Papo & Yo: Wenn der Gegner dein betrunkener Vater ist

Robin Schweiger

Indie-Games führen die Spiele-Industrie an Orte, in denen wir sie niemals erwartet hätten. Mit „Papo & Yo“ verarbeitet Vander Caballero seine traumatischen Kindheit, in der er unter seinem alkoholkranken, gewaltbereiten Vater litt. Dabei schafft er das Unmögliche: „Papo & Yo“ erzählt nicht nur eine einzigartige, fesselnde Geschichte, sondern macht auch als Videospiel Spaß.

Das hat in erster Linie mit dem tollen Szenario zu tun: „Papo & Yo“ spielt in einem abstrakten, brasilianischen Favela. Gebäude schweben durch die Luft, laufen durch die Gegend und sind elementarer Bestandteil des Puzzle-Designs: Wenn Spielfigur Quico einen Abgrund überquert, tut er das nicht indem er über kleine Plattformen springt: Stattdessen ordnet er die Häuser selbst neu an, sodass er über deren Dächer zu seinem Ziel hüpft.

Nach einiger Zeit trifft Chico auf Monster, eine beängstigend aussehende Kreatur, die jedoch keine Bedrohung zu sein scheint. Mit Früchten lockt er Monster durch die Level und benutzt seinen Bauch als Trampolin um an vorher unerreichbare Schalter zu kommen. Gemeinsam mit dem wunderschönen Art Design und dem ebenso großartigen Soundtrack entsteht so eine einzigartige, idyllische Atmosphäre.

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Sie wird jedoch jäh zerstört, wenn Monster das erste Mal auf Frösche trifft. Dann vergisst er alles um sich herum und verschlingt sie gierig, nur um daraufhin in blinde Rage zu verfallen. In diesem Stadium greift Monster sogar Chico an, der sich nur durch Flucht retten kann.

Die Metapher ist klar: Chiqo stellt Vander dar, während Monsters gefährliche Vorliebe für Frösche die Alkoholsucht des Vaters verbildlichen. Nachdem Monster sich beruhigt, verfällt er regelmäßig in tiefen Schlaf, woraufhin Chiqo alles versucht, um ihn sicher durch die Level zu lotsen – sei es mit der Hilfe besagter Früchte oder sich bewegender Häuser.

Es ist der ständige Wechsel von Harmonie und Terror, der „Papo & Yo“ zu so etwas Besonderem macht. Ich konnte Monster nicht böse sein, zu hilfreich, zu freundlich ist das Wesen normalerweise. Stattdessen versucht nicht nur Chiqo, sondern auch ich als Spieler alles, um ihn vor sich selbst zu retten – nur um irgendwann einsehen zu müssen, dass dies ein verlorener Kampf sein könnte.

Mit seinen wunderschön präsentierten, nie frustrierenden Schalter-Rätseln, den simplen Jump ’n Run-Mechaniken und dem wundervollen Szenario der Favelas bietet „Papo & Yo“ ein Spiel-Erlebnis, dass ihr so nirgendwo anders finden werdet.

 

 

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