Der 100 €-Virus: Zahlen oder der Computer wird gesperrt!

Martin Maciej 1

Beinahe jeder PC-Nutzer hat diese Meldung schon einmal auf seinem oder dem Computer eines Bekannten gesehen_ Der Rechner wird nicht mehr hochgefahren, stattdessen erscheint eine bedrohlich wirkende Meldung auf dem Bildschirm, die zur Zahlung eines bestimmten Betrags, z. B. 100 € auffordert, damit der PC wieder freigeschaltet wird. Hierbei handelt es sich um einen Virus, der angeblich eine hochrangige Behörde als Urheber hat. So wird der Virus mit der 100 €-Zahlungsaufforderung etwa mit Logos der GVU (Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen) oder dem BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) präsentiert.

Der 100 €-Virus: Zahlen oder der Computer wird gesperrt!

Im Namen der gewählten Behörde wird dem PC-Nutzer vorgeworfen, strafrechtlich relevante Handlungen am Computer vorgenommen zu haben. Anfangs handelte es sich größtenteils um die Anschuldigung, illegale Downloads von urheberrechtlich geschützten Werken, z. B. Musik oder Filmen durchgeführt zu haben. Aktuell werden vermehrt Nutzer beschuldigt, kinderpornografische Inhalte auf dem Computer aufzurufen. Um die Glaubwürdigkeit der Meldung zu erhöhen werden dabei beispielhaft Bilder auf dem Monitor präsentiert. Begleitet wird der 100 €-Virus von der Anschuldigung der genannten Behörde, sowie der Aufforderung, 100 € zu bezahlen, um den Computer wieder freizuschalten und somit die Sperrung des Computers zu umgehen.

Die Zahlung soll dabei über ein anonymes Zahlverfahren durchgeführt werden, z. B. eine Paysafecard oder vor allem über Ukash. Hierbei handelt es sich um Zahlverfahren mittels Prepaid-Code. Der ahnungslose Nutzer wird aufgefordert, solch eine Zahlkarte im Wert von 100 € zu kaufen und für die Freischaltung des Computers einzulösen.

Muss ich 100 € zahlen, um den Virus zu entfernen?

Die Zahlung sollte keinesfalls vorgenommen werden! Auch nach dem Einlösen der 100 € bleibt der Virus im Regelfall bestehen. So ist nicht nur der Computer unbrauchbar, zusätzlich entsteht ein finanzieller Schaden gegen den sich im Normalfall nichts mehr unternehmen lässt. Taucht die entsprechende Meldung auf dem Bildschirm auf, sollte man zunächst Ruhe bewahren. Als erstes sollte überlegt werden, ob in der Vergangenheit Programme aus unbekannten Quellen heruntergeladen wurden oder ob man verdächtige Webseiten aufgerufen hat. Auch der Stream von aktuellen Kinofilmen auf einschlägigen Portalen kann diesen Virus bereits auf dem Computer festsetzen. Hat man tatsächlich kinderpornografische Inhalte auf dem Rechner aufgerufen, wird der Rechner im Normalfall nicht auf diesem Wege gesperrt und schon gar nicht gegen eine Zahlung von 100 € wieder freigeschaltet. Vielmehr sollte man in diesem Falle mit dem Besuch der Polizei an der Haustür rechnen. Da aber die wenigsten Opfer des 100 €-Virus auch tatsächlich solche Angebote besucht haben, kann der Rechner wieder entsperrt werden.

100 €-Virus entfernen: So wird´s gemacht

Selbst die besten Antivirenprogramme kommen beim Entfernen des 100 €-Virus ins Straucheln. Da der Computer bereits beim Hochfahren blockiert wird, kann das Antivirusprogramm auch nichts mehr gegen den Schädling ausrichten. Insbesondere in aktuellen Varianten des 100 €-Virus jegliche Computeraktionen unterbunden werden, hilft nur noch ein komplettes Neuaufsetzen des Systems. Vor der Neuinstallation des Computers kann man aber noch einige Erste-Hilfe-Maßnahmen gegen den 100 €-Virus durchführen. Auf einem nicht befallenen Computer kann ein Gratis-Antivirenprogramm oder wahlweise eine kostenpflichtige Variante heruntergeladen und auf einen USB-Stick kopiert werden. Beim Hochfahren des Computers drückt man nun mehrmals die Taste „F8“. Im besten Fall erscheint eine Auswahl, in welcher sich Windows im „abgesicherten Modus“ starten lässt. Erscheint der Windows-Bildschirm, kann der USB-Stick angeschlossen werden und das Gratis-Antivirenprogramm auf dem Computer installiert werden, um den 100 €-Virus zu entfernen. Nach einem Neustart des Computers sollte dieser wieder wie gewohnt hochfahren. Da sich wie bei jeder Schadsoftware auch beim 100 €-Virus Rückstände im System festsetzen können, sollte in diesem Moment wichtige Daten sichern und ein vollständiges Neuaufsetzen des Computers in Betracht ziehen.

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