Von StarOffice bis OpenOffice: Die Story des Free Office

Martin Maciej

Hinter dem heute bekannten Office-Paket OpenOffice.org steht eine lange Geschichte, die sich in heute mehrere verschiedene Abspaltungen von gratis Office-Lösungen entwickelt hat. Heutzutage zeigt sich, dass die OpenOffice-Story zu der beliebtesten kostenfreien Alternative zu Microsoft Office geführt hat.

Akt 1 - Anfänge als StarOffice

OpenOffice kennt heute jeder. Aber kaum eine Software hat eine so bewegte Geschichte hinter sich wie der kostenlose und freie Herausforderer von Microsoft Office. Wir zeigen die Entwicklungslinie, wie aus StarOffice OpenOffice wurde, das erfolgreichste Free Office weltweit. Die Anfänge liegen noch in den 80er Jahren in Deutschland. Dort gründete der damals 16-jährige Marco Börries die StarDivision, deren wichtigstes Produkt eine Office-Software nach dem Vorbild von Microsoft Office wurde: StarOffice. Bis 1999 konnte StarDivision StarOffice 25 Millionen mal verkaufen, dann verkaufte Börries das „deutsche Office“ an Sun Microsystems im Silicon Valley.

Akt 2 - Sun OpenOffice.org

Der Unix- und Server-Pionier teilte die Software auf in ein neues OpenSource-Office und einen weiterhin kostenpflichtigen Zweig, der zusätzlich zur OpenSource-Variante Support und einige wenige proprietäre Programmbestandteile wie z.B. die Datenbank Adabas D oder zusätzliche Schriftarten bot. Die Idee war, OpenOffice von einer freien Entwicklergemeinde weiterentwickeln zu lassen, und deren Änderungen des Free Office von Zeit zu Zeit in das kommerzielle Produkt zu übernehmen. Außerdem sollte ein OpenOffice für Mac entwickelt werden. Wegen markenrechtlicher Probleme durfte die freie Bürosuite nicht OpenOffice heißen. Sun nannte das Büropaket daher einfach nach der Projekt-URL OpenOffice.org, dennoch setzte sich bei den meisten Usern der Name Open Office schnell durch.

OpenOffice.org 1 wurde am 1. Mai 2002 veröffentlicht, also drei Jahre nach der Übernahme von StarOffice. Drei Jahre später konnte OpenOffice.org in der Version OpenOffice.org 2 der Öffentlichkeit präsentiert werden, in der die fehlende Datenbank Adabas D von StarOffice durch das neue Modul OpenOffice Base ersetzt worden war. Außerdem konnten mit den neuen OpenDocument-Dateitypen ein besonders nutzerfreundliches XML-Format für Office-Dateien entwickelt werden (was Microsoft zwei Jahre später mit den neuen Dateitypen von Office 2007 kopierte).

Akt 3 - Oracle übernimmt Sun

OpenOffice.org 3.0 wurde 2008 veröffentlicht, ein Jahr später kaufte der Konkurrent Oracle Sun und übernahm damit auch das Free Office OpenOffice.org und StarOffice. Das kommerzielle StarOffice wurde in der Folge in Oracle Open Office umbenannt, was eine gewisse Verwechslungsgefahr beinhaltete. Es kam dann allerdings schnell zu Spannungen zwischen den freien Entwicklern von OpenOffice.org und dem Oracle-Management, was schließlich 2010 zur Trennung führte.

Akt 4 - Libre Office und Apache OpenOffice

Der überwiegende Teil der OpenOffice.org-Entwickler verließ das Projekt und gründete ein neues Free Office namens LibreOffice. Für die Finanzierung wurde die Stiftung The Document Foundation gegründet. Auch zahlreiche Übersetzer in den anderen Ländern folgten den Entwicklern zu LibreOffice. Oracle versuchte dann noch eine Zeitlang mit eigenen und verbliebenen Programmierern OpenOffice.org weiterzuentwickeln, was aber nicht gelang.

2011 hat Oracle OpenOffice.org an die Apache Software Foundation, ein OpenSource-Projekt, verschenkt, dadurch wurde der Name der Software erstmals in Apache OpenOffice geändert. Die Entwicklung von Oracle OpenOffice, dem ehemaligen StarOffice, wurde nach über 25 Jahren eingestellt. Wer ein aktuelles OpenOffice sucht, muss Apache OpenOffice downloaden.

Sidestep - IBM Lotus Symphony

Eine interessante Nebenlinie von OpenOffice.org ist zudem Lotus Symphony von IBM. 2008 hat der Computerpionier eine erste Version der auf dem Quellcode von OpenOffice.org basierenden Office-Software veröffentlicht, 2010 wurde die Version 3 veröffentlicht. Lotus Symphony ergänzt OpenOffice um einige weitere Features und eine neue Programmoberfläche, hängt beim verwendeten Programmcode den OpenOffice-Versionen aber naturgemäß meist einige Zeit hinterher.

Weitere OpenOffice-Themen:

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