SLUB-Katalog fürs iPhone: Bibliothek im App-Zeitalter

Sven Kaulfuss

Klassische Bibliotheken versprühen den Charme vergangener Tage. So scheint es, doch sind sie mittlerweile längst in der Realität der Digitalisierung angekommen. Mit positivem Beispiel schreitet die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) voran, die seit kurzem eine eigene iPhone-App anbietet – ein Novum.

SLUB-Katalog fürs iPhone: Bibliothek im App-Zeitalter

Von der Idee zum Produkt

Es klingt wie eine Phrase: Bildung ist der Schlüssel zum Glück, ein Werkzeug gegen die Armut und Instrument des persönlichen Aufstiegs. Wissen ist die Basis für Bildung, Bibliotheken sind hierfür ein Hort der Erkenntnis. Gerade auch in Zeiten von Google und Co obliegt ihnen eine wichtige Aufgabe: Die Sammlung und Sicherung des intellektuellen Bewusstseins von Generationen.

Doch sollten Bibliotheken im 21. Jahrhundert nicht nur auf ihre äußere Form reduziert werden. Mit Sicherheit ist das vor einer Dekade neu entstandene Gebäude der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) ein mächtiger Sakralbau des Wissens, viel wichtiger jedoch: Man erkennt frühzeitig die Chancen und Möglichkeiten neuer Medien und ermöglicht jungen Menschen, ihre Ideen tatsächlich zu verwirklichen – so unser Eindruck nach einem kurzen Besuch.

Die beiden Studenten der Medieninformatik Erik Sommer und Steffen Matthischke lauschen im März 2011 einer Vorlesung an der TU Dresden. In der nachfolgenden Semesterarbeit möchten sie ihre Idee einer iPhone-App für den Katalog der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) realisieren. Die Direktion der SLUB ist davon angetan. In Zusammenarbeit mit dem IT-Stab der Bibliothek entsteht ein offizielles Projekt und schließlich auch ein Produkt. Am 14.03.2012 können iPhone-Nutzer nun erstmals den Gesamtkatalog der SLUB mit über 70 Millionen verzeichneten Medien durchstöbern.

Funktionen: Orientierungshilfe

Die Entwickler, die IT-Abteilung und deren Direktion sind sichtlich stolz auf ihr neues Baby. Nach aktuellem Erkenntnisstand ist der die erste App einer deutschen Bibliothek, die ihren Bestand derart zugängig macht. Doch was bietet das Hilfsmittel dem Nutzer?

Die App ist in erster Linie Recherche-Tool und offeriert eine funktionale Phrasensuche mit Verknüpfungsmöglichkeiten. Diverse Filter schränken dabei die Ergebnisliste zur besseren Übersicht ein. Diese können auch zur späteren (Wieder)Verwendung in einer Notizliste zusammengefasst werden. Als eingeloggter Benutzer stehen noch mehr Funktionen zur Verfügung. Nicht nur, dass der aktuelle Kontostatus mit einer Übersicht der derzeit ausgeliehen Medien angezeigt wird, ferner können Leihfristen verlängert und Magazin-Bestellungen ausgeführt werden. Übrigens: Rückgabe-Termine lassen sich einfach in den Kalender (iCal) importieren.

Besonders hilfreich: Merklisten. Bücher werden in einer Art Notizzettel erfasst, inklusive Beschreibung des Fundorts. So findet man Bücher auch direkt vor Ort im Gebäude der SLUB bzw. an den weiteren Standorten der Bibliothek. Apropos: Lagepläne und Standortinformationen der einzelnen Zweigbibliotheken sind auch enthalten.

Auf digitalisierte Inhalte lässt sich derzeit noch nicht direkt zugreifen (Stichpunkt: Lizenzrechte). Dafür gibt es dann entsprechende Weblinks mit den Angeboten. Für eigene, digitalisierte Inhalte der SLUB, könnte man sich diese Funktionalität aber in Zukunft vorstellen, zum Beispiel für eine kommende iPad-App. Jedenfalls werden aber auch schon jetzt Treffer in der deutschen Fotothek mit Vorschaubildern angezeigt.

Bisher trifft die SLUB-App auf ein sehr positives Feedback. Im brilliert sie mit 4,5 Sternen. Aber auch die Rückmeldungen im hauseigenen Blog fallen sehr wohlwollend aus – gute Arbeit.

Ausblick: Android und Co

Und was ist mit Android? Die Entwickler beruhigen, die SLUB-Katalog-App gibt es auch bald für das Konkurrenzsystem von Google. Wenn alles nach Plan läuft, dürfen Nutzer bereits im Laufe des Aprils damit rechnen. Zu einer kommenden iPad-App gibt es dagegen derzeit nur eine Absichtserklärung, noch keine konkrete Zeitplanung.

Für uns steht fest: Mit dem präsentierten Engagement brauchen wir uns wohl keine Sorgen um den Universitäts- und Wissensstandort Deutschland machen. Das derartige Impulse aus der sächsischen Landeshauptstadt kommen, freut den Schreiber des Artikels und ehemaligen Studenten der TU Dresden dabei besonders.

SLUB Katalog
Entwickler: Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
Preis: kostenlos
Download:

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