OpenOffice und LibreOffice - Vergleich der beiden Bürosuiten

Martin Maciej

Bis vor wenigen Monaten war die Office-Welt noch einfach. Microsoft Office für alle, die eine professionelle Büro-Suite mit Support haben wollten und dafür auch bereit waren - je nach Version - recht viel Geld zu zahlen. Auf der anderen Seite diejenigen, die lieber eine kostenlose Büro-Software haben wollten, ohne deshalb groß auf Funktionen verzichten zu müssen, und sich OpenOffice.org downloaden.

Die OpenSource-Variante von StarOffice hatte die Firma Sun der Entwicklergemeinde zur Verfügung gestellt, kurz nachdem sie StarOffice von der deutschen StarDivision gekauft hatten. Als OpenOffice.org entwickelte sich das kostenlose Office-Paket hervorragend, bis Sun seinerseits aufgekauft wurde - vom kommerzieller ausgerichteten Konkurrenten Oracle.

Trennung zwischen OpenOffice und LibreOffice

Oracle wollte OpenOffice.org zwar weiterführen, zerstritt sich aber mit den freien Entwicklern. Diese zogen daraufhin ab, gründeten die Stiftung The Document Foundation und führten OpenOffice.org, da die Namensrechte noch bei Oracle lagen, einfach als LibreOffice weiter. Glücklich wurde Oracle mit der kostenlosen Bürosuite aber auch nach dem Auszug der Entwickler nicht und verschenkte das Projekt samt Namen schließlich an die Apache Software Foundation. Die benannten OpenOffice.org wieder um in Apache OpenOffice.

Seitdem haben die User die Wahl zwischen dem bekannteren OpenOffice und dem neueren LibreOffice. Welche der beiden Bürosuiten ist die bessere? Gibt es überhaupt Unterschiede, und wenn ja, wo setzen die beiden Entwicklergruppen ihre Schwerpunkte? Das verrät unser Vergleich OpenOffice-LibreOffice.

Warum LibreOffice bei Linux punktet

Diese Fragen zu beantworten fällt nicht ganz leicht. Da die Trennung vor noch nicht allzu langer Zeit erfolgte, handelt es sich zum weit überwiegenden Teil immer noch um identische Programme, dennoch gibt es schon marginale Unterschiede. Die sind vorrangig auf die derzeit aktivere Entwicklergemeinde von LibreOffice zurückzuführen, die seitdem bereits die Version LibreOffice 3.4, 3.5 und 3.6 veröffentlicht haben, während Apache OpenOffice bisher nur ein Major-Update auf Version 3.4 veröffentlicht haben. Das hat dazu geführt, dass praktisch alle relevanten Linux-Distributoren inzwischen von OpenOffice auf LibreOffice als Standard-Bürosuite gewechselt haben. Dennoch sollte man Apache OpenOffice noch nicht abschreiben, schließlich ist das Projekt - zumindest unter der neuen Führung von Apache - noch jünger als LibreOffice.

Vorteile von Apache OpenOffice und LibreOffice

Auch wenn es also nur wenige Unterschiede gibt, können diese im Einzelfall durchaus eine Entscheidung für die eine oder andere kostenlose Office-Suite zur Folge haben, wenn man genau dieses Feature benötigt. 99% aller User dürften davon allerdings nicht betroffen sein. Was die größere Feature-Vielfalt angeht, hat LibreOffice die Nase vorn, spätestens seit Version 3.6, die - nach mehreren Updates mit vorrangig Bugfixes - den Schwerpunkt auf neuen Funktionen setzte. So können jetzt in LibreOffice (und nur in LibreOffice) Tabellenzellen in Calc farblich markiert werden, der LibreOffice Writer hat eine Wortzählung in der Statusleiste und beim PDF-Export können die erzeugten PDFs mit einem Wasserzeichen versehen werden. Zudem wurden zahlreiche Import- und Export-Formate verbessert und mit Corel Draw ein weiterer Importfilter implementiert.

 

Aber auch Apache OpenOffice hat mit Version 3.4 bereits erste kleine Funktionen implementiert, die LibreOffice zumindest im Moment noch nicht hat. So ist vor allem das Zeichenmodul OpenOffice Draw mit einigen neuen Funktionen versehen worden. Ein weiterer Unterschied zwischen Apache OpenOffice und LibreOffice ist die unterschiedliche Lizenzierung. LibreOffice ist unter der LGPL lizenziert, wie es OpenOffice.org auch war, Apache OpenOffice hingegen unter der Apache-eigenen Apache License. Diese ist allerdings ebenfalls OpenSource und unterscheidet sich nur marginal von der GNU General Public License.

Fazit: Unterschiede nur im Kleinen

Für Privatanwender ist die Lage derzeit also noch vergleichsweise unübersichtlich bzw. egal, je nachdem wie man es sieht, denn die wenigen Unterschiede fallen bislang nur denen auf, die auf eines dieser Spezialfeatures angewiesen sind. Einen Überblick über alle Unterschiede von Apache OpenOffice zu LibreOffice hat Michael Meeks in einer Grafik gut zusammengefasst. LibreOffice hat ebenfalls eine Seite mit Änderungen der Version 3.6 veröffentlicht.

Weitere OpenOffice-Themen:

Microsoft Office oder eine kostenlose Alternative?

Microsoft Office war lange Zeit die unangefochtene Nummer Eins bei Büro-Software. Inzwischen gibt es aber zahlreiche Alternativen, die man sich kostenlos herunterladen kann. Was nutzt ihr lieber? Nehmt an unserer Umfrage teil und erfahrt, wie die anderen Leser abgestimmt haben!

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

* Werbung