Mac OS XI: So sieht der Mavericks-Nachfolger im iOS-7-Design aus

Flavio Trillo 2

Mit der letzten Keynote hat Apple für so manche Überraschung gesorgt. Die Änderungen an iOS 7 und dem neuen Mac Pro waren zum Teil sehr krass — damit haben viele nicht gerechnet. Was aber, wenn Apple es mit dem Design-Umschwung nicht bei iOS bewenden lässt?

Mac OS XI: So sieht der Mavericks-Nachfolger im iOS-7-Design aus

Apple musste sich in den letzten Monaten häufig den Vorwurf anhören, es mangele bei neuen Produkten an Innovation. Gemessen am Maßstab eines iPhone (2007) oder später des iPhone 4 (2010) habe sich zu lange nichts „Großes“ getan, hieß es. Heute kann man kaum noch davon sprechen, dass es zu wenig Neues gab.

Apple ist „wieder da“: Innovative Hard- und Software

Der Mac Pro ist ein völlig neuartiges Tier, für das es noch kein Pendant bei Dell, HP und Co. gibt. Eine äußerst kompakte Arbeitsstation mit Hochleistungs-Innereien, zugeschnitten auf besonders Anspruchsvolle — ohne denen aber die Erweiterung zum Beispiel der Grafikleistung zu ermöglichen.

Sicher, zwei FirePro-GPUs dürften eine Weile genügen. Aber wenn man von einem Preis jenseits der 2.500 Euro ausgehen kann, sollte sich der Kauf für mehr als ein paar Jahre lohnen. Andere meinen derweil, die Hauptabnehmer des Mac Pro stoßen ihre Rechner ohnehin nach Ende der Abschreibungszeit ab. Für kleine und mittelständische Unternehmen gilt das aber nicht in jedem Fall.

Doch nicht nur die Hardware polarisiert. Allein das Redesign von iOS 7 zeugt davon, wie wenig man bei Apple auf Tradition gibt — im Sinne eines Festklammerns an Konventionen oder vermeintlich Etabliertem.

Auf den ersten Blick wurden dezent einige Skeuomorphismen beiseite gefegt, auf den zweiten gleich die gesamte Philosophie hinter der Bedienung und der Oberfläche mit dem Frühjahrsputz hinausgeworfen. Sie treffen Scott Forstall beim Gehen am Hinterkopf.

„Da hast Du dein Pseudo-Leder, deinen Filz“, scheinen sie ihm hähmisch hinterher zu rufen, Craig Federighi und seine Kollegen. Mit seinen flotten Scherzen traf Apples Chef-Ingenieur auf der Bühne ziemlich genau diesen Ton, wenn auch in andere Worte gekleidet.

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iOS und OS X: Eine optische Einheit

Jetzt, wo man dem Diktat der Reproduktion realer Objekte in der virtuellen Oberfläche entkommen ist, sind der Fantasie keine Grenzen mehr gesetzt. Das bedeutet

aber auch, dass wir uns auf einiges gefasst machen müssen.

Wir stellen zunächst fest, dass iOS im Laufe der Jahre Elemente aus dem Desktop-System eingepflanzt wurden — zuletzt Airdrop mit iOS 7. Umgekehrt haben mit OS X 10.7 Lion ein paar Funktionen von iOS Einzug auf dem Desktop-Betriebssystem gehalten.

Zum Beispiel iCloud (mit OS X 10.7.2) oder einige iOS-ähnliche GUI-Elemente. Mit OS X 10.8 legte Apple noch einmal nach: Benachrichtigungszentrum, Game Center (inklusive grünem Filz), Nachrichten, Notizen – iOS-Look, iOS-Nomenklatur. Spinnt man diese Entwicklungen in Gedanken weiter, kommt man irgendwann zu der Frage: Ist es nicht bald an der Zeit für ein Redesign für Mac OS?

Ich meine ja, es ist an der Zeit. Nicht heute und es wird auch morgen nicht sein. Aber irgendwann in den nächsten zwei Jahren kommt OS XI und da muss es knallen.

Ein paar neue iCloud-Funktionen und ein noch besserer Safari-Browser mögen für ein 10.x-Update genügen. Wird die Zahl vor dem Komma größer, reicht das aber nicht. Eine stark überarbeitete Benutzeroberfläche wäre da genau das richtige.

OS X Mavericks macht’s vor: Neues Design muss her

Und völlig aus der Luft gegriffen ist diese Idee nicht. Schaut man sich die erste Beta-Version von OS X 10.9 Mavericks an, die Apple direkt nach der WWDC veröffentlich hat, erkennt man bereits erste Ansätze der neuen Designsprache.

Beweisstück A: Die Notizen-App unter Mavericks. Vergleicht man sie mit der von Mountain Lion, erkennt man frappierende Unterschiede. Weg ist der Anschein eines echten Notizblocks (abgesehen von der leichten Struktur im rechten Bereich). Fort die Ansätze abgerissener „Blätter“. Allein die Schriften zeugen noch von der Vorstellung, eine Notiz-Anwendung müsse irgendwie aussehen, als würde man mit einem Filzstift auf ein Blatt schreiben.

Beweisstück B: Der Kalender. Unter Mountain Lion immer noch ein Kunstleder-Fest, verliert er in Mavericks nicht nur seine angestaubte Kuhhaut. Auch die übrige Oberfläche wirkt etwas leichter. Das wird durch randlose Farbflächen erreicht, das kontinuierliche Scrollen tut sein Übriges dazu. Blätter-Animation, ade.

Beweisstück C: Kontakte. In OS X 10.8 ein offenes Buch, unter Mavericks ein schlichtes, unspektakuläres Fenster mit allen nötigen Informationen. Fast schon ein wenig langweilig, aber es ist ja bisher auch nur eine Beta-Version. Das heißt, es kann sich noch eine Menge tun, sowohl im Design als auch den Funktionen.

Gegenbeweis A1: Um Himmels Willen, Photo Booth…

Mockups: So sähe OS X im iOS-7-Design aus

Diese Liste ließe sich noch fortführen. Ihr seht, die Anfänge sind gemacht. Trotzdem ist es noch ein weiter Weg zu einem Mac-Betriebssystem im iOS-Look. Nichts, was man innerhalb weniger Monate umsetzen kann. aber die Planung hierfür läuft schon seit einiger Zeit, da bin ich mir sicher.

Vielleicht sehen wir schon auf der WWDC 2014 ein brandneues OS XI, das Joni Ive uns als die beste Erfindung seit der ersten grafischen Benutzeroberfläche präsentiert. Vielleicht dauert es auch noch ein weiteres Jahr. Allerdings klingt OS X 10.10, zumindest auf Englisch („OS ten, ten point ten“ ziemlich dämlich. Schon unter sprachästhetischen Gesichtspunkten ist es also höchste Zeit also für „OS Ksi“ oder „Chi“ oder einfach „11“.

Wie nun einer der Nachfolger von OS X 10.9 aussehen könnte, das zeigen euch die folgenden Designstudien von unserem Grafiker Nik:

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