten bis zum offiziellen Rollout noch ändern wird.

Weitere Fragen aber bleiben offen: Besitzt Googles Tablet als Nexus-Gerät einen Sonderstatus, was das UI betrifft oder wurde hier, ohne ein Wort darüber zu verlieren, ein neuer Standard für 7 Zoll-Tablets eingeführt? Oder noch radikaler: Wird Google die Tabletoberfläche komplett einstampfen und durch die neue, simplere Hybrid-Darstellung ersetzen? Eine definitive Antwort darauf wird wohl erst die weitere Verbreitung von Android 4.1 bringen.

Was haltet ihr von der Benutzeroberfläche des Nexus 7? Würdet ihr euch eine simplere UI für Tablets auch im 10 Zoll-Bereich wünschen? Meinungen wie immer in die Kommentare.

Lukas Funk
Lukas Funk, GIGA-Experte.

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