Erfolg mit Early Access: Zwei deutsche Entwickler erklären, wie es richtig geht

Alexander Gehlsdorf 1

An Early Access scheiden sich die Geister. Für die einen ist es eine willkommene Alternative zum klassischen Publisher-Modell, für die anderen Geldmacherei mit unfertigen Spielen. Trotz vieler erfolgreicher und spielenswerter Titel genießt Early Access einen schlechten Ruf. Ich habe mit den beiden Entwicklern hinter The Curious Expedition gesprochen um herauszufinden, wie Early Access hinter den Kulissen funktioniert.

Erfolg mit Early Access: Zwei deutsche Entwickler erklären, wie es richtig geht

Early Access ist wieder in aller Munde und muss sich erneut massiver Kritik stellen. Obwohl sich ARK: Survival Evolved seit über einem Jahr in der Early-Access-Phase befindet, das Hauptspiel also offiziell noch gar nicht fertig gestellt wurde, bieten die Entwickler nun den konstepflichtigen DLC Scorched Earth zum Download an. In der Community kommt das gar nicht gut an und so darf sich sich ARK derzeit wieder über negative Reviews freuen, unabhängig von der inhaltlichen Qualität des DLCs.

Die Reaktionen sind nicht neu und nicht überraschend: Early Access sei Abzocke, die Spiele werden niemals fertig gestellt, angekündigte Features werden gestrichen, die Spiele leiden an Bugs und viele weitere Vorwürfe stigmatisieren das Modell seit mehreren Jahren. Dabei steckt in der Early-Access-Finanzierung eine Menge Potential. Ausgelöst hatte den Boom seinerzeit Minecraft und war auf eine Goldmine gestoßen. Alle Beteiligten schienen zu profitieren. Die Entwickler können durch Vorverkäufe ihre laufenden Kosten decken, die Spieler können bereits früh und häufig deutlich günstiger selbst Hand anlegen und mit ihrem Feedback die weitere Entwicklung des Titels beeinflussen. Der Schlüssel zum erfolgreichen Early Access scheint dabei in der Transparenz der Entwicklung und der Einhaltung versprochener Features zu liegen. Nur wenn die Spieler genau wissen, wofür sie bezahlen und die versprochenes Features auch tatsächlich erhalten, kann von einem fairen Kauf die Rede sein.

Vorhang auf für The Curious Expedition

Unter all den negativen Schlagzeilen scheint dabei vergessen zu werden, dass es zahlreiche Early-Access-Projekte gibt, die das Potential des Modells tatsächlich ausschöpfen und demonstrieren, dass Early Access eine lohenswerte Alternative zum klassischen Release-Modell sein kann. Eines dieser Spieler ist The Curious Expedition. Die deutsche Produktion erreichte am 2. September nach gut fünfzehn Monaten den 1.0-Status und erfreut sich an positiven Rezensionen der Presse und der Community. In dem Roguelike übernimmst Du die Rolle eines Entdeckers im 19. Jahrhundert, der im Laufe von sechs prozedural generierten Expeditionen nach Schätzen sucht, auf Eingeborene trifft, wilde Tiere bekämpft und auch mit allerlei Übernachtürlichem konfrontiert wird, verfluchte Artefakte und Echsenmenschen mit eingeschlossen.

The Curious Expedition - Trailer.
Entwickelt wurde The Curious Expedition von einem Zweimannteam bestehend aus Riad Djemili und Johannes Kristmann. Beide haben zuvor bei YAGER an Spec Ops: The Line gearbeitet und 2014 ihr eigenes Studio Maschinen-Mensch gegründet. Ich hatte die Möglichkeit, mit den beiden zu sprechen und der Entwicklungsgeschichte hinter The Curious Expedition auf den Grund zu gehen. Die Idee zum Spiel entstand Ende 2013. Damals arbeiteten die beiden bei YAGER an Dead Island 2, spielten aber bereits mit dem Gedanken, ein eigenes Projekt anzugehen. Nach einigen Brainstorm-Sessions stand fest: Das Spiel soll in die Vergangenheit führen. So einigte man sich auf Expeditionen im 19. Jahrhundert als Szenario. Noch bevor es das erste Gameplay zu sehen gab, ging Maschinen-Mensch einen interessanten Schritt. Sie pitchten ihr Konzept in Foren wir TIGSource und auf Twitter und stießen auf Begeisterung. Die Arbeit an The Curious Expedition konnte also beginnen.

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Finanzierung und Arbeitsweise

Unzufrieden mit der Arbeit an Dead Island 2 kündigten die beiden ihre Stelle beim Triple-A-Entwickler  und beantragten eine Förderung beim Medienboard Berlin-Brandenburg. Diese belief sich mit 50.000 Euro auf die Hälfte der veranschlagten 100.000 Euro Entwicklungskosten, der Rest musste aus eigener Tasche finanziert werden. Während sie sich zuvor nur privat am Abend der Entwicklung ihres eigenen Spiels widmen konnten, verfügten sie nun über die Zeit und die fiannziellen Mittel, sich Vollzeit der Expedition zu widmen. Zu Beginn der Entwicklungsphase, habe man das Spiel mit so viel Content und Features wie möglich gefüllt, erklärt mir Johannes. Man hatte zahlreiche Ideen, die man im Spiel unterbringen wollte, jedoch fehlte dieser Arbeitsweise der Fokus. Das Umdenken begann einige Wochen später nach der Teilnahme an einem Game Jam. Dort entwickelten die beiden innerhalb von 72 Stunden Planet Corp, ein Minispiel, in dem Ressourcen aus diversen Planeten geerntet werden müssen. Die entscheidende Erfahrung sei gewesen, Freunden und Bekannten ein Konzept vorzustellen, sich aufgrund der zeitlichen Beschränkung auf wenige Kernmechaniken zu beschränken und bereits wenige Tage später das fertige Spiel vorzeigen zu können.

Die Arbeitsweise an The Curious Expedition wurde dementsprechend angepasst. Das Spiel wurde auf ein Minimum reduziert, alle unfertigen Features wieder verworfen und daraufhin Schritt für Schritt neu eingebaut. Alle zwei Wochen soll ein Update erscheinen, in dem gezielt neue Features eingebaut wurden. Diese Updates wurden zuerst intern veröffentlicht, der nächste große Schritt folgte dann im November 2014. Unter dem Namen Alpha 1 veröffentlichten Riad und Johannes das Spiel für zwölf Dollar per Humble Widget auf ihrer Website maschinen-mensch.com. Das bedeutet, dass die Verkäufe zwar über Humble abgerechnet wurden, das Spiel jedoch nicht im Humble-Store sondern exklusiv über die eigene Website verfügbar war. Riad erklärt weiter, dass man anfangs versucht habe, so unabhänhig wie möglich zu sein. Kein Publisher, kein Humble-Store, kein Steam.

Wie es mit der Entwicklung von The Curious Expedition weiterging und welche Faktoren im Early Access entscheidend sind, erfährst Du auf der nächsten Seite.

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