Steam Wars: Angriff der Konkurrenz-Launcher

Marina Hänsel

Es herrscht Aufruhr bei Steam. Mehrere Spielelauncher haben ihre Absicht erklärt, das Steam-Imperium anzugreifen – allen voran der rebellische, kleine Launcher Epic. Diese Separatisten, unter der Führung des reichen Epic Stores, machen es immer schwerer, Frieden und Ordnung beim Spielen wundervoller Spiele aufrecht zu erhalten. Und was, wenn dieser hinterhältige Angriff das Ende des Imperium bedeutet? Auf welcher Seite wirst du stehen?

Es sind raue Zeiten im Steam-Imperium angebrochen, angeheizt durch Sticheleien und Attacken rebellischer Launcher. Was mit Konkurrenz bei Spiele-Sales begann, die Steam zumeist einzig irritiert haben, endete vor einigen Tagen mit einem Frontalangriff durch den reichen Epic Store: Metro Exodus zeitexklusiv bei Epic – ein imperialer Sprecher nannte das Debakel „unfair“, Rebellen auf Reddit und Facebook im Outer Rim lachten nur.

Nun. Warum ich mit dir spreche, junger Padawan? Es wird eine Zeit geben, da auch du dich entscheiden musst. Da sind Mächte in unserem Universum, die keinerlei moralischen Vorstellungen unterliegen, es gibt kein gut und kein böse. Es gibt natürlich die Macht – die dunkle Seite sowie die helle, das Imperium Steam und die Rebellen der Konkurrenz-Launcher. Wer hat recht? Schließlich wirst du es sein, der sich für eine Seite entscheidet. Oder bleibst du neutral? Wartest ab und kaufst deine Spiele erst, wenn der Streit beigelegt ist? So viele Möglichkeiten. So viele Wege. Auch in der galaktischen GIGA GAMES-Redaktion scheiden sich die Geister.

Rebellenpilot Alex meint: „Steam braucht endlich ernstzunehmende Konkurrenz

Ich kann mich an eine Zeit erinnern, in der Steam noch grün war. Also buchstäblich. Bis das Programm nämlich sein heute bekanntes, schwarzes Design bekommen hat, hat sich optisch eine ganze Menge getan. Mehr als 15 Jahre ist das inzwischen her, als Steam im September 2003 veröffentlicht wurde. Und ich war als einer der ersten mit an Bord.

Ein kurzer Blick in mein Steam-Profil verrät mir, dass ich seit dem 24. Juni 2004 ein Steam-Konto besitze. Damals war das Programm kaum mehr als ein Update-Service für Counter-Strike. Das änderte sich jedoch ein halbes Jahr später in November 2004, als Half-Life 2 erschien und Steam zum Untergang des PC-Gaming erklärt wurde.

Heute mag das absurd klingen, damals zog das Internet jedoch mit Heugabeln über Valve her: Der heiß erwartete Shooter Half-Life 2 ist an Steam gebunden. Ein Skandal! Wieso kann ich nicht einfach eine CD-Rom kaufen und installieren, so wie bei jedem anderen Spiel auch? Wozu einen Key eingeben und dadurch ausschließen, das Spiel jemals weiterverkaufen zu können? Schlimmer noch: Was wenn Valve eines Tages einfach die Server abschaltet und ich Half-Life 2 nie mehr spielen kann?

Der galaktische GIGA GAMES-Rat hat auch Half-Life besprochen:

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Was machen eigentlich die Entwickler von Half Life?

15 Jahre später ist all das selbstverständlich, Normalität geworden. Steam ist der goldene Standard des PC-Gaming, wo sonst sollte ich meine Spiele kaufen und herunterladen? Die Sorgen von damals sind vergessen, beziehungsweise haben sich alle mit der neuen Ordnung abgefunden. Und daran ist nichts auszusetzen, Ich selbst möchte ungern in die Zeit vor 2003 zurückkehren, in der ich darauf hoffen musste, meine Splinter Cell CD-Rom, die ich vor kurzem meinem besten Freund ausgeliehen hatte, ohne Kratzer zurück zu bekommen.

Steam war seiner Zeit voraus, hat die Art und Weise wie PC-Spiele vermarktet und gehandelt werden revolutioniert und Sorgen und zerkratzte CDs und nicht mehr existierende Patch-Server obsolet gemacht und hatte damit jede Menge Erfolg, trotz des ursprünglichen Widerstands. Wie das Imperium brachte Steam Frieden und Stabilität in eine Zeit des Aufruhrs. Die Vorteile schienen die Bedenken zu überschatten. Doch mit der Erfolg und der Macht wuchs auch die Dunkelheit.

Mein Verhältnis zu Steam ist eine Hass-Liebe. Zugegeben, als PC-Spieler kann ich mir ein Leben ohne Steam nicht vorstellen. Steam ist die Normalität, jeder nutzt es, es führt kein Weg daran vorbei – und daran liegt auch das Problem. Steam ist praktisch ein Monopol, kann tun und lassen was es will und gerade in den vergangenen Jahren haben sich mehr und mehr die Schattenseiten davon offenbart.

Während Steam natürlich weiterhin die neusten Releases, AAA-Spiele und Indie-Hits zum Download anbietet, ist der Steam-Store bei genauerer Betrachtung zum Wilden Westen des Software-Mülls geworden. Um ein Spiel bei Steam anbieten zu können gibt es praktisch keinerlei Einschränkungen. Asset-Flips, nie fertig gestellte Early-Access-Spiele, unspielbar verbuggte Software oder schlichtweg Scam, der nicht einmal eine .exe-Datei enhält? Auf Steam alles kein Problem – Schließlich verdient Valve mit jedem Verkauf ganze 30 Prozent mit, je mehr verkauft wird, desto besser also.

Auch davon bekommt Valve ein kleines Stück des Kuchens.

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Die teuersten Sachen, die du auf Steam kaufen kannst.

Jegliche Form der Kuration, Überwachung und Bewertung wurde an die Spieler selbst übergeben. Steam-Forum, Review-System, Tags – alle Informationen stammen von den Spielern selbst. Valve selbst lehnt sich zurück und kassiert -und hat auch gar keine andere Möglichkeit mehr, denn das Steam-Angebot ist inzwischen so gigantisch, dass das Unternehmen gar nicht mehr die Möglichkeit hat, alle Spiele selbst zu kontrollieren. Damit will ich Valve nicht in Schutz nehmen, schließlich sind die selbst dafür verantwortlich, dass es überhaupt soweit kommen konnte.

Wenn ich mich im Vergleich dazu bei GOG oder im Nintendo eShop umsehe, dann habe ich natürlich auch keinerlei Garantie, dass mir die dort angebotenen Spiele wirklich gefallen, aber zumindest habe ich die Gewissheit. dass sie tatsächlich funktionieren, weitestgehend Bug-frei sind und von den Mitarbeitern des Unternehmens gewissenhaft geprüft wurden. Sicher gibt es auch hier Ausnahmen und Fehler, immerhin wird für diese anschließend aber auch Verantwortung getragen. Das klingt eigentlich nach einer Selbstverständlichkeit, selbst das kann Steam mittlerweile aber nicht mehr gewährleisten.

Steam ist zu groß und zu mächtig geworden.

Worauf ich hinaus will ist folgendes: Steam braucht Konkurrenz. Steam muss sein Monopol verlieren und sich wieder am Wettbewerb orientieren. Aus diesem Grund begrüße ich auch neue und zusätzliche Launcher – nicht weil diese perfekt sind oder alles richtig machen, ganz und gar nicht, sondern weil die Valve auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Oder zumindest das Potential dazu haben. Denn wie Luke, der seinem Vater die Maske abnimmt, sehe auch ich noch das Gute in Steam und bin gewillt, dafür zu kämpfen. Auch wenn es aussichtslos scheint.

Und um zum Abschluss noch auf Metro Exodus zurück zu kommen: Das Argument „Warum kann ich es nicht einfach bei Steam aktivieren und installieren, so wie bei jedem andere Spiel auch?“ habe ich so oder ähnlich vor 15 Jahren schon einmal irgendwo gehört.

Imperiale Offizierin Marina meint: „Steam ist der schlechteste aller Launcher, ausgenommen aller anderen

Da ich nun, wie es scheint, zum Imperium übergetreten und der dunklen Seite verfallen bin, kann ich es auch gleich frei heraus sagen: Das Steam-Imperium ist das Beste, was wir haben. Und klar – es ist im Moment das Maß aller Dinge, sollte es aber nicht sein. Die Angriffe unserer rebellischen Launcher; die hinterhältigen Attacken des Epic Stores sind ein Segen in jener Spielewelt, die auf dem PC von Steam reagiert wird.

Nichtsdestotrotz ist es das Beste, was wir haben. Nichtsdestotrotz sind die Angriffe hinterhältig und schmerzhaft für jene, um die es geht – die Spieler. Nichtsdestotrotz wäre eine Herrschaft des rebellischen Epic Stores eine wohl sehr viel dunklere Ära, ohne Pre-Loads, ohne Übersichtlichkeit im Store, ohne verdammter Suchleisten – ernsthaft, wie suche ich ein Spiel auf Epic? Ohne Service.

Service allerdings kann noch sprießen, Service kann Epic sich graduell aufbauen, sollten sie je anfangen, auf die Spieler zu hören. Ich bin ein geständiger imperialer Spieler mit einer Steambibliothek von etlichen und aberetlichen Spielen. Ich weiß, Steam ist irgendwie schon böse. Und wie mir ein befreundeter Rebell erklärte, absolut nicht unschuldig in seinen eigenen Missetaten der Vergangenheit.

Es gibt jedoch eine Frage, die ich dir hier und heute im galaktischen GIGA Games-Senat stellen möchte, und es ist folgende: Ist eine Aufsplittung in mehrere Launcher besser als ein Monopol wie es Steam ist?

Das Imperium kann schon seltsam sein:

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Die 5 seltsamsten Fakten über Steam.

Monopole sind falsch. Monopole sind böse. Aber dann ist da diese Stimme in meinem Kopf, die flüstert – es gibt kein gut oder böse. Es gibt allerdings Netflix und Amazon Prime und Hulu und Sky und, schließlich, diese eine Serie, die gerade dort gespielt wird, wo ich sie nicht sehen kann.

Ein Monopol heißt, dass alle Macht auf einem Punkt liegt. Ein Monopol, wie es das imperiale Steam sein mag, kann Spiele zurückweisen, Entwickler kaputtmachen, über Spieler wie auch Spielemacher bestimmen. Mehrere Launcher dagegen bedeuten Freiheit von alledem. Und ohne Frage wäre ein Sieg der Rebellen ein Sieg der Spieledemokratie, ugh. (Da ist das Imperium, das aus mir spricht – wie konnte es soweit kommen?)

Denn dann hast du Epic und Steam und GOG und diesen einen neuen Launcher. Sie alle funktionieren unterschiedlich, sie alle launchen verschiedene Spiele. Ich möchte sagen, dass es für Entwickler und Publisher, aber ganz besonders für kleinere Indiespiele tatsächlich ein Segen wäre. Vielleicht ist das Grund genug, sich den Rebellen anzuschließen? Ich weiß es nicht.

Ich weiß aber eines: Es mag noch eine kleine Weile auf sich warten lassen, doch Game-Streaming, wie es heutzutage Film- und Serienstreaming gibt, wird kommen. Und wer glaubst du, werden die Anbieter sein? Steam. Epic. GOG. Netflix-Games. Und Amazon Prime Games, denn Amazon ist überall.

Im Moment ist es vielleicht Stolz, der dich davon abhält, ein Spiel im Epic Store zu kaufen. Oder Abneigung. Oder du kaufst es dir sogar gern, denn diese ganze Epic-Steam-Sache ist dir egal. Nichts falsch daran.

Morgen aber werden es auch Kosten sein, die dich davon abhalten. Hier ein Abonnement, dort ein Abonnement – es kommt, und es wird einen ähnlichen Verlauf nehmen, wie in der weit entfernten Galaxie der Filme.

Ist ein Monopol besser, als eine Spieledemokratie? Ich denke, das könnte es sein. Ist Steam besser, als eine Spieledemokratie? Vielleicht nicht. Denn nein, das beste System für Spiele haben wir noch lange nicht gefunden – ein Monopol vielleicht, das unabhängig und nicht getrieben von Sales ist, ein demokratisches Monopol. Ein Imperium, das regiert wird von Spielern, aber nicht etliche rebellische Imperien, die über Spieler regieren.

Epic ist weder Katastrophe noch Hilfe. Und Steam ist der schlechteste aller Launcher, ausgenommen aller anderen.

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