OS X Mavericks: Apples kostenloses Mac-Update im Test

Thomas Konrad 38

Einige Wochen ist OS X Mavericks nun auf dem Markt. Grund genug, um uns darüber ein abschließendes Urteil zu erlauben. Neue Applikationen, Energiespar-Funktionen und Verbesserungen bestehender Funktionen machen Mavericks zwar zu keinem komplett neuen Erlebnis, machen den Mac aber immerhin deutlich nützlicher. Und Preis-Kritik ist ohnehin obsolet, oder?

Mavericks: Neue Apps, Neue Funktionen, mehr Effizienz

iBooks und Maps: iOS-Apps für den Desktop

iOS ist für Apple in den letzten Jahren zum wichtigsten Standbein geworden. Innovationen und neue Applikationen sind in vielen Fällen erst nur für Apples mobile Geräte verfügbar. iBooks und Maps sind keine Ausnahme. Die beiden Applikationen haben es erstmals auf den Mac geschafft.

iBooks funktioniert, wie man es sich vorstellt. Im Vergleich zu früheren iOS-Versionen musste die App etwas Federn lassen, kommt in ganz schlichtem Gewand daher. Blättern kann man zwar mit dem Trackpad wie in Dokumenten üblich, eine entsprechende Animation gibt es aber nicht mehr. Ansonsten ist iBooks in OS X Mavericks gänzlich das, was man von den Entwicklern aus Cupertino erwarten konnte.

Die Software beherbergt Bücher und PDFs, stellt sie auf Wunsch alle auf einmal, getrennt nach PDFs und Büchern, nach Autoren oder Kategorien sortiert oder einfach als Liste dar. Nach einem Doppelklick auf ein Buch öffnet sich das Lese-Fenster. Als Einzel- (Befehl + 1) und Doppelseiten (Befehl + 2) lassen sich Bücher darstellen. Doch: Nicht nur die Kollegen von theverge nehmen Anstoß daran, auch wir wundern uns, warum  man die Buchstaben nicht wie üblich durch Aufziehen der Finger vergrößern kann. Es dauert ein wenig, bis man versteht, wie das Layout funktioniert. Wer die Fenstergröße anpasst, verzieht damit gelegentlich Grafiken, sieht statt zwei plötzlich nur noch eine Seite. Um erneut die Doppelseite zu sehen, muss man das Fenster erst großziehen, bevor der entsprechende Menü-Befehl wieder funktioniert. All das wirkt derzeit noch etwas unflexibel. Nützlich ist das Tastaturkürzel Befehl + 0: Das bringt alles in den Ausgangszustand.

In der Titelleiste findet man einen Direktlink zur Bibliothek, ein Ausklappmenü fürs Inhaltsverzeichnis und einen Button zum Einblenden der Notizen-Leiste. Notizen in verschiedenen Farben und wahlweise mit Kommentar lassen sich durch Markieren von Text hinzufügen.

Schneller gehts, zwar ohne direkte Farbauswahl, wenn man beim Markieren des Textes die Befehlstaste gedrückt hält. Ein Button zum Anpassen der Textgröße und Schriftart findet man wie auf dem iPad rechts oben. Dort kann man auch einen Sepia- beziehungsweise Nacht-Modus einschalten, außerdem Suchen und Lesezeichen anlegen.

Der iBooks Store ist direkt aus der Bibliothek zu erreichen. Er ist übersichtlich, sieht im Grunde aus wie der iTunes Store. Dass er nicht in iTunes integriert ist, ist aufgrund der grundsätzlich Trennung zwischen iTunes und iBooks auf dem Mac nicht weiter verwunderlich.

Karten bringt Apples Standard-Kartenmaterial, Satellitendaten und eine Mischung aus beidem auf den Mac. Oft benutzt hat der Autor die App in der Testphase nicht. Zu oft setzte sich die Gewohnheit durch, Safari und maps.google.com waren das Mittel der Wahl. Durchaus nützlich ist hingegen die Sharing-Funktion.

Kartenausschnitte und Routen lassen sich mit einem Klick direkt an das iPhone schicken. Dort meldet die Karten-App den Hinweis und zeigt den Ort oder die Route nach einem Tap an. Auch E-Mails, Nachrichten, Tweeds sowie Facebook-Posts lassen sich aus der App heraus absetzen.

Finder: Endlich mit Tabs und stärkerer, aber unausgereifter Tag-Integration

Dem Finder spendiert Apple eine Neuerung, die viele Anwender heiß ersehnten: Tabs. Wie im Browser kann man in einem Fenster mehrere Tabs unterbringen, um effizient mit mehreren Ordnern arbeiten zu können. Dateien und Ordner lassen sich leicht von einem in einen anderen Tab verschieben, indem man sie in der Tab-Leiste darauf zieht.

Der gewünschte Tab rückt dann in den Vordergrund. Nun kann man die Datei ablegen. Die Tastenkombination Befehl (cmd) + T ist die einfachste Möglichkeit, um einen neuen Tab zu öffnen. Wenn man einen Ordner mit gedrückter Befehlstaste doppelt klickt, öffnet er sich ebenfalls in einem neuen Tab. Ein Wermutstropfen: Öffnet man einen neuen Ordner beispielsweise vom Desktop aus, gibt es keine Möglichkeit, diesen direkt in einen Tab zu verbannen - schon hat man wieder zwei Fenster. Überhaupt muss man sich auch an Tabs erst gewöhnen. Was in der Theorie extrem nützlich klingt, ist praktisch nicht immer die einfachste Lösung. Ab und an nutzt der Autor doch lieber zwei kleine Finder-Fenster, um Dateien zu verschieben. Die Treffsicherheit ist dabei deutlich größer.

Bunte Tags ersetzen die bunten Etiketten - mit einem Vorteil: Sie sind tiefer im System verankert, alle Dateien eines Tags lassen sich auf einen Klick anzeigen. Anwender können zu den bunten, bereits vorhanden Tags auch eigene erstellen.

Beim Sichern einer Datei lassen sich beliebig viele davon eintragen. Insbesondere für kurzfristige Datei-Sammlungen erwiesen sich die Tags als nützlich. Ohne einen Ordner anlegen zu müssen, lassen sich getaggte Dateien im Finder mit einem Klick wiederfinden, so verstreut sie auch sein mögen.

Wer Mavericks einem bestehenden System lediglich übergestülpt hat, findet mit Etiketten versehene Dateien nun im neuen Tagging-System. Das kann sowohl Fluch als auch Segen sein. Fraglich ist, wie sinnvoll eine Sortierung mit Tags langfristig ist. Ein Ordner dürfte sich in vielen Fällen beständiger „anfühlen“. Für Belehrungen darüber, in welchen Fällen Tags durchaus ein Zugewinn sind, ist der Autor in den Kommentaren offen. Denkbar wäre in künftigen OS X-Versionen beispielsweise eine tiefergehende Integration von Tags in andere Applikationen. Hinter einem Tag könnten sich weiterführende Aktionen wie der Upload zu Dropbox oder der Export in ein anderes Format verbergen.

Safari: Stabiler, Schneller, Stromsparender

Oberflächlich hat sich in Safari kaum etwas geändert. Tatenlos war Apple aber nicht. Tabs laufen nun in separaten Prozessen - eine abgestürzte Website zwingt nun nicht den ganzen Browser in die Knie. Eine Stromspar-Option deaktiviert Plug-Ins, sofern sie nicht zum eigentlichen Inhalt der Webseite gehören. Das soll sich beim Surfen sehr positiv auf die Akku-Ausdauer auswirken. Wir haben die Funktion hier bereits einmal beleuchtet.

Twitter und LInkedIn sind auf sinnvolle Weise in Safari 7 integriert. Geteilte Links nennt Apple die Funktion. Wer in den Systemeinstellungen seinen Twitter-Account einträgt, sieht alle dort geteilten Links neben Lesezeichen und der Leseliste in der Safari-Seitenleiste. Der Vorteil: Tweets ohne einen Link filtert das System heraus. Die einzelnen links lassen sich bequem durch Scrollen nacheinander abarbeiten.

Safari macht Gebrauch vom neuen iCloud-Schlüsselbund. Der sichert alle Passwörter und Kreditkartendaten, füllt entsprechende Felder auf Webseiten automatisch aus und lässt sich auf allen seinen Geräten verwenden. Für die nötige Sicherheit sorgt ein (mindestens vierstelliger) Sicherheitscode, den man beim Einrichten in den Systemeinstellungen festlegt. Genaueres zeigen wir im Artikel iCloud Schlüsselbund in iOS 7 und OS X Mavericks einrichten und synchronisieren.

Auf der zweiten Seite des Artikels folgen Ausführungen zur gestalterischen Verwandtschaft von iOS 7 und OS X 10.9 Mavericks, kleine und liebenswerte Neuerungen und das abschließende Urteil.

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